Auf der Suche nach Aufmerksamkeit
Rainhard Fendrich hat auch schon mal bessere Zeiten gesehen. Offenbar ist er dringend auf Aufmerksamkeit angewiesen, wie ein Interview für evangelisch.de zeigt."Jeder Atheist ist für mich ein Trottel" verkündet der ehemalige Musikstar vollmundig im Interview mit evangelisch.de. Ah ja. wissenrockt.de hat eine adäquate Antwort.
Aufmerksamkeit um jeden Preis - bis zu einem gewissen Grad gehört das zum Handwerk von Künstlern oder solchen, die sich dafür halten. Ob der Preis der Lächerlichkeit per Seelenstriptease mit einem mehr als devot agierenden Internetmagazin nicht ein wenig hoch ist, muss Fendrich selbst entscheiden. Was das Magazin bewogen hat, den Musiker zu interviewen, steht auf einem anderen Blatt. Fendrich hat sich von seiner Koks-Affäre nie ganz erholt. Schon in den Jahren davor kam künstlerisch nichts mehr interessantes nach. Man hätte auch relevante Interviewpartner finden können.
Dazu kommt die Frage, was gerade Fendrich qualifiziert, andere Menschen als Trottel zu bezeichnen. Er hat sich nach eigenen Angaben einen Ferrari in Form von Kokain durch die Nase gezogen und, als das aufflog und ihm eine Haftstrafe drohte, Freunde und Bekannte verpfiffen, um dem Gefängnis zu entgehen. Man könnte intelligentere und vor allem charakterlich gefestigtere Menschen finden als Rainhard Fendrich. Was für ein Magazin, das "Glaube" als etwas cooles darstellen will, vermutlich nicht schlecht wäre. Da könnte man ethisch integre Menschen gut brauchen. Oder zumindest solche, die sich nach einer Krise gefangen haben.
Das trifft vielleicht auf Fendrich kommerziell zu - keine Ahnung, wie's da ausschaut. Künsterlisch jedenfalls nicht. Und was seine mediale Relevanz betrifft, ganz sicher nicht. Aber egal, da haben sich zwei gefunden: Ein Propagandamagazin und ein Künstler, der bessere Zeiten gesehen hat - vor Ewigkeiten. Für eine Atheisten-Beschimpfung reicht die Kombination. Mit uns kann man's ja machen.
Religiöse vor Beschimpfungen geschützt
Ich darf - rechtlich gesehen - nicht das Gleiche tun. Fendrich als Trottel zu bezeichnen, weil er religiös ist, würde gegen § 188 StGB verstoßen. Man könnte das als Herabwürdigung religiöser Lehren interpretieren. Ein Privileg, das nicht nur Atheisten nicht in Anspruch nehmen können. Man darf jeden Menschen wegen seiner Überzeugung beschimpfen - nur nicht religiöse Menschen. Deren zarte Gefühle gehören offenbar besonders geschützt.
Was nicht dafür spricht, dass religiöse Überzeugungen Menschen besonders alltagstauglich machen.
Nebenbei ist es bezeichnend, dass solche Aussagen wieder öffentlich transportiert werden. Vor zehn Jahren hätte das niemanden interessiert. Religionen machen in westlichen Gesellschaften wieder mobil. Just zu einer Zeit, wo ihre Anhänger tausende Tote jährlich zu verantworten haben. So viele wie schon lange nicht mehr.
Was ich darf und hiermit tue, ist Rainhard Fendrich wegen seiner Biografie, seiner Mediengeilheit und seiner in jüngerer Zeit immer dümmlicheren Lieder als Trottel zu bezeichnen. Nur stellt sich die Frage, ob ich ihm da nicht zu viel der Ehre angedeihen lasse.
Bildquelle: www.managementrehling.com
Christoph Baumgarten - 24. Nov, 08:05



Ich darf - rechtlich gesehen - nicht das Gleiche tun. Fendrich als Trottel zu bezeichnen, weil er religiös ist, würde gegen § 188 StGB verstoßen. Man könnte das als Herabwürdigung religiöser Lehren interpretieren. Ein Privileg, das nicht nur Atheisten nicht in Anspruch nehmen können. Man darf jeden Menschen wegen seiner Überzeugung beschimpfen - nur nicht religiöse Menschen. Deren zarte Gefühle gehören offenbar besonders geschützt."
Gilt das für Moslems Christen und Moslems gleichermaßen?
Natürlich
Wobei hier die Einschränkung gilt, dass Religiöse untereinander oft weniger empfindlich sind, wenn es sich nicht um einen direkten Angriff handelt, als wenn ein Atheist das gleiche sagen würde.