Das Herz der Finsternis
Die Wissenschaftspolitik in Österreich liegt darnieder. Nicht zuletzt zu verdankem dem Umstand, dass Johannes Hahn (ÖVP) für sie zuständig ist. Sicher, er hat ein schweres Erbe übernommen. Dass er sich unzuständig fühlt, ändert an der Sache nichts."Das Herz der Finsternis" - so nennt Lisa Nimmervoll in ihrem "Standard"-Kommentar die heimische Uni-Politik. Man verzeihe mir, dass ich den treffenden Titel dieses treffenden Kommentars übernommen habe.
Eine wirklich gelungene Analyse, der man eher vorwerfen kann, weiche Worte zu verwenden als zu hart zu sein. Nur in einem Punkt möchte Ich Nimmervoll widersprechen. Ich denke nicht, dass es rein sozusagen passive Umstände sind, die die Misere bedingen. (Sie nennt es Intellektueller Unverstand, ideologischer Unwille, politisches Unvermögen) Ich denke hier steckt viel Absicht dahinter.
Nicht, dass die heimischen Unis vor dem Jahr 2000 übermäßig verwöhnt gewesen wären mit Geld und Personal. Nur, seitdem ist es steil bergab gegangen. Ein Jahrzehnt Zerstörungspolitik an den Universitäten. Ein Jahrzehnt "Wissenschafts"minister (und -innen) von der "Volks"partei.
Ein Jahrzehn Anstrengungen, die Universitäten wieder zu einem elitären Klub zu machen. Behübscht mit Phrasen wie "Bummelstudenten" entfernen, das "Leistungs" -bzw. "Effizienzprinzip" stärken. Die Studiendauer zu verkürzen und dergleichen mehr. Abgesehen von der Pikanterie, dass das verfochten wurde von einer Ministerin, die nie studiert hat, und einem Minister, der elf Jahre für sein Studium brauchte: Die Maßnahmen liefen nur darauf hinaus, alle herauszuekeln, die nebenbei arbeiten mussten. Die von den Unis zu verdrängen, die nicht aus reichem Haushalt stammen. Die Unis wieder für das zu reservieren, was sich für die gute Gesellschaft nennt.
Das hat teilweise ganz gut geklappt. Nur eben nicht ganz. Um das beinharte neoliberale Konzeot durchzusetzen, müssen zuerst die Unis ganz kaputt gemacht werden. Man hungert sie finanziell aus, um zu beweisen, dass es zu viele Studenten gibt. Eine Argumentationsgrundlage für Maßnahmen, die schlecht kaschierte soziale Hürden sind. Nebenbei, und das ist sicher kein unerwünscher Nebeneffekt, stärkt man so die heimischen Privatunis. Deren Betreiber Kernklientel der "Volks"partei sind.
Ein alter Hut: Man schaffe das Chaos, das zu bekämpfen man vorgibt. Die Mission der "Volks"partei ist klar: Beinharter Klassenkampf auf den Unis. Diese Wahrheit sollte man einmal offen aussprechen. Dass einzelne Vertreterinnen und Vertreter der ÖVP das Konzept nicht verstanden haben und vielleicht in gutem Glauben agieren, widerspricht dem nicht. Sie sind die besten Agenten einer solchen Politik.
Christoph Baumgarten - 24. Okt, 10:31



Schon sehr seltsam, zuerst wollen die Linken und Rechten die Studiengebühren abschaffen. Im September 2008 ist es soweit. Nun fehlen die Mittel für die Unis in noch viel stärkerem Ausmaß ... und plötzlich ist wieder die ÖVP schuld. Das ist die typische Vorgangsweise von links (und auch rechts). Selbst die Umstände schaffen, um - seitens der Studierenden natürlich sehr wohl berechtigte - Proteste zu initialisieren und letztendlich dann dem Wissenschaftsminister der ÖVP (gut, dass er mit den StudentInnen nicht mal redet, ist letztklassige Überheblichkeit ganz klar) oder der ÖVP überhaupt die Pauschalschuld zuzuschreiben ... so einfach macht sichs die SPÖ in ihrer unverkennbaren Engstirnigkeit.
Diese Taktik der SPÖ ist seit langem bekannt und solange es immer noch Menschen gibt, die mit Scheuklappen durchs Leben gehen, werden die Apostel der SPÖ auch in Zukunft darauf reinfallen.
Ich komme selbst aus einer einfachen Arbeiterfamilie und hatte vielleicht das Glück während des Studiums bei meinen Eltern wohnen zu können (musste ihnen auch sogenanntes "Kostegeld" für Wohnen, Essen, etc. von 150 Euro pro Monat geben), konnte mir kein Studentenheimzimmer mit 100 Euro und mehr leisten. Als die doch recht hohen Studiengebühren von ca. 360 Euro pro Semester kamen, musste ich halt pro Semester 10-15 Std. mehr Nachhilfe geben neben meinem 10-15 Stunden Job, den ich auch vorher schon hatte, um mir mein Leben plus Studium finanzieren zu können. Diese 10-15 Std. plus Vorbereitungszeit (die nach einiger Nachhilfe Praxis minimiert werden kann) pro Semester sind jedenfalls vernachlässigbar, sofern man meinen möchte, sie würden die Studienzeit verlängern.
Letztes Jahr hat mich ein Freund gebeten, seiner Nichte Nachhilfe zu geben, damit sie Studienberechtigungsprüfung für Mathematik absolvieren kann. Sicher war meine Freizeit aufgrund meines 40-Stunden Jobs etwas reduziert (4 Stunden pro Woche). Gleichzeitig hatte ich aber pro Monat 320 Euro mehr in der Börse. D.h. in 1 Monat wäre - würd ich noch studieren - bereits fast die ganze halbjährliche Studiengebühr herin.
Ich denke, dass jeder angehende Akademiker wichtige Fähigkeiten hat, diese Schülern der Unter- und Oberstufe sowie Studenten zu vermitteln, ohne mittelfristig wirklich übermäßig Zeit dabei zu verlieren. Die Nachfrage nach Nachhilfe seitens Schüler und Studenten ist gewaltig (Deutsch, Englisch, Latein, Mathematik, Buchhaltung, Kostenrechnung, ...) !!