Das Kreuz mit Österreich

SchulklasseKreuze in Schulklassen sind menschenrechtswidrig, sagt der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte. Sie sind religiöse Symbole, und die dürfen Menschen nicht aufgezwungen werden. Zumal, wenn es Kinder sind. Eine Haltung, die im Großteil der demokratischen Länder selbstverständlich ist. Nur nicht in Österreich. Ein kleiner Blick, warum nicht.

Menschenrechte wollen die? Warum denn? Wenn die Mehrheit dagegen ist! Ja, in diesem Land entscheidet immer noch die Mehrheit. Und das sind wir! Die haben sich daran zu halten. Ja, das sind Menschenrechte! Weil, wo bleiben denn unsere? Unser Menschenrecht ist, dass wir die Mehrheit sind. Drum entscheiden da immer noch wir, was die dürfen und was nicht.

Überhaupt, was pudeln die sich da so auf? Das Kreuz, das steht halt für unsere Kultur und unsere Geschichte. Ja, die haben die Demokratie erfunden, die in der Kirche. Und die Frauenrechte. Und die Menschenrechte. Das weiß man doch. Was, das soll anders gewesen sein? Ich soll Geschichtsbücher lesen? Warum bitte, was geht mich das an? Das war so, weil mir san mir. Wenn ich's Ihnen sag: So war's. Das ist überhaupt kein religiöses Symbol das Kreuz. Das steht schon für die Kirche. Eh klar. Das steht fürs katholisch sein. Sowieso. Das gehört dazu bei uns. So sind wir. So waren wir schon immer. Das ist Österreich.

Was, im Stephansdom sind protestantische Messen gelesen worden? Woher haben's denn den Blödsinn? Nein, das war schon immer so bei uns. Drum haben wir ja die Demokratie erfunden. Also halt die in der Kirche auch. Und was interessieren mich die Juden, die einmal in Österreich gelebt haben? Waren eben Juden, keine Österreicher. Weil ein Österreicher, der ist katholisch. Drum sind wir ja so tolerant, weil das ist unsere Wurzel. Naja, die Evangelischen sind auch ein bisserl Österreicher. Ein bisserl anders halt. Aber wir sind ja nicht so. Aber wer zu uns kommen will, der soll sich anpassen.

Was, in dem Land leben zwei Millionen Menschen ohne religiöses Bekenntnis? So ein Blödsinn. Ah, das haben Sie in der Statistik gelesen? Was gehen mich Statistiken an? Sicher, soll jeder glauben, was er mag. Das nehmen wir ja niemandem weg. Aber die Leut, die sind gegen Österreich. Ich sag's Ihnen. Das ist ein christliches Land. Die müssen sich halt anpassen. Das sind die Leute, die gegen unsere Wurzeln und unsere Geschichte sind. Die müssen sich anpassen an unsere Kultur. Ja, was kann ich dafür, wenn das auch Österreicher sind? Den Pass haben's halt. Deswegen sind die noch lang keine Österreicher. Mit der Einstellung, ganz sicher nicht. Erst, wenn's unsere Kultur respektieren.

Und überhaupt, das sieht man in was für eine Richtung das geht. Jetzt nehmen Sie uns das Kreuz. Dann verbieten sie Weihnachten. Nur damit die anderen ihr Kopftuch weitertragen können. Dabei g'hört das schon lang verboten, ich sag's Ihnen. Die sollen mir nicht kommen mit der Religion. Das sind ja alles Fanatiker. Wir, wir sind christlich. Deswegen sind wir ja so tolerant. Und überhaupt, wie kommen die dazu, was zu fordern, was sie daheim net haben. Sollen selber schauen, wie sie die anderen daheim behandeln. Da sollen sie froh sein, wenn sie bei uns leben dürfen. Das gilt auch für die Atheisten. Sollen net so empfindlich sein. Wir sind's ja auch nicht. Wir lassen uns eh alles gefallen. Weil wir so tolerant sind. Und bevor wir kapieren, was los ist, haben dann die anderen das Sagen. Drum lassen mir uns nix mehr gefallen. Weil, unsere Kultur, die gehört geschützt.

Was unsere Kultur ist? Naja, das sieht man ja. Die Antwort reicht Ihnen nicht? Na, wenn sie's net sehen wollen, kann ich Ihnen auch nicht helfen. Die österreichische Kultur, das sind wir. So wie wir leben halt. Was, das reicht Ihnen immer noch nicht? Was sind denn Sie für einer? Sicher auch so einer, der die österreichische Kultur zerstören will. Damit wir werden, wie die anderen. Wie's die Roten und die Grünen immer wollen. Nur, damit's eine Mehrheit haben. Ja, wir haben euch schon geschaut. Jemand, der nachfragen muss, was unsere Kultur ist, da merkt man schon, woher der kommt. Jemand, dem man das erklären muss, der gehört eh net dazu. Kultur, das muss man fühlen. Wenn man das nicht fühlt, ist man dagegen. So ist das.

Was, Sie fragen immer noch nach? Kommen'S mir net so deppert. San's a Tschopperl oder wollen'S mich häkeln? Das Schnitzel halt. Und due Musik. Der Beethoven. Und der Mozart. Darauf sind wir stolz. Und die Lippizzaner. Und die Sisi. Das ist unsere Kultur. Nein, warum sollt' ich mir Mozart anhören? Schau ich so aus, als würd' mich der interessieren? Ich hör mir lieber den Hansi Hinterseer an. So wie mein Vater die Kernbuam. Das ist unsere Kultur und darauf sind wir stolz. Und der Hermann Maier auch. Nur, damit Sie's wissen. Das muss man spüren. Von Geburt an. Sonst ist man ein vaterlandsloser Geselle.

