Los geht's!
Der Wahlkampf um die Bundespräsidentschaft hat begonnen. Heinz Fischers Kampagne hat einen überraschenden Drive entwickelt.Der Medienandrang war für mich überraschend. Es waren doppelt so viele Fotografen da, als ich erwartet hätte. Dass der Wahlkampfauftakt von Heinz Fischer auf öffentliches Interesse stoßen würde, war klar. Er ist der an sich unumstrittene Amtsinhaber, der sich um eine zweite Amtszeit bewirbt. Das ist nicht unwichtig. Dass das zu einer demokratischen Aufbruchstimmung wird, habe ich nicht in diesem Ausmaß erwartet.
Das liegt auch daran, dass kaum jemand in dieser Republik auf die Idee kommt, Heinz Fischer demokratische Gesinnung abzusprechen. Er ist einer der letzten großen Politiker, die die politische Szene in diesem Land hervorgebracht hat. Groß vielleicht nicht im Sinn des großen Visionärs oder der Visionärin, der mit seinen/ihren Ideen ein Land revolutioniert wie das Bruno Kreisky und Johanna Dohnal waren. Groß im Sinne eines Menschen, der wie kaum ein anderer als Verkörperung eines demokratisch-republikanischen Ideals gesehen wird. Einer, der zu seinen Überzeugungen steht, aber das Gegenüber immer mit seinen/ihren Überzeugungen respektiert. Das ist leider selten geworden. Und groß auch im Sinne eines Analytikers, der sich Gedanken um das politische System macht. Das erklärt auch, warum zwei ehemalige Bundespräsidentschaftskandidatinnen, Heide Schmidt und Freda Meissner-Blau, Fischer unterstützen.
Der Drive, den Fischers Kampagne hat, erklärt sich sicher auch aus der Gegenkandidatin. Die muss gar nicht groß angesprochen werden, um die Menschen zu überzeugen: Hier geht's nicht nur um das Amt. Hier geht es um das demokratische Grundverständnis dieser Republik. Wie es ein grüner Politiker formuliert: "Barbara Rosenkranz ist die Fischers beste Wahlhelferin". Bemerkenswert aus meiner Sicht und sehr bezeichnend für Fischers Verständnis von Fairness ist, dass er so gut wie nicht auf Rosenkranz einging. Ein, zwei Seitenhiebe, um das Publikum bei der Auftaktveranstaltung bei Laune zu halten. Das war's. Nicht einmal der Name der Gegenkandidatin fiel. Fischer beschäftigte sich lieber mit seinem Amtsverständnis. Das war gut so.
Ein weiteres Moment für den Drive ist sicher die Online-Kampagne. Übrigens findet man hier auch sehr gute Impressionen des gestrigen Auftakts. Bemerkenswert aus meiner Sicht ist, dass Fischer dem jungen Team den Freiraum gibt. Offenbar hat er das Web 2.0 verstanden. Für ihn, der zig Wahlkämpfe mit konventionellen Mitteln bestritten hat, muss das eine neue Welt sein. Es spricht sehr für ihn, dass er sich in seinem Alter auf diese neue Wahlkampfform einlässt.
Ich kann nicht aus persönlicher Erfahrung bestätigen, was etwa Christine Nöstlinger und Barbara Rett Fischer attestieren: Dass er jungen Menschen auf gleicher Augenhöhe und mit einem Ausmaß an Respekt begegnet, das in unserer Gesellschaft unüblich ist. Die Impressionen der gestrigen Afterparty, organisiert von David Jerina, scheinen das zu bestätigen.
Jedenfalls keine Charaktereigenschaft, die gegen ihn spricht. Im Gegenteil.
Christoph Baumgarten - 24. Mrz, 16:41


