Bürgerinnen und Bürger können's besser
EU-FPÖ-Spitzenkandidat Andreas Mölzer im Chat der Salzburger Nachrichten. Die hartnäckigen Fragen der User bringen Mölzer mehr als einmal ins Schwimmen. Anders als heimische Politjournalisten lassen Bürgerinnen und Bürger nicht locker. Trotz eingeschleuster FPÖ-Sympathisanten. Es waren die üblichen Mölzer-Phrasen. Er versucht sich als netter, intellektuell angehauchter Rebell zu präsentieren, als das zivilisierte Gesicht der FPÖ. Als "Alternative zum europäischen Polit-Establishment" sieht er sich. Er, der mehr als 8.000 Euro Abgeordneten im Monat bekommt und Anspruch auf eine Abgeordnetenpension als Brüssel hat. Eines muss man ihm lassen: Selbst wenn er ins Schwimmen kommt, er bleibt ruhig. Seine Stimme verliert nie den beschwichtigenden Ton, den er sich für öffentliche Auftritte reserviert hat. Leicht von oben herab, nicht unähnlich einem Pfarrer. Den Vertreter des "kleinen Mannes", der deklartierten Zielgruppe der FPÖ, zu machen, liegt ihm nicht. Mit seinem betont bürgerlichen Habitus fällt er aus dem Rahmen. Bumsti Strache wird's schon richten.
Die Userinnen und User der Salzburger geben ihm wenig Chance, seine Thesen auszuwalzen. Warum er bei der Entscheidung über die EU-Asylrichtlinie nicht da gewesen sei, gegen die er so auftrete, wollen sie wissen. Als er sich mit einer Bürgerversammlung in Vorarlberg entschuldigen will, die länger angesetzt gewesen sei als die Abstimmung, hakt ein User nach: Die EU-Abstimmung sei schon länger geplant gewesen, als es Mölzer zugebe. Das können auch die eingeschleusten FPÖ-Sympathisanten nicht richten.
Auch, als er nach Ebensee gefragt wird, kommt er ins Schwimmen. Wie bei der FPÖ üblich, spielt er den Vorfall herunter. Den Überfall lehne er ab, den Hitlergruß ebenso, aber es seien pubertierende Burschen gewesen. Schuld sei die Gesellschaft, die signalisiere, so etwas sei die ultimative Provokation. Den Gegendemonstranten gegen den Wiener Ball der Burschenschafter, oft im selben Alter, bringt er kein Verständnis entgegen. Die seien gewaltbereite Ultralinke und würden Polizisten verletzen. Es lebe das Messen mit zweierlei Maß.
Eine wirkliche Linie lässt nicht herausfinden. Übrig bleibt, dass Mölzer gegen die Türkei generell ist und, entgegen dem mittlerweile aufgegeben dem Antiklerikalismus seiner Partei, Europa als christliches Konstrukt sieht. Auch mit anderen nationalistischen Parteien will er wieder gemeinsame Sachen machen. Und gegen das BZÖ und Ewald Stadler ist er, aber eher aus persönlichen Gründen. Dass er dem BZÖ vorwirft, im Nationalrat für die EU-Verfassung gestimmt zu haben, ist lächerlich. Damals war die FPÖ noch vereint. Als Einzige stimmte Barbara Rosenkranz gegen die EU-Verfassung. Auch ihre Parteifreunde, die nach der Spaltung bei der FPÖ blieben, stimmten damals geschlossen dafür. Die neue Linie der FPÖ: Nie dabeigewesen, nichts gewusst und schon gar nicht für irgendetwas verantwortlich.
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Christoph Baumgarten - 12. Mai, 19:39


