Alternde Buberln

GrasserKarl-Heinz Grasser und andere Mitglieder von Jörg Haiders alternder Buberl-Partie sind wieder mal in schwer aufklärungsbedürftige Vorgänge verwickelt. Grasser-Intimus hat laut einer Selbstanzeige 7,7 Millionen Euro nicht versteuert. Geld, das aus einem Geschäft mit der Republik stammt. Zu einer Zeit, als Grasser Finanzminister war.

Meischberger hat mehr an Steuern hinterzogen als ich in einigen Leben verdienen werde - vorausgesetzt, seine Selbstanzeige stimmt. Peter Hochegger, damaliger Geschäftspartner, gibt laut profil an, er habe Meischberger 7,7 Millionen Euro auf ein Liechtensteiner Konto überwiesen. Er selbst habe 1,9 Millionen behalten und nicht versteuert, sagt er in einer Selbstanzeige.

9,6 Millionen Euro, die Meischberger für "Beratungs"-Aktivitäten bekommen haben will, als die Bundeswohnungsgesellschaft BUWOG privatisiert wurde. Initiator der Privatisierung, die laut Rechnungshof eher ein Schnäppchen für den Käufer war: Ein gewisser Karl Heinz Grasser. Guter Freund von Meischberger und damals Finanzminister. Welch ein Zufall.

Grasser war wieder mal nicht verantwortlich
Grasser will wieder einmal für nichts verantwortlich gewesen sein und wusste noch weniger irgendetwas, was einer seiner besten Freunde tat. Laut "Österreich" war er sogar "extremst verärgert", als er von der Sache erfuhr. Sapperlott.
http://www.oe24.at/wirtschaft/Grasser-zum-Mio-Deal-seiner-Freunde-0543277.ece
Nach Auffliegen der Affäre hat er Meischberger Freundschaft und Bürogemeinschaft aufgekündigt. Wenig überraschend: Die Affäre bringt den ehemaligen Sunny Boy arg in die Bredouille.
http://orf.at/090925-42962/?href=http%3A%2F%2Forf.at%2F090925-42962%2F42963txt_story.html

Grasser und die Zufälle
Es ist einer dieser erstaunlichen Zufälle, an denen das Leben Grassers so reich zu sein scheint. Sein Doktor-Vater an der Uni wird mit einem öffentlichen Amt versorgt, gute Freunde werden in maßgebliche Positionen im Finanzministerium und später in öffentlichen Banken gehievt. Die Industriellenvereinigung sponsert einen Verein zur Förderung der New Economy, in dessen Vorstand ein weiterer Grasser-Freund sitzt, der für den nichtsahnenden Finanzminister eine Homepage auf dessen Namen macht. Versteuert ist das Geld bis heute nicht.

Gernot Rumpold, ein anderes Mitglied von Jörg Haiders mittlerweile alternder Buberl-Partie, verdient sich eine goldene Nase beim Eurofighter-Deal. Was er für das Geld geleistet hat, gelingt auch einem U-Ausschuss nicht zu klären. Grasser mutiert beim Abfängerkauf zum Eurofighter-Fan.

Der Finanzminister macht Urlaub auf der Yacht von Julius Meinl. Zusammen mit Wolfgang Flöttl, der damals in den öffentlich noch nicht bekannten BAWAG-Skandal verwickelt ist. Auch Meinl wird wenig später Probleme bekommen. Nachdem Grasser nicht mehr Finanzminister ist.

Grasser kommt wenig später nach eher überschaubaren Erfolgen in der Hochfinanz bei seinem guten Freund Julius unter. Die Erfolge der Gesellschaften, die er für Meinl managt sind so überschaubar wie die Erfolge bei der eigenständigen Jobsuche.

Das einzige, wofür Grasser verantwortlich gewesen sein will, ist das Nulldefizit der Ära Schwarz-Blau, das trotz massiven Sozialabbaus keines war. Es ist diese Reihe von Zufällen, die bei vielen Journalisten das Bedürfnis weckt, nachzubohren, was Grasser wirklich wusste. Man wird mit der Zeit etwas skeptisch. Aus Fairness-Gründen sei hinzugefügt: Ein Beweis, dass Grasser in den dubiosen Meischberger-Deal verwickelt war, ist das selbstverständlich nicht. Es komplettiert aber ein Sittenbild und zeigt, mit welchen Menschen sich Grasser umgeben hat, als er an der Macht war.

Die Buberln und der Rechtsstaat
Gernot Rumpold, Walter Meischberger und Peter Westenthaler haben einiges gemeinsam: Sie alle waren Mitglieder der Haiderschen Buberl-Partie in den späten 80ern und frühen 90ern. Sie alle haben in der einen oder anderen Weise an den Futtertrögen der Macht genascht. Und, ausgenommen Westenthaler, manchmal etwas mehr als genascht. Sie alle sind vorbestraft. Rumpold hat in einer Disco einen politischen Gegner nach einer nicht gewonnenen Diskussion in die Hoden gezwickt. Meischberger wurde wegen Anstiftung zur Steuerhinterziehung verurteilt. Er war einer der wenigen blauen Politiker, die eine Verurteilung das Mandat gekostet hat. Westenthaler ist gerichtlich verurteilter Lügner und steht mittlerweile wegen Körperverletzung vor Gericht. Den Herren ein gespanntes Verhältnis zum Rechtsstaat zu attestieren, erscheint legitim.

Einzig nicht verurteiltes heute noch bekanntes Mitglied der Partie: Karl-Heinz Grasser. Sieht man davon ab, reiht er sich perfekt in die Gruppe ein: Zum gleichen Zeitpunkt dazugestoßen wie sie hat er ebenso wie sie seine Prominenz und sein politisches Engagement zu Geld gemacht. Flugs wechselte er von der Kärntner Landesregierung zu Magna und wurde später Finanzminister. Und kaum aus dem Amt profitierte er von den Kontakten, die er dort geknüpft hatte und kam bei seinem Freund Julius Meinl unter.

Jörg Haiders Vermächtnis
Die vier Herren haben hemmungslos zugegriffen, als sich die Gelegenheiten geboten haben. Oft unter dubiosen Umständen. Eine Partei, die nur auf den eigenen Aufstieg bedacht war. Prototypisch für die damals wachsende FPÖ. Ihnen haben es viele gleichgetan. Die alternden Buberln waren nur die erfolgreichsten. Das politische Vermächtnis Jörg Haiders. Nicht nur im BZÖ. Vertreter dieser Geisteshaltung findet man auch noch in der urprünglichen politischen Heimat der Herren.
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Mein Name ist Christoph Baumgarten und bin seit mehr als einem Jahrzehnt im Journalismus. Dieser Blog soll meine Sicht auf die politischen Entwicklungen in Österreich wiedergeben. Wobei im Moment der Ausdruck Zustand angebrachter wäre, wenn man an die heimische Politik denkt. Politwatch zeigt gerne vergessene Zusammenhänge auf und soll den Menschen eine Stimme geben, die auch angesichts der zunehmenden geistigen Verwahrlosung in diesem Land ihre fünf Sinne zusammen haben und nicht vergessen haben, was bei Politik im Mittelpunkt stehen sollte: Der Mensch mit seinen Bedürfnissen. Ein Hinweis für InhaberInnen eines Accounts auf twoday.net: Es gibt einen e-mail-Abodienst für neue Beiträge und Kommentare.

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