Happy Blog Day!

Blog Day 2009

Heute ist Blog Day. Hab ich offen gestanden zufällig erfahren. Mein Freund Marko Zlousic (http://politx.twoday.net) hat das vor einigen Tagen beiläufig erwähnt. Was soll man da schreiben? Über die Macht oder eher Ohnmacht von Blogs ist viel gesagt worden. Unsereins hat weniger Einfluss als wir gern glauben. Zynisch gesagt: Nimmt man den Anspruch mancher Bloggerinnen und Blogger zum Maßstab, globale Kommunikation mitzugestalten, betreiben wir eher eine Mischung aus Inzest und Selbstbefriedigung.

Natürlich, da könnte man das Beispiel Iran einwenden. Blogs und Twitter haben eine weltweite Öffentlichkeit mobilisiert. Möchte man meinen. Sie haben viel beigetragen, das Interesse aufrecht zu erhalten. Nur: Ohne das westliche Vorurteil, dass der Iran sowieso böse ist, hätten sie das nicht geschafft. Sie haben dieses Vorurteil bestätigt. Die Brutalität und die Systematik, in der die Jugendrevolte niedergeschlagen wurde, haben dem westlichen Klischee durchaus entsprochen. Leider. Ich wünsche, es wäre anders gekommen. Nicht um des Iran willen. Um der Menschen willen, die auf demokratische Weise versucht haben, gegen ein unmenschliches Regime vorzugehen. Nur: Wäre das gleiche in sagen wir Südafrika passiert, das weltweite Interesse wäre halb so groß gewesen.

Und bei allem großen Respekt vor den jungen Menschen, die ihr Leben riskiert haben, um eigene Erfahrungen, Augenzeugenberichte, Bilder und Videos der Welt mitzuteilen: Das Beispiel Iran zeigt auch die Grenze der individuellen Kommunikation a la Blog. Bis heute kennt niemand mit Ausnahme der Regierungsverantwortlichen im Land das wahre Ausmaß der Proteste und die Anzahl der Opfer. Wir wissen, dass in einigen Großstädten Hunderttausende vor allem jugendliche Demonstranten auf der Straße waren. Wir wissen, dass sie niedergeknüppelt wurden. Wir wissen, dass Polizei oder Revolutionsgarden in die Mengen geschossen haben. Wir wissen, dass Menschen willkürlich verhaftet und viele wahrscheinlich brutal gefoltert wurden. Wir wissen nicht, wie groß die Revolte war. Wir wissen auch nicht, ob es hundert Opfer gibt oder eher tausende.

Es waren schlicht zu viele Meldungen, die aus dem Iran auf uns hereingeprasselt sind, als dass man sie einer kritischen Überprüfung unterziehen hätte können. Das spricht für die Blogger, die sich keinen Maulkorb verordnen ließen. Und das spricht dagegen, der individuellen Kommunikation eine zu große Bedeutung zukommen zu lassen. Für solch große Geschichten ist sie als alleinige Informationsquelle nicht zu gebrauchen. Das ist beileibe keine Kritik. Es ist eine Beschreibung. Als Mitglieder einer aufgeklärten und zumindest oberflächlich demokratischen Gesellschaft sollten wir froh, dankbar und solidarisch sein, dass es in anderen Teilen der Welt Menschen gibt, die für Rechte wie Meinungs- und Informationsfreiheit kämpfen. Gleichzeitig sollten wir uns fragen, ob wir genug getan haben, sie zu unterstützen. Die Weltöffentlichkeit ist der einzige Schutz, den diese Menschen haben.

Wirkungsvoll im kleinen
Im kleinen haben sich Blogs als sehr wirkungsvoll erwiesen. Siehe die grünen Vorwahlen. Dem widmet auch Thomas Knapp einen Teil seines Blog Day-Eintrags auf http://feuerhaken.org/ Oder im Kampf gegen Rechtsextremismus. Siehe etwa http://www.rigardi.org/ Ein Blog, den ich gerne als Quelle heranziehe und wo diverse Verstrickungen penibel dokumentiert sind. Oder http://raetischerbote.blogspot.com/ Ein Blog, der die jüngsten Auswüchse in Vorarlberg sehr konsequent analysiert. Und siehe Augarten. Dass eine Bürgerinitiative dagegen kämpft, dass der Augartenspitz verbaut wird, würden viele auch nicht wissen, gäbe es den Blog nicht. http://augartenspitz.wordpress.com/ Auch Journalistinnen und Journalisten ziehen ihn als Informationsquelle heran. Danke hier auch an Christian Voigt, ohne dessen Engament der Blog kaum möglich gewesen wäre. Er betreibt übrigens seinen eigenen. http://www.kellerabteil.org

Christians Blog ist für mich auch immer wieder eine Art Gedankenfutter. Etwas, was man liest, um nicht ständig im eigenen Saft zu kochen. Unter die Kategorie fällt auch Andy Gabmeyers http://www.alteknacker.at. Unverzichtbar ist für mich auch http://www.siegiblog.at . Ein gutes Beispiel, dass ein Politikerblog auch mehr sein kann als Termine und Parteisprech herunterzubeten. Und, um nicht alle aufzuzählen verweise ich gern auf meine Links rechts unten. Ich überarbeite sie seltener als ich möchte.

Ich geb zu, ich beschäftige mich erst mit Blogs, seitdem ich selbst blogge. Das sind mittlerweile knapp fünf Monate. Ich vermuten vielen Menschen geht es ähnlich. Das ist auch die Schwäche dieses Kommunikationsmittels. Noch, wie ich hoffe. Gerade, wenn man wie ich politisch interessiert ist, sollte man öfter mal nachschauen. Blogs sind eine hervorragende Form, sich mit anderen Menschen auszutauschen. Sie lassen mehr Raum für Gedanken als e-mails, erlauben elegantere Formulierungen und sind schneller zu schreiben und auszutauschen als Briefe. Das ist die Stärke dieses Kommunukationsmittels. Nie war es so einfach, zu sehen, welche Gedanken sich andere Menschen zu bestimmten Themen machen. Und vermutlich hat es nie so viele Menschen gegeben wie heute, die ihre Gedanken artikulieren (können).

Vielleicht machen Blogs nicht die ganze Welt oder auch nur das Internet wirklich demokratischer. Aber sie bringen Menschen zusammen. Und ihre Gedanken. Etwas besseres kann es kaum geben. Allen Bloggern da draußen: Happy Blog Day!
http://www.blogday.org

P.S.: Einen guten Überblick auch über Blogs bietet http://www.scoop.at
Und ein sehr nettes blogähnliches Ding ist http//www.politspiegel.at . Hier findet man eine sehr gelungene Artikelauswahl zu politischen Themen.

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Mein Name ist Christoph Baumgarten und bin seit mehr als einem Jahrzehnt im Journalismus. Dieser Blog soll meine Sicht auf die politischen Entwicklungen in Österreich wiedergeben. Wobei im Moment der Ausdruck Zustand angebrachter wäre, wenn man an die heimische Politik denkt. Politwatch zeigt gerne vergessene Zusammenhänge auf und soll den Menschen eine Stimme geben, die auch angesichts der zunehmenden geistigen Verwahrlosung in diesem Land ihre fünf Sinne zusammen haben und nicht vergessen haben, was bei Politik im Mittelpunkt stehen sollte: Der Mensch mit seinen Bedürfnissen. Ein Hinweis für InhaberInnen eines Accounts auf twoday.net: Es gibt einen e-mail-Abodienst für neue Beiträge und Kommentare.

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