Der Holocaust als französischer Wein
"Der Untergang des Abendlandes" steht am 1. August bevor, ist der Mitteilungsblatt genannten Hassschrift der Piusbruderschaft Deutschland zu entnehmen. Unter diesem Titel hetzt sie seitenlang gegen den Christopher-Street-Day (CSD) in Stuttgart. Und schreckt vor Geschichtsverfälschung nicht zurück.
Original-Zitat: Wie stolz sind wir, wenn wir in einem Geschichtsbuch
lesen, dass es im Dritten Reich mutige Katholiken gab, die sagten: „Wir machen diesen Wahnsinn nicht mit!“. Ebenso muss es heute wieder mutige Katholiken geben! Und man kann nicht sagen: Was geht mich das an? Ich bleibe zu Hause und arbeite in meinem Garten. Es gibt ein Sprichwort, das man den Pazifisten entgegenhielt, die riefen: „Stell Dir vor es ist Krieg und keiner geht hin“. Die Antwort darauf war einfach: „Dann kommt der Krieg zu dir!“
Der Krieg, der "zu dir kommt" ist aus Sicht der Fundis die Homosexualität.Aber dann musst du auch wissen, lieber Vater, dass die Homosexualität zu Dir kommen wird. Zu deinen Kindern. In deine Schule. Ja, das, was die Katholikenhasser bei dem Abtreibungsgebetszug skandierten, wird wahr werden: „Eure Kinder werden so sein wie wir!“. Auf das schwachsinnige Argument einzugehen, Homosexualität sei ansteckend oder selbstgewählt, wäre müßig. Das ist nur mehr lächerlich. In höchstem Maß degoutant ist der Nazi-Vergleich. Die Opfer des Holocaust mit dessen Verursachern zu vergleichen, ist nicht nur dumm, diffamierend, historisch falsch etc. Es ist zum Kotzen und zum Aus-der-Haut-Fahren. Eine Provokation, auf die die Strafanzeige der Organisatoren des CSD die richtige Antwort war.
http://www.piusbruderschaft.de/mitteilungsblatt (Ab S. 34)
Noch dazu sollte sich gerade eine bekannte rechtsradikale Organisation wie die Piusbruderschaft an der Nase nehmen. Bewusst bemüht hier die für antisemitische Ausfälle führender Vertreter bekannte Organisation die Mär vom flächendeckenden katholischen Widerstand gegen die Nazis. Den gab es so nicht. Und von damaligen Geistesverwandten der (später gegründeten) Piusbruderschaft lässt sich sagen, dass sie mit erhobenem rechten Arm mitmarschierten und den Nazis die Taufregister auslieferten, anhand derer das NS-Regime getaufte Juden sehr einfach ausfindig machen konnte. (Siehe auch: Daniel Jonah Goldhagen: A Moral Reckoning).
Holocaust als französischer Wein
Zum Thema NS-Regime beklagt die Piusbruderschaft nur die mangelnde "Vaterlandstreue" in Deutschland, die auf einem ihrer Meinung nach falschen Geschichtsverständnis beruht: Der größenwahnsinnige
Braunauer hat in seinem „zwölf Jahre dauernden tausendjährigen Reich“ katholische Tugenden genommen und für seine Rassenideologie missbraucht.
Das ist in etwa so, wie wenn ich mir einen edlen französischen Wein kaufe und mich sinnlos betrinke. Jetzt gehen alle Leute her und sagen: Seht ihr, der Wein ist schuld an der Trunkenheit. Also gibt es ab sofort keinen Wein mehr. Dabei hätte man richtigerweise sagen müssen: Der Missbrauch des Weines ist schuld.
NS-Terror und Holocaust als einen Übergenuss an "edlem französischem Wein" zu bezeichnen grenzt zumindest an Verharmlosung des Nationalsozialismus. Juristen werden besser beurteilen können als ich, inwiefern ein rechtliches Vorgehen möglich bzw. nötig ist. In der Formulierung verrät die Piusbruderschaft mehr, als ihr lieb ist. Mit dem Holocaust hat er's halt ein bisserl übertrieben, der Hitler. Die sechs Millionen Juden waren gar ein bisserl viel. Der Terror gegen Andersdenkende, gegen Homosexuelle, gegen Wehrdienstverweigerer, gegen Pazifisten, der Angriffskrieg mit seinen 50 Millionen Opfern - das entsprach offenbar katholischen Tugenden. So versteht jeder vernunftbegabte Mensch diese Passage.
Wenn der Verfasser das nicht gemeint hat, sollte er die deutsche Sprache erlernen, bevor er sich auf Vaterlandstreue beruft. Jeder Migrant würde mit seinem Staatsbürgerschaftsantrag scheitern, würde er derart missverständliche Formulierungen gebrauchen. Die Piusbruderschaft macht hier dem "Bildungs"sprecher der FPÖ Wien, Johann Gudenus, Konkurrenz.
Ganz nebenbei wird am deutschen Grundgesetz gerüttelt. Gegen Homosexuelle und Andersdenkende (im Fall der deutschen Piusbruderschaft sind das etwa 80 Millionen Menschen in Deutschland) wird gehetzt, selbst beruft man sich auf das Recht auf Versammlungs- und Meinungsfreiheit. Und wähnt sich ab dem Moment diskriminiert, als Homosexualität in Deutschland nicht mehr strafbar war.Die Homosexuellen haben bereits die Strafbarkeit ihres Tuns aus dem Gesetz entfernen lassen. Der Artikel 175 des Strafgesetzbuches, der die Umkehrung der Geschlechtlichkeit unter Strafe stellte, ist bereits in den 70‘er Jahren gefallen. Aber vor kurzem hat Brigitte Zypries von der SPD noch viel weitergehend gefordert, die geschlechtliche Perversion sogar in das Grundgesetz aufzunehmen. Wenn das geschieht, dann wird es in Deutschland für Katholiken eng. Dann darf man die sodomitische Sünde nicht mehr anprangern, weil es verfassungsfeindlich ist.
Hassprediger muss man nicht lange suchen. Es wäre schön, wenn hier die allgemeine Aufregung so groß wäre, wie sie es bei einem Imam in Deutschland oder Österreich ist, der ähnlich hasserfüllte Botschaften in die Welt hinausträgt. Die Demokratie wollen beide untergraben und abschaffen. Gegen beide darf man keine Toleranz walten lassen.
(Bild: Priesterweihe der Piusbruderschaft, Quelle: http://www.piusbruderschaft.de)
Christoph Baumgarten - 3. Jul, 12:35



Es ist wichtig und notwendig, auf diese Dinge hinzuweisen. Vor allem wird auch klar, wie wichtig es ist, daß Religion Privatsache wird und in den Genuß weder materieller noch ideeller staatlicher Förderung kommen darf.
Viel Glück bei der Atheismus-Kampagne!