Der Falschmelder

Erschütternde Neuigkeiten hat das Land über den Inder erfahren, der in der Schubhaft nach einem Hungerstreik gestorben ist. Den GutmenschInnen verschlägt's die Sprache ob der ungeheuerlichen Vorwürfe, die gegen den Inder erhoben werden. Sie lassen den Tod des Menschen nachgerade als Beweis für die humanen Fremdengesetze erscheinen.

Falschmelder, schreit das Land! Falschmelder! Eine schwerere Anklage lässt sich kaum vorbringen im Land der Anständigen und Ehrlichen, deren Prototyp Susanne Winter ist. Falschmelder!

Der Inder hat falsche Angaben gemacht, als er um Asyl ansuchte. Und noch dazu stand er mit diesen falschen Daten im Melderegister! Lässt sich etwas ungeheuerlicheres denken als das? Ein feiger, ein hinterhältiger Anschlag auf diesen ordentliche, auf dieses brave Land. Ein tödlicher Schlag gegen den sonst so gut funktionierenden Rechtsstaat. Als Zeugen für diesen führe man den Kärntner Landeshauptmann Gerhard Dörfler ins Land.

Dass der Mann falsche Angaben machte, um im Westen bleiben, Armut und Elend zuhause entfliehen und seiner Schwester ein Studium ermöglichen zu können, beweist alles. Noch dazu hat er, wie die ganz unbefangene Polizei sagt, schwarz gearbeitet. Das schlägt dem Faß den Boden aus. Der hinterhältige Geselle war zu allem fähig. Ein gemeingefährlicher Schwerverbrecher. Womöglich hat er noch das Religionsbekenntnis auf dem Meldezettel weggelassen! Solchen Menschen ist alles zuzutrauen.

Wäre er wegen Mordes angeklagt gewesen, das allein hätte als Beweis seiner Schuld genügt. Noch dazu, wo er eines weit abscheulicheren Verbrechens überführt wurde: Hier bleiben zu wollen! Wahrlich, so ein Mensch verdient den Tod, denkt sich das anständige und ehrliche Österreich. Und etwas weiß der wehrhafte Kleinbürger: Wer alt genug ist, um illegal einzuwandern, ist alt genug zum sterben.

Natürlich hält die wohlmeinende, unbefangene, Polizei mit diesen Informationen hintern Berg. Unsere Exekutive würde nie öffentlichen Rufmord betreiben, um von einem möglichen eigenen Versagen abzulenken. Bei den Jugendlichen von Krems hat man das ja auch gar nicht getan. Dass das Vorstrafenregister des Überlebenden an die Öffentlichkeit gelangte, war reiner Zufall. Vermutlich zutage gefördert von dem Informanten dieses Falter-Journalisten Florian Klenk. Man weiß ja, was von diesen Menschen zu halten ist. Diese GutmenschInnen wollen den Anständigen und Ehrlichen und manchmal den Beschränkten nur den Spaß am Leben nehmen und sie herunterziehen. Feinde des gesunden Volksempfindens. Wenn die Anständigen und Ehrlichen sich endlich gegen die GutmenschInnen durchgesetzt haben, wenn der wehrhafte Kleinbürger triumphiert, wird sich schon wieder ein eiserner Besen finden, Wenn sich das erlaubte Unverständnis Bahn bricht, haben sie jedes Recht verwirkt.

Falschmelder, schreit das Land. Falschmelder! Fürwahr, eine erschütternde Erkenntnis. Getätigt von jenen, die ganz sicher das nötige Verständnis und das nötige Mitgefühl haben, um sich in einen Inder hineinzuversetzen, der nach fünf Wochen Hungerstreik gestorben ist. Wobei er auch das, wie der wehrhafte Kleinbürger weiß, zu Fleiß gemacht hat um diesem schönen Land zu schaden. Nur damit unsereins wieder als Nazi dasteht im Ausland, das sich eh nicht auskennt. Zu bequem ist er gewesen für die Schubhaft.

Der Hungerstreikt - ein Klacks, sowas, weiß der Anständige und Ehrliche. Man hat hierzulande ja so viel Übung beim Hungern. Man weiß ja, wie das ist. Wer's zwischen dem Mittag- und dem Abendessen aushält, der schafft das locker auch fünf Wochen. Aber diese Ausländer sind ja so bösartig und lassen sich gleich haftunfähig schreiben. Wo's ihnen so gut geht bei uns. Wo sie von uns erhalten werden. Wo die Schubhaft der reinste Erholungsurlaub ist. Undankbares G'sindel. Und gemein obendrein. Zu Fleiß ist er gestorben, der Inder. Den wehrhaften Kleinbürger kann das nicht erschüttern. War schließlich ein Falschmelder, der hinterhältigste aller Verbrecher. Denen ist alles zuzutrauen.

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Mein Name ist Christoph Baumgarten und bin seit mehr als einem Jahrzehnt im Journalismus. Dieser Blog soll meine Sicht auf die politischen Entwicklungen in Österreich wiedergeben. Wobei im Moment der Ausdruck Zustand angebrachter wäre, wenn man an die heimische Politik denkt. Politwatch zeigt gerne vergessene Zusammenhänge auf und soll den Menschen eine Stimme geben, die auch angesichts der zunehmenden geistigen Verwahrlosung in diesem Land ihre fünf Sinne zusammen haben und nicht vergessen haben, was bei Politik im Mittelpunkt stehen sollte: Der Mensch mit seinen Bedürfnissen. Ein Hinweis für InhaberInnen eines Accounts auf twoday.net: Es gibt einen e-mail-Abodienst für neue Beiträge und Kommentare.

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