Bis zur letzten Minute
Es sind wenige Stunden bis zum Ende des Wahlkampfs für das EU-Parlament. Tausende Helferinnen und Helfer, meist freiwillig, sind bis zur letzten Minute auf der Straße. Einige Impressionen der letzten Stunden.
Beim SPÖ-Stand an der Ecke Schellhammergasse/Brunnengasse stehen die Menschen Schlange für Luftballons. Hunderte Kulis und Feuerzeuge hat man heute schon verteilt. Gegen Mittag gibt es nichts mehr. Die Broschüren werden trotzdem gerne genommen. Und die Menschen reden gerne über ihre Sorgen. Bezirksvorsteher Franz Prokop etwa ist ein beliebter Ansprechpartner. Auch Stadträtin Uli Sima wird von vielen Menschen angesprochen. Der Verteiltermin hier ist bewusst klein gehalten worden. Er soll den Menschen die Möglichkeit geben, sich zu erkundigen und mit ihren Vertreterinnen und Vertretern in Kontakt zu treten.
Auch Wahlhelferinnen und Wahlhelfer von ÖVP und Grünen ziehen ihre Kreise. "Wenn ich euch wähle, dann nur den Karas. Den Strasser mag ich nicht", erzählt eine Frau einer schwarzen Wahlhelferin. Sie überlegt noch, ob sie morgen überhaupt wählen gehen soll. Die Grünen tun sich bei Jungfamilien leicht. Ihre grünen EU-Fahnen sind ein beliebtes Accessoire für Kinderwägen. Oft in Kombination mit SPÖ-Luftballons. Zwischen den Wahlhelfern der drei Parteien geht es höflich und freundlich zu. FPÖ-Wahlhelfer sind heute keine dabei. Ein junger Mann in roter Jacke bittet einen Grünen um eine EU-Fahne. "Cooles Gimmick", sagt er. "Ich würde dir gern eins unserer Jojos geben, aber die sind leider auch schon aus".
Sozialere Politik braucht Mehrheiten
"Was können die österreichischen Abgeordneten schon ausrichten?", fragt mich ein Mann am Vormittag am Brunnenmarkt. Der gebürtige Inder macht sich vor allem Sorgen um seinen Sohn, der bald studieren darf. "Aber was tut er, wenn keinen Platz bekommt, weil ihn ein Deutscher hat?" Eine von vielen Sorgen, auf die man in einem Wahlkampf angesprochen wird. Ich diskutiere mit ihm, ob es nicht eine bessere Lösung geben kann als Abschottung. Eine fairere EU-weite Bildungspolitik, die verhindert, dass kleine Länder wie Österreich oder Belgien die Fehler der Bildungspolitik ihrer großen Nachbarn Deutschland und Frankreich ausbaden müssen. Und, dass es für die 17 heimischen EU-Abgeordneten nicht nur darum gehen kann, so genannte österreichische Interessen zu vertreten.
"Aber was haben zum Beispiel die Sozialdemokraten getan?", fragt er mich. "Die EU-Politik war doch neoliberal, man hat nur etwas für die Konzerne getan". Ich erinnere ihn an die aktuellen Mehrheitsverhältnisse im EU-Parlament. Und, dass es darum gehen muss, auf EU-Ebene politische Konzepte zu entwickeln, Lösungen die über das übliche Schrebergartendenken hinausgehen. Eine Finanztransaktionssteuer zum Beispiel. "Wie kann die PSE eine sozialere EU-Politik durchsetzen, wenn sie nicht die Mehrheit hat?" Ein Punkt. über den er nachdenken muss. Ob ich ihn überzeugen konnte, morgen wählen zu gehen, weiß ich nicht. Er werde es sich überlegen, sagt er. Vorher hatte er das noch kategorisch abgelehnt.
Wenige Meter weiter verteilt ein SPÖ-Wahlhelfer Broschüren. Von den üblichen Geschenken hat er keine mehr. "Zu uns sind so viele Leute gekommen, wir haben nicht einmal mehr die kleinen Wahlblöcke", sagt er. Einige Leute sind enttäuscht, dass es nichts zu den Flyern gibt. Die 100 Stück ist er trotzdem schnell los. "Ich bin fast überrascht über das große Interesse", sagt er. "Da heißt es immer, die Leute interessieren sich nicht für EU-Politik und dann das. So gut sie gemacht sind, aber politische Flyer nimmt niemand, nur weil sie gratis sind. Die Menschen wollen sich informieren". Er wird heute abend noch eine Tour durch die Gürtellokale machen. "Bis Mitternacht. Dann ist erstens der Wahlkampf verboten. Und zweitens bin ich morgen Wahlbeisitzer".
"Leider darf ich nicht wählen"
Eine gute Freundin erzählt mir bei einem Kaffee, sie wird morgen nicht wählen gehen. Sie ist Rumänin und hat sich nicht ins Wählerregister eintragen lassen. Sie arbeitet sechs Tage in der Woche, um sich ihre Miete leisten zu können und noch ein wenig Geld zu haben, das sie ihrer Familie schicken kann. Ein Gastarbeiterschicksal mit EU-Staatsbürgerschaft. Für Politik bleibt da keine Zeit. Wünsche an die EU hat sie keine. Außer, dass es mehr Aufbauhilfe für ihr Land gibt. Eine andere Freundin aus Slowenien hat ebenfalls vergessen, sich eintragen zu lassen. Sie ist schon gestern nachhause gefahren, damit sich das alles ausgeht. Am Montag hat sie Familienangelegenheiten zuhause zu erledigen. "Ich überlege noch", erzählt sie. "Aber es wird eine unserer linken Parteien werden. Die EU braucht einen Richtungswechsel". Ähnlich sieht das eine andere Freundin. "Aber leider, ich darf nicht wählen". Sie hat noch die kroatische Staatsbürgerschaft.