So wie Sie mit Ihrer depperten Nachfragerei. Sie sind einer von denen, die uns immer vernadern im Ausland. Nur, weil ein Polizist einmal einen Neger g'haut hat, macht's gleich so einen Aufstand. Und dem Strache unterstellt's auch dauernd, dass er ein Rechtsextremer ist. Nur, weil er die Wahrheit sagt. Dass wir uns zuviel gefallen lassen. Das sieht man an den Kreuzen. Na, da gehören ganz andere Saiten aufgezogen mit Euch und die Ausländer. Ihr werdet's schon noch sehen. Da g'hör einmal sauber gemacht. Weil, wir schützen unsere Kultur. Wir sind ja tolerant. Da können sich die anderen ein Beispiel nehmen. Und Sie übrigens auch.

5 Kommentare

Ich hätt so gern gelacht, aber es ist mir jedes Mal im Hals stecken geblieben.
Ich finde es interessant, wie unterschiedlich wir diese Fragen sehen - ich finde religiöse Symbole in öffentlichen Räumen, im öffentlichen Raum einen wichtigen Beitrag zur Religionsfreiheit und Pluralität - und wie gut wir in Sachen #unibrennt & Co. zusammenarbeiten können.
Der Beitrag von Christoph bringt die Problematik sehr gut auf den Punkt: Die von "ihrer oder österreichischer Kultur" sprechen, wissen selbst überhaupt nicht, was sie eigentlich mit Kultur meinen. Wahrscheinlich lesen sie auch zuviele Strache-Plakate, deren Informationsgehalt gleich null ist.

Ja, Religionsfreiheit könnte man auch so sehen, dass in Klassenzimmern beispielsweise Kreuze hängen sollten, dann aber gleichzeitig auch Halbmond, etc. sprich Symbole sämtlicher in Österreich anerkannter Religionsgemeinschaften und last but not least natürlich auch Symbole, Verse, Plakate, ... von Atheisten, Agnostikern.

Sprüche wie - und ich nehme jetzt bewusst diesen - "Es gibt mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit keinen Gott" wären zwar natürlich gerechtfertigt, sind aber meiner Meinung nach ein Schuss nach hinten, weil man bei Diskussionen über eine mögliche Existenz Gottes weder empirische Daten noch objektive Wahrscheinlichkeiten zur Verfügung hat, Wissenschaft also vollkommen fehl am Platz ist. Es gibt keine Möglichkeit, Wahrscheinlichkeiten über die Existenz oder Nicht-Existenz Gottes zu berechnen. Zielführender wäre beispielsweise:

"In unserer Welt / unserem Universum gibt es keinen einzigen Hinweis auf eine Existenz Gottes !"

Ich denke, dieser Satz ist wissenschaftlich haltbar, widerspricht nicht der eigenen Einstellung und provoziert mindestens genauso. (War nur ein erster Gedanke von mir, gibt sicher noch viel bessere)

Ich bin ja selbst Agnostiker, gleichzeitig aber der katholischen Kirche nicht wirklich abgewandt, weil ich selbst als ehemaliger Ministrant und damals aktiver Mitwirkender bei Kindermessen und Heimstunden eine wirklich schöne Zeit in Erinnerung habe und auch durch meine Erfahrungen mit kirchlicher Seelsorge, Obdachlosenbetreuung und -unterstützung seitens Priestern aus meiner Gemeinde und Nachbargemeinden glücklicherweise nur positive Erlebnisse aufzählen kann ... gut, waren Priester nicht gerade "vom alten Schlag". Die vom alten Schlag kenne ich nämlich auch ... aus dem tiefsten Waldviertel, wo selbst im 21. Jhdt. noch am Sonntag von der Kanzel Phrasen wie "Für alle, die nicht glauben, ist es schon zu spät" oder "Ich verabscheue nichts mehr als Menschen, die mit 30 Jahren noch immer nichts aus ihrem Leben gemacht haben" gepredigt werden. Was immer dieser Monsignore mit letzterem auch meint ?? Sehr weit scheint er es mit seinen 65 Jahren ja auch noch nicht gebracht zu haben, wenn er seine Schäfchen mit derartig primitiven, unüberlegten Sprüchen volllabert.
was mich als schülerin selbst immer wieder verwundert, ist, dass in derartigen debatten immer über die köpfe derer hinwegentschieden wird, die es eigentlich betrifft: in diesem fall die schülerInnen selbst.

ein strache inseriert in diversen zeitungen ("das kreuz muss bleiben, wo es ist!") und spielt sich als verfechter des abendlandes auf. politikerInnen (pröll usw.) hetzen gegen "die ungläubigen". letztens im bus hab ich zwei pensionistinnen gehört: "na eine frechheit, was die von da eu jetzt schon wieder mit uns machen wollen. unser land is das, unsere kultur!".
das kann's ja nicht sein?!

jegliche religiöse symbole haben in einer öffentlichen schule absolut nichts verloren! sie schließen nicht nur schülerInnen anderen glaubens aus, sondern auch die ohne konfession!

in unserer klasse hängt das kreuz seit mittlerweile eineinhalb jahren verkehrt.
wer das wohl war?

amen.

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