Braune Wahlkampfhilfe

2010-09-07-07-50-45Neonazis haben offenbar ein Büro der Sozialistischen Jugend überfallen. Das legen Schmierereien und andere Details im verwüsteten Lokal nahe. Die SJ vermutet einen Racheakt dafür, dass sie aufgedeckt hat, dass ein amtsbekannter Neonazi als Ordner bei einer FPÖ-Veranstaltung mit Bumsti Strache aufgetreten war.

Die Vandalen lassen keinen Zweifel offen, wem sie mit dem Überfall auf das SJ-Büro Wahlkampfhilfe leisten wollen.
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Ihnen ging es um Zerstörung. Die Nazis zerstörten die Eingangstür aus Glas, warfen Wahlkampfbroschüren auf die Straße und räumten den Kühlschrank aus.
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Wie hoch der Sachschaden ist, ist unklar. Gestohlen wurde offenbar nur ein Fahrrad, wie die Sozialistische Jugend Wien in einer Presseaussendung schreibt.
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Ob ein Zusammenhang mit FPÖ-Wahlkampfveranstaltungen gibt, die es laut SJ am gleichen Tag in Wien gegeben hat, ist unklar und vorläufig nicht zu beweisen. Angesichts der hohen Neonazi-Dichte lässt sich andererseits auch nicht ausschließen, dass die Vandalen direkt nach einer Wahlkampfveranstaltung ihrer Lieblingspartei das SJ-Lokal überfallen haben.


Es wäre nicht der erste Vorfall
Womit keinerlei juristische Verantwortung durch FPÖ-Funktionäre konstruiert werden soll (Es erscheint auch sehr unwahrscheinlich, dass die Partei eine Order in diese Richtung gegeben haben könnte). Eine mögliche politische Verantwortung ist eine andere Frage.

Es wäre nicht das erste Mal, dass Neonazis, offenbar aufgeputscht durch Brandreden diverser FPÖ-Funktionäre, direkt nach einer Veranstaltung randalieren, Menschen angreifen oder sich sonstwie strafbar machen. Passiert etwa direkt nach der FPÖ-Wahlkampfschlussveranstaltung zu EU-Wahl Ende Mai 2009. Ein politwatch-Bericht von diesem Tag zeigt die zahlreichen Hitler-Grüße von Menschen, die an der FPÖ-Veranstaltung teilgenommen hatten. Dass die Nazis später mit Bierdosen nach ausländischen Jugendlichen warfen, hat der Autor dieses Blogs nicht persönlich gesehen.

Es wäre auch nicht der erste gewaltsame Übergriff von FPÖ-Sympathisanten auf AntifaschistInnen. Auch von einem dieser Übergriffe wurde der Autor dieser Zeilen Zeuge.

Racheaktion?
Bis die Nazis gefasst sind, die das SJ-Lokal verwüstet haben, wird auch unklar bleiben, ob die Aktion ein Racheakt war. Die SJ hatte aufgedeckt, dass ein amtsbekannter Neonazi bei den Stammersdorfer Weintagen den Ordner für Bumsti Strache spielte. Das "profil" und der "Der Standard" bestätigten die Anwesenheit des Nazis durch eigene Recherchen.

Nichts gemein?
Sollte man die Nazis erwischen, wird sie die FPÖ von sich weisen. Mit denen habe man ja nichts gemein, wird es heißen. Wie damals, als Strache zwei seiner größten Fans vor laufender Kamera verstieß und sie bezichtigte, sich wiederbetätigt zu haben (was nie bewiesen wurde) - und die hatten sich nichts sehnlicher gewünscht, als bei einer seiner Veranstaltungen zu sein.

Und natürlich hat man wenig gemein, sieht man von der ostentativ zur Schau gestellten Liebe zur "Heimat" ab, die es gegen "zu viel Fremdes" zu verteidigen gilt, vor allem in Form fremden Blutes, gegen (zu viele) AusländerInnen, vom Macho-Kult, von den gemeinsamen politischen Gegnern, von der Taktik, diese zu diffamieren, von der Vorliebe für Verschwörungstheorien und von der Begeisterung, die viele auf der einen und der anderen Seite des Erlaubten für körperliche Ertüchtigung im Wald teilen, von gemeinsamen Freunden in Burschenschaften, sieht man davon ab, dass Neonazis regelmäßig einen großen Prozentsatz der Besucher von FPÖ-Veranstaltungen stellen - sieht man von all dem ab, haben sie wirklich nichts miteinander gemein.
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Über Politwatch

Christoph Baumgarten

Mein Name ist Christoph Baumgarten und bin seit mehr als einem Jahrzehnt im Journalismus. Dieser Blog soll meine Sicht auf die politischen Entwicklungen in Österreich wiedergeben. Wobei im Moment der Ausdruck Zustand angebrachter wäre, wenn man an die heimische Politik denkt. Politwatch zeigt gerne vergessene Zusammenhänge auf und soll den Menschen eine Stimme geben, die auch angesichts der zunehmenden geistigen Verwahrlosung in diesem Land ihre fünf Sinne zusammen haben und nicht vergessen haben, was bei Politik im Mittelpunkt stehen sollte: Der Mensch mit seinen Bedürfnissen. Ein Hinweis für InhaberInnen eines Accounts auf twoday.net: Es gibt einen e-mail-Abodienst für neue Beiträge und Kommentare.

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