Der Kreide frisst

3531827660_eec1476d42_bEr kann auch anders. Wenn rassistisches Poltern nicht opportun ist, kann ein Bumsti Strache auch eine weiche Seite zeigen. Geschehen im Interview mit der Wochenende-Ausgabe des "Standard".

Wenn man Joana Adesuwa Reiterer gegenüber sitzt, die aus Nigeria stammt und versucht, Zwangsprostituierten zu helfen, kann man mit rassistischen Tiraden nur verlieren. Das versteht sogar ein Bumsti Strache. In seinem gewohnt lockeren Umgang mit dem, was man gemeinhin als Wahrheit bezeichnet, macht er eine Kehrtwende in zentralen Ideologiefragen. Was erleichtert wird durch die Tatsache, dass Strache wie üblich unbelastet von jeglichem Faktenwissen in die Diskussion geht.

STANDARD: Ich darf Ihnen Frau Reiterer vorstellen, sie ist Gast bei unserem Spätsommergespräch. Frau Reiterer kommt aus Nigeria. Was wissen Sie über Nigeria?
Strache: Dass es ein diktatorisches Land ist, das große wirtschaftliche Schwierigkeiten hat, dass Stammesfürsten einander bekämpfen und viele Menschen mit großen Problemen leben - was auch der Grund ist, warum viele Menschen auch immer wieder den Weg zu uns suchen.
Reiterer: Diktatur? Eigentlich nicht. Nigeria ist eine Demokratie.
Strache: Aber es gab doch einen großen Wahlbetrug, oder?
Reiterer: Das schon, und es gibt auch ein gravierendes Korruptionsproblem. Aber dennoch ist es eine Demokratie.

http://derstandard.at/1252771700858/Der-Standard-Sommergespraech-Ich-will-keine-auf-unseren-Strassen-haben

Bemerkenswert folgender Dialog:
STANDARD: Ab wann ist man für Sie ein Österreicher?
Strache: Wenn man die Staatsbürgerschaft hat.
STANDARD: Sollte Frau Reiterer morgen die Staatsbürgerschaft bekommen, hat Sie dann Anspruch auf eine Gemeindewohnung?
Strache: Wenn sie die Staatsbürgerschaft hat - selbstverständlich.
STANDARD: Dann diskutieren wir auch nicht mehr über Ausländerquoten im Gemeindebau?
Strache: Wenn ihr Mann oder ihre Kinder keine Staatsbürgerschaft haben, dann soll bei der Anmeldung sehr wohl berücksichtigt werden, wie viele Bürger pro Familie die Staatsbürgerschaft haben. Heute sucht einer mit Staatsbürgerschaft um eine Sozialwohnung an - und mit ihm ziehen fünf weitere Leute ein, die keine Staatsbürgerschaft haben.


Noch im ORF-Sommergespräch hatte Strache mehrere Definitionen des "echten" Österreichers dargeboten. Eine nach dem klassischen Blut-Prinzip. Echte Österreicher sind Nachfahren deutschsprachiger Einwohner der Donaumonarchie. Dazu eine Gesinnungsdefinition: Echter Österreicher ist man, wenn man ein "ausreichendes Maß an Patriotismus" zeigt. Den meisten Zuwanderern mit Staatsbürgerschaft sprach er diese ab. Jetzt die klassisch rechtstaatlich-liberale Definition.

Auf den Spuren Adenauers?
Was interessiert einen Strache sein Geschwätz von gestern? Wobei zweifelhaft ist, dass Konrad Adenauer einen derart lockeren Umgang mit den eigenen Aussagen im Kopf hatte, als er das Zitat prägte. Und niemand, nicht einmal die härtesten FPÖ-Anhänger, können die Realität derart verdrängen, dass sie einem Strache das Format Adenauers zusprechen. Zumal da ja häufig eher andere historische Vorbilder präsent sind.

