Das Liebesleben der Wendehälse

Strache_ScheuchAlte Liebe rostet nicht, heißt es. FPÖ und BZÖ, die Koalition der Verhaltensoriginellen, haben sich nach der lauten Scheidung nach beinahe fünf Jahren wieder gefunden. Will man uns weismachen. Wie romantisch. Eine Studie des Liebeslebens der Wendehälse.

Wenn nicht Schnee fiele, müsste man glauben es sei Frühling. Nichts anderes als der Hormonschwung, der bei den ersten warmen Sommerstrahlen des Jahres einsetzt, könnte die plötzliche Begeisterung der Kärntner für die Wiener und umgekehrt erklären. Eine amour fou, wie es scheint. Das Zusammenfinden lange Geschiedener, die die Trennung nie akzeptiert haben.

Das würde man vielleicht einem Stefan Petzner abnehmen, Aber der will so gar nicht. Was die von mir tot geglaubte beste Stegreifkabaretttruppe Österreichs wider Erwarten neu belebt. Er lehnt die Annäherung zwischen Strache und Scheuch ab. Eine teure Gefühlsaufwallung. Glücklicherweise nicht für ihn.

Die ihm Untreuen verlieren mehr als eine Million Euro, wenn sie keinen fünften Mann für Straches Zweitwohnung finden. Auch Grasser-Klon Bucher ziert sich. Obwohl ihm laut eigenen Aussagen ein Ministeramt angeboten wurde. Er hat ausgeschlagen. Sagt er. Und Ewald Stadler spuckt Gift und Galle.

Die Wahrheit ist eine Tochter Straches
Heiße Liebe, Eifersucht, gekränkte Eitelkeit. Die großen Gefühle werden dem Kopf schüttelnden Publikum präsentiert. Was mehr braucht eine Romanze? Mag sein, dass hier ein wenig melodramatisch ist und sehr viele Klischees bedient. Aber wie sonst könnte man erklären, dass Bumsti Strache seine Ankündigung vergisst, es werde unter ihm keine Fusion mit dem BZÖ geben? Vergessen die Zeit, als er so tat, als sei er nicht in führender Funktion einer Regierungspartei gewesen, die den schlimmsten Sozialabbau in der jüngeren österreichischen Geschichte zu verantworten hat. Jetzt ist die alte FPÖ des Jahres 2000 wieder vereint - es fehlen nur die erste Reihe und ein paar eifersüchtige Wiener.

Ein derartiges Über-Bord-Werfen aller Vorsätze, ein derartiger Betrug an den Nahestehenden, ein derartiges Vergessen dessen, was man selber gesagt hat, das ist normalerweise nur einem frisch Verliebten zuzutrauen. Ein wenig erinnert es auch an das Verhalten eines Mannes, der seine Frau betrügt. Ein Vergleich, der hier angebracht schiene. Strache lässt seine Wähler im Regen stehen.

Andererseits war die Wahrheit immer schon Straches Tochter.

Eine gute Partie
Aus Sicht des Kärntner BZÖ ist die plötzliche Sehnsucht nach Strache, dem bekennenden Experten für beide Geschlechtsteile, wahrscheinlich auch rational begründet. Er ist eine gute Partie. Nach dem Hypo-Debakel kann man einen finanziell potenten Partner vermutlich gut gebrauchen. Die Million mit dem neuen Klub, die die Affäre ermöglicht, wäre sicher auch ganz zustatten gekommen. Man kann davon ausgehen, dass die plötzliche Romanze dazu führen wird, dass man die vergangenen Jahre in der Bundesregierung und vor allem im Land Kärnten und das dort angerichtete Debakel sehr schnell vergisst. Liebe ist etwas wunderbares.

Wobei auch Strache weniger romantische Gründe für seine plötzlich wiederentflammte Zuneigung zu Scheuch und Co hat. So billig kann er nie wieder expandieren. Wenn der zukünftige Partner K.O. am Boden liegt, muss man zugreifen, mag er sich gedacht haben. Zu seiner Ehrenrettung muss man sagen: Er hat die K.O.-Tropfen nicht verabreicht. Das war das BZÖ selbst, mit ein wenig Hilfe von der ÖVP in Form des Kärntner Obmanns Martinz.

Für Strache hat das auch den Vorteil, dass er ein zweites Standbein hat, wenn Wien doch nicht so toll läut, wie er glaubt. Den Anspruch Wiener Bürgermeister zu werden, hat er vor kurzem aufgegeben. Ein seltener Anflug von Realismus.

ÖVP als Trauzeuge?
Mit so einer Ausgangslage wirft man Prinzipien über Bord. Unter der Voraussetzung man hätte denn welche. Am rechten Rand darf das getrost bezweifelt werden,

Bleibt die Frage, ob die ÖVP hier als Trauzeuge fungierte. Die Aussagen Buchers legen das nahe. Und in der Vergangenheit hat sich die ja die "Volks"partei immer sehr interessiert gezeigt am Studium der Wendehälse. warum soll das für deren Liebesleben nicht auch gelten? Mit viel Glück könnte das bei den nächsten Nationalratswahlen eine rechte Mehrheit mit nur zwei Parteien bringen. Was will man mehr?

Das allerdings nur unter der Voraussetzung, dass die Wählerinnen und Wähler vergessen und aus der amour fou des rechten Randes kein Nachwuchs entsteht.

P.S.: Danke raketa.at für das Titelbild.
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Mein Name ist Christoph Baumgarten und bin seit mehr als einem Jahrzehnt im Journalismus. Dieser Blog soll meine Sicht auf die politischen Entwicklungen in Österreich wiedergeben. Wobei im Moment der Ausdruck Zustand angebrachter wäre, wenn man an die heimische Politik denkt. Politwatch zeigt gerne vergessene Zusammenhänge auf und soll den Menschen eine Stimme geben, die auch angesichts der zunehmenden geistigen Verwahrlosung in diesem Land ihre fünf Sinne zusammen haben und nicht vergessen haben, was bei Politik im Mittelpunkt stehen sollte: Der Mensch mit seinen Bedürfnissen. Ein Hinweis für InhaberInnen eines Accounts auf twoday.net: Es gibt einen e-mail-Abodienst für neue Beiträge und Kommentare.

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