Da hat mein Hund mehr Rechte
In Österreich dürfen kleine Kinder eingesperrt werden. So lange sie nur den falschen Eltern geboren wurden bzw. am falschen Ort. Zuletzt passiert in Wien. Da hat mein Hund mehr Rechte.Danke Frau Innenministerin. Mein Hund ist endlich in einer privilegierten Position. Wo kämen wir denn da hin, wenn mein Dingo, sechs Monate alt, sich mit zwei achtjährigen Mädchen aus dem Kosovo vergleichen lassen müsste? Wenn er nicht wüsste, dass er das Recht auf bessere Behandlung hat?
Meinen Hund darf man nicht so ohne weiteres einsperren. Nur, wenn er etwas falsch gemacht hat. Etwa einen Menschen gebissen. Oder wenn ich ihn aussetzen oder davonlaufen lassen sollte. Eine Aufenthaltsgenehmigung braucht er nicht. Diese Mädchen wurden nur den falschen Eltern geboren. Laut österreichischem Strafrecht sind sie strafunmündig. Was Sie, werte Innenministerin, nicht hindert, sie für eine Verwaltungsübertretung in Form eines illegalen Aufenthalts zu bestrafen.
Ich als Dingos Herrchen muss nachweisen, dass ich den Hund gut behandle. Ich darf ihn nicht schlagen. Ich darf ihn nicht verhungern lassen. Ich darf ihn nicht zu lange alleine lassen. Ich bin verantwortlich, dass er ein Umfeld hat, in dem er ein wie man sagt artgerechtes Leben führen kann. Ein Umfeld, in dem er lernt, ein braver, intelligenter Hund zu sein.
Dieses Recht haben die beiden achtjährigen Mädchen aus dem Kosovo nicht. Die Republik Österreich verweigert ihnen ein solches Umfeld. Es schiebt sie in eine Region ab, in der es keinen nennenswerten Rechtsstaat gibt, ein bestenfalls unterentwickeltes Bildungswesen, keine wirtschaftlichen Perspektiven. Und kein funktionierendes Gesundheitswesen. Dafür Bandenkriminalität, mafiöse Zustände und viel Mädchenhandel.
Würde ich meinen Hund vergleichbaren Umständen aussetzen, man würde ihn mir zurecht wegnehmen. Die Tierrettung würde ihn ins Tierheim bringen. Die MitarbeiterInnen dort würden ihn einer liebe Familie vermitteln, bei der sie davon ausgehen können, dass es ihm dort gut geht. Bei den zwei kosovarischen Mädchen kam die Polizei. Sie wurden gemeinsam mit dem Vater in eine Zelle eingesperrt und in einen Flieger gesetzt. Ob sie dort außer dem Vater irgendjemanden finden, der sie gut behandelt, kümmert Sie nicht, werte Frau Innenministerin.
Mein Hund hat mehr Rechte als diese beiden Mädchen. Da blüht mein Wiener Herz geradezu auf. Genau das brauche ich, um mich selbst als wertvoll und besonders zu empfinden. Dann fällt mir vielleicht der sonstige autoritäre Kurs nicht so auf, der in Österreich Einzug hält. Dann fallen mir Ihre Bestrafungsfantasien vielleicht nicht so auf. Oder die Vorschläge Ihrer Parteikollegin, arme Schweine zur Zwangsarbeit heranzuziehen. Danke, Frau Fekter.
Christoph Baumgarten - 9. Okt, 18:57



aber wirklich
da graust einem einfach nur mehr.
Und die werden trotzdem noch gewählt
Einspruch!