Strache weiß, dass er gegen Reiterer nicht bestehen kann. Auch wenn er wie üblich versucht, die freiheitlichen Lügen zu verpacken. Natürlich hält er Arbeitsbewilligungen für Asylwerberinnen für kein probates Mittel im Kampf gegen Prostitution. Argumentiert wird das mit einer eher seltsam anmutenden Logik.
Strache: Nein, im Gegenteil. Solange das Asylverfahren nicht abgeschlossen ist und nicht feststeht, ob er als Flüchtling anerkannt wird, soll er nicht arbeiten. Bis dahin hat er ja eine exzellente Versorgung. Sie haben selbst angesprochen, wie arm Menschen in Nigeria sind. Bei uns kosten Asylwerber den Steuerzahler bis 1200 Euro pro Monat, wenn man Gesundheitsvorsorge, Unterkunft, Verpflegung einrechnet.
Reiterer: 290 Euro bekommen sie, nicht mehr. Die Mehrheit bekommt nicht einmal ausreichende gesundheitliche Versorgung.


Leider vergibt Reiterer hier die Chance, Strache darauf hinzuweisen, dass es das Arbeitsverbot ist, das Asylwerberinnen auf den Strich treibt. Strache, der sich als Retter von Wiens Hausfrauen präsentieren will, redet jenen das Wort, die dafür verantwortlich sind, dass junge Frauen keine andere Chance sehen als ihren Körper zu verkaufen. Entweder ist der zu dumm das zu kapieren. Oder er hat ein Interesse daran, dass es so bleibt wie es ist. Solche Zustände lassen sich propagandistisch aus Sicht der freiheitlichen Hetzer gut nutzen.

Strache und die Neugeborenen
Es klappt nich durchgehend mit dem liberalen Strache, der sich weltgewandt gibt.
Strache: In Wien sind 63,7 Prozent der Kinder, die 2008 geboren wurden, römisch-katholisch, 24,1 Prozent islamisch. Laut Demografieberechnungen gibt es 2025 bei den Unter-14-Jährigen 50 Prozent muslimische Kinder. Die Frage ist: Will man zur Minderheit in der eigenen Heimat werden?

Neugeborene sind nicht katholisch oder muslimisch. Sie werden dazu gemacht. Genetische Unterschiede gibt es keine. Nicht einmal ein Herr Strache könnte am Schrei eines Neugeborenen erkennen, wer seine Eltern sind. Was dann der Unfug soll, ist schleierhaft. Außerdem: Die Statistiken stimmen auch nicht so wirklich. Aber gut, woher soll das ein Strache wissen?

STANDARD: Der BZÖ-Abgeordnete Ewald Stadler hat Abtreibungen mit dem Massenmord in den KZs verglichen. Stimmen Sie ihm zu?
Strache: Naja. Wir verlieren jährlich rund 60.000 Leben, das ist, hochgerechnet über Jahre und Jahrzehnte, auch eine Katastrophe für die Menschheit.


Selten so einen Unfug gelesen. Das übertrifft sogar die Märchenstunde der Fundis von Human Life International. Die sprechen von 30.000 Abtreibungen im Jahr. Strache muss das toppen. Warum auch immer. Würde bei etwas unter 80.000 Geburten pro Jahr eine Abtreibungsquote von ca. 40 Prozent machen. Tatsächlich liegt sie nach seriösen Schätzungen bei 1,2 Prozent.

Der Versuch, die Standard-Leser zu ködern
Dennoch: Strache versucht sich, von einer liberalen Seite zu zeigen. Er präsentiert sich als einer, der den Rechtsstaat respektiert und so etwas wie Menschenrechte kennt. Ein anderer Strache als der, der am Viktor-Adler-Markt auftritt. Oder in TV-Konfrontationen. Ein anderer Strache als der, den seine Sympathisanten in ihm sehen. Ein anderer Strache als der, als der er seit Jahren öffentlich auftritt.

Der Anlass gebietet es. Der Standard hat eher urbane, etwas gebildetere Leser, die etwas besser verdienen als der Durchschnitt. Menschen, die imstande sind, die Strachesche Realtitäsverweigerung und seinen lockeren Umgang mit der Wahrheit zu erkennen. Punkten kann er nur, wenn er sich dem Publikum etwas anpasst. Dass irgendjemand auf den Kreidefresser hereingefallen ist, ist eher unwahrscheinlich.

Die Strategie hat einen Vorteil: Dass seine Sympathisanten jemals von diesen Aussagen erfahren, ist ausgeschlossen. Die lesen den Standard nicht sondern seine Poltereien in "Krone" und "Heute".
Christian (Gast) - 20. Sep, 15:39

Da Bumsti...doof geboren und nichts dazu gelernt. ts ts ts

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