Das Netz gegen Rechts
Dass das Internet zu einer wichtigen Plattform für politische Botschaften geworden ist, darf mittlerweile als Platitüde gelten. In Österreich zeigt es beim heurigen EU-Wahlkampf, was es kann. Vor allem der Kampf gegen die rechten Ausbrüche wird auch übers Netz ausgetragen.Vor allem die SPÖ nutzt die Möglichkeiten des Internet. Auf Plattformen wie Flickr und Youtube verbreitet sie ihre Botschaften gegen die antiislamischen und teilweise antisemitischen Ausbrüche der FPÖ im laufenden Wahlkampf. Eine Aktion, die mittlerweile über die klassische Webkampagne einer Partei hinausgegangen ist. Der Kampf gegen Rechts ist seit Ebensee zu einem dominanten Thema geworden. Auch im Internet. Hier positioniert sich die Sozialdemokratie als größte und vor allem als aktivste Kraft, die die Ausbrüche Straches verurteilt. Der Protestspaziergang "Besser links gehen als rechts hetzen" etwa wurde vor allem übers Facebook und Twitter organisiert. Über Youtube und Co wird versucht, die Botschaften vor allem an jüngere Wählerinnen und Wähler zu bringen. Jene, die sich als am anfälligsten für die plumpen FPÖ-Slogans erwiesen haben.
Die Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten lassen nicht nur ihre Mitglieder zu Wort kommen. Auf Youtube bieten sie jenen eine Plattform, die genug haben von Slogans a la "Abendland in Christenhand" und den eher durchschaubaren Erklärungsversuchen Bumsti Straches und Co.
http://www.youtube.com/watch?v=OJmO23zrzQk
http://www.youtube.com/watch?v=ow8f_RgzdDM
http://www.youtube.com/watch?v=0aO55wT5OpQ
http://www.youtube.com/watch?v=uZt1YX3mUHM
http://www.youtube.com/watch?v=F8x19-fZq3I
Und selbstverständlich beziehen die Kandidatinnen und Kandidaten für die EU-Wahl am 7. Juni deutlich Stellung.
Auch, dass die neuerliche neonationalsozialistische Plakataktion in Villach bekannt wurde, ist einer SPÖ-Sympathisantin zu verdanken, die mich darauf aufmerksam gemacht hat und die die Fotos über Facebook verbreitet hat.Grüne Waffe Wissen
Auch die Grünen nutzen das Netz, allerdings bislang auf eher klassische Weise. Karl Öllinger etwa fällt auf der Homepage mit seinen guten Dossiers über rechtsextreme Verbindungen oder Rechtsextreme wie den ehemaligen KKK-Führer David Duke auf. Gutes Hintergrundmaterial für alle, die den heimischen Rechtsextremismus bekämpfen wollen.
http://www.gruene.at/uploads/media/BFJ_Dossier_Oellinger.pdf
http://www.gruene.at/uploads/media/dossier_duke_ernest_duke.pdf
Wissen ist die Waffe der Grünen. Grüne Aktivistinnen und Aktivisten und Sympathisanten nutzen etwa Twitter, um auf einschlägige Interviews und Seiten aufmerksam zu machen. Youtube-Videos sind (bisher) nicht Mittel der Wahl. Der grüne Youtube-Channel widmet sich eher den klassischen grünen Wahlkampfthemen.
Auch die demokratische und antifaschistische Community auf Facebook zeigt sich sehr engagiert. Es gibt, zumal seit Ebensee, zahlreiche Gruppen, die gegen Rechtsextremismus und rassistische Hetze mobil machen. Ihr Vorteil: Die Zugangshürde für Facebook-Mitglieder ist minimal. Nachrichten lassen sich in Echtzeit an oft tausende Mitglieder verbreiten. Diskussionstermine können mit geringem Aufwand und kostenlos organisiert und beworben werden.
Das ist auch der FPÖ nicht verborgen geblieben, die offenbar gegen alles vorgeht, gegen das sich vorgehen lässt. Einer Gruppe namens "Gegen HC Strache" mit mittlerweile knapp 3.100 Mitgliedern etwa wurde folgendes, etwas kryptisches, Mail geschickt. Die Gruppe hatte eine Karikatur als Titelbild, die Strache als billige Hitler-Kopie zeigte, Bärtchen und stilisierte Uniform inklusive:
Hallo,
Ich möchte Sie drauf aufmerksam machen das es vielleicht besser wäre diese Seite " Gegen HC Strache" oder zumindest das Bild auf der Seit zu entfernen da dies sonst zu konsequenzen für Sie führen kann.
Ich bitte Sie zumindest das Bild umgehend zu entfernen.
Mit freundlichen Grüßen
Die Autorin dieser Botschaft posiert auf dem Titelbild ihres Facebook-Profils mit Bumsti Strache. Ihren Namen habe ich aus rechtlichen Gründen weggelassen.
Der Gründer der Gruppe sah sich gezwungen, das Bild auszutauschen. Statt seiner prangt ein kaum schmeichelhafteres Foto am Profil, das Strache zeigt, wie er ein Autogramm auf den Busen einer jungen Frau schreibt.
Christoph Baumgarten - 25. Mai, 19:33