Beim SPÖ-Stand an der Ecke Schellhammergasse/Brunnengasse stehen die Menschen Schlange für Luftballons. Hunderte Kulis und Feuerzeuge hat man heute schon verteilt. Gegen Mittag gibt es nichts mehr. Die Broschüren werden trotzdem gerne genommen. Und die Menschen reden gerne über ihre Sorgen. Bezirksvorsteher Franz Prokop etwa ist ein beliebter Ansprechpartner. Auch Stadträtin Uli Sima wird von vielen Menschen angesprochen. Der Verteiltermin hier ist bewusst klein gehalten worden. Er soll den Menschen die Möglichkeit geben, sich zu erkundigen und mit ihren Vertreterinnen und Vertretern in Kontakt zu treten.
Auch Wahlhelferinnen und Wahlhelfer von ÖVP und Grünen ziehen ihre Kreise. "Wenn ich euch wähle, dann nur den Karas. Den Strasser mag ich nicht", erzählt eine Frau einer schwarzen Wahlhelferin. Sie überlegt noch, ob sie morgen überhaupt wählen gehen soll. Die Grünen tun sich bei Jungfamilien leicht. Ihre grünen EU-Fahnen sind ein beliebtes Accessoire für Kinderwägen. Oft in Kombination mit SPÖ-Luftballons. Zwischen den Wahlhelfern der drei Parteien geht es höflich und freundlich zu. FPÖ-Wahlhelfer sind heute keine dabei. Ein junger Mann in roter Jacke bittet einen Grünen um eine EU-Fahne. "Cooles Gimmick", sagt er. "Ich würde dir gern eins unserer Jojos geben, aber die sind leider auch schon aus".
Sozialere Politik braucht Mehrheiten
"Was können die österreichischen Abgeordneten schon ausrichten?", fragt mich ein Mann am Vormittag am Brunnenmarkt. Der gebürtige Inder macht sich vor allem Sorgen um seinen Sohn, der bald studieren darf. "Aber was tut er, wenn keinen Platz bekommt, weil ihn ein Deutscher hat?" Eine von vielen Sorgen, auf die man in einem Wahlkampf angesprochen wird. Ich diskutiere mit ihm, ob es nicht eine bessere Lösung geben kann als Abschottung. Eine fairere EU-weite Bildungspolitik, die verhindert, dass kleine Länder wie Österreich oder Belgien die Fehler der Bildungspolitik ihrer großen Nachbarn Deutschland und Frankreich ausbaden müssen. Und, dass es für die 17 heimischen EU-Abgeordneten nicht nur darum gehen kann, so genannte österreichische Interessen zu vertreten.
"Aber was haben zum Beispiel die Sozialdemokraten getan?", fragt er mich. "Die EU-Politik war doch neoliberal, man hat nur etwas für die Konzerne getan". Ich erinnere ihn an die aktuellen Mehrheitsverhältnisse im EU-Parlament. Und, dass es darum gehen muss, auf EU-Ebene politische Konzepte zu entwickeln, Lösungen die über das übliche Schrebergartendenken hinausgehen. Eine Finanztransaktionssteuer zum Beispiel. "Wie kann die PSE eine sozialere EU-Politik durchsetzen, wenn sie nicht die Mehrheit hat?" Ein Punkt. über den er nachdenken muss. Ob ich ihn überzeugen konnte, morgen wählen zu gehen, weiß ich nicht. Er werde es sich überlegen, sagt er. Vorher hatte er das noch kategorisch abgelehnt.
Wenige Meter weiter verteilt ein SPÖ-Wahlhelfer Broschüren. Von den üblichen Geschenken hat er keine mehr. "Zu uns sind so viele Leute gekommen, wir haben nicht einmal mehr die kleinen Wahlblöcke", sagt er. Einige Leute sind enttäuscht, dass es nichts zu den Flyern gibt. Die 100 Stück ist er trotzdem schnell los. "Ich bin fast überrascht über das große Interesse", sagt er. "Da heißt es immer, die Leute interessieren sich nicht für EU-Politik und dann das. So gut sie gemacht sind, aber politische Flyer nimmt niemand, nur weil sie gratis sind. Die Menschen wollen sich informieren". Er wird heute abend noch eine Tour durch die Gürtellokale machen. "Bis Mitternacht. Dann ist erstens der Wahlkampf verboten. Und zweitens bin ich morgen Wahlbeisitzer".
"Leider darf ich nicht wählen"
Eine gute Freundin erzählt mir bei einem Kaffee, sie wird morgen nicht wählen gehen. Sie ist Rumänin und hat sich nicht ins Wählerregister eintragen lassen. Sie arbeitet sechs Tage in der Woche, um sich ihre Miete leisten zu können und noch ein wenig Geld zu haben, das sie ihrer Familie schicken kann. Ein Gastarbeiterschicksal mit EU-Staatsbürgerschaft. Für Politik bleibt da keine Zeit. Wünsche an die EU hat sie keine. Außer, dass es mehr Aufbauhilfe für ihr Land gibt. Eine andere Freundin aus Slowenien hat ebenfalls vergessen, sich eintragen zu lassen. Sie ist schon gestern nachhause gefahren, damit sich das alles ausgeht. Am Montag hat sie Familienangelegenheiten zuhause zu erledigen. "Ich überlege noch", erzählt sie. "Aber es wird eine unserer linken Parteien werden. Die EU braucht einen Richtungswechsel". Ähnlich sieht das eine andere Freundin. "Aber leider, ich darf nicht wählen". Sie hat noch die kroatische Staatsbürgerschaft.
Christoph Baumgarten - 6. Jun, 16:36


