Der Realsatire nächste Folge
Die Groteske um die BZÖ-Wahlwerbung ist um einen Brief der Finanzprokuratur reicher. Sie fordert EU-Spitzenkandidat Ewald Stadler auf, die Bezeichnung Volksanwalt nicht mehr zu verwenden. Ungeachtet der juristischen Dimension zeigt sich, dass das BZÖ den Wähler für dumm verkauft. Und sich selbst offenbar unglaublich ernst nimmt. Der orangen Realsatire nächste Folge.Die Lacher hat Ewald Stadler diesmal auf seiner Seite. Vordergründig. Er hat ruhigen Gewissens versprochen, wie die Finanzprokuratur fordert, ab 8. Juni jegliche Wahlwerbung, in der er als Volksanwalt vorkommt, nicht mehr zu verbreiten. Die Wahl zum EU-Parlament ist am 7. Juni. Den Wahlkampf danach fortzusetzen, wäre sogar für orange Dimensionen ein unsinniges Unterfangen.
"Unser Volksanwalt in Brüssel" ist der jüngste realsatirische Beitrag der Orangen zu heimischen Wahlkämpfen. Mit einer Position zu werben, die es nicht gibt, zeugt von einer gewissen Geringschätzung der Intelligenz der Wählerinnen und Wähler gegenüber, die das BZÖ gerne an den Tag legt. Abgesehen davon war Stadler nie oranger Volksanwalt. Er wurde von der FPÖ nominiert. Es würde nicht überraschen, würde die auch noch klagen.
Wenn das Wahlvolk dumm genug erscheint, treten die Orangen auch gerne im Namen von Toten an. Oder kandideren Politiker, die vor der Wahl bekanntgeben, das Mandat nicht anzustreben. Alles schon passiert.
Geht es um mehr als Mandate?
Nicht anders beim EU-Wahlkampf. Aus einem unerfindlichen Grund hat das BZÖ vier Kandidaten nominiert, erklärtes Wahlziel ist ein Mandat. Die Kandidaten sind abgehalfterte Provinzpolitiker und ein Banker mit unklarem Verhätlnis zur Republik, der sich selbst als politisch naiv bezeichnet. Er soll Wirtschaftskompetenz symbolisieren, die beim BZÖ ohnehin nie vermutet wurde. In der größten Finanzkrise seit 1929 einen unbekannten Banker als Wirtschaftsmann voranzustellen, unterstreicht das. Und zeigt, was vom Wahlvolk gehalten wird. Vom vierten Kandidaten, einem Diplomaten, hat man in der Öffentlichkeit nach Bekanntgabe seiner Kandidatur nichts mehr gehört. Am wenigsten eine schlüssige Erklärung, warum er antreten will.
http://www.politwatch.at/stories/kabarett-aus-dem-stegreif
Warum das BZÖ antritt, außer um gut dotierte Posten zu ergattern, weiß auch niemand. Abgesehen von der Absicht, etwas Unterhaltung in den Wahlkampf hineinzutragen. Was eine begrüßenswerte Absicht wäre, würden sie die Kandidatur nicht wirklich betreiben. Auf der anderen Seite: Was das BZÖ politisch will, weiß vermutlich nicht einmal die Partei selbst. Österreichs beste Stegreif-Kabaretttruppe zu sein ist auf Dauer auch etwas wenig. Langfristig steht bei aller Anerkennung für das orange Talent zur unfreiwilligen Komik die Bezahlung in keiner Beziehung zur Qualität der Darbietung.
Christoph Baumgarten - 22. Mai, 13:06


