…vor allem, wenn sie die Zukunft betreffen

AstrologiePrognosen sind schwierig. Vor allem, wenn sie die Zukunft betreffen. Diesen Satz, der abwechselnd Mark Twain oder Karl Valentin zugeschrieben wird, hat eine Berufsgruppe besonders beherzigt, deren Lebensgrundlage Prognosen sind. Österreichs gewerbliche AstrologInnen wollen laut eigenen Aussagen nicht in die Zukunft schauen können.

„Anlässlich der zu erwartenden Nachfrage an Prognosen zum bevorstehenden Jahreswechsel weist die Berufsgruppe der Astrologen in der Wiener Wirtschaftskammer darauf hin, dass astrologische Prognosen konkreter Ereignisse seriös nicht möglich sind.“ Zitat aus einer Presseaussendung der rechtlich anerkannten Astrologen Österreichs. Ein Fall seltener Einsicht, könnte man meinen. Für Astrologie hat es bisher nie einen wissenschaftlichen Beweis gegeben. Auch nicht dafür dass sich die Sternzeichen irgendwie auf die Persönlichkeit auswirken würden. (Zumal welche: Die westlichen, die chinesischen, andere?) Und mit den Prognosen sieht's auch nicht sonderlich gut aus.

Genauso gut könnten die Astrologen der Allgemeinheit einen Gefallen tun und ihre „Berufsgruppe“ in der Wirtschaftskammer auflösen. Nur, konsequent bzw. logisch denken war deren Sache noch nie. Lieber flüchtet man in Geschwafel: „Sterne zwingen nicht, sie machen nicht einmal geneigt, sie geben aber Auskunft über das, was die Zeit erlaubt. Moderne Astrologie kann daher Expertisen für individuelle Zeitqualitäten liefern und feststellen, wann für wen wofür der richtige Zeitpunkt zu erwarten ist. In welcher Form diese Zeitpunkte genutzt werden, obliegt immer der Entscheidung des Einzelnen. Zeitgemäße Astrologie schafft Entscheidungsgrundlagen und Wahlmöglichkeiten.“ Ah ja.

Bei Fuß - oder auch nicht
Der Beginn des meteorologischen Sommers am 1. Juni etwa erschiene mir der richtige Zeitpunkt, die Badehose auszupacken. Und vielleicht ergibt sich ja auch eine nette Damenbekanntschaft. Oder zumindest ein kühles Eis im Freibad. Außer es regnet. Steht mit Sicherheit in den Sternen. Und dass es 2011 irgendwann Zeit ist, Urlaub zu nehmen, sicher auch. Gemäß der „ethischen“ Richtlinien sind Aussagen wie: „Legen sie zu Jahresbeginn ihr Geld an – oder auch nicht“ OK. Die Entscheidung trifft der Einzelne. Und hat für etwas, was er oder sie vorher selber wusste, einen Haufen Geld ausgegeben. Nachher kann der Astrologe immer sagen: „Ich hatte ja Recht.“

Ich lerne gerade mit meinem Hund „Bei Fuß“. Mir kommt das so vor, als würde ich ihm das Kommando geben: „Bei Fuß – oder auch nicht“. Dann kommt er bei Fuß – oder auch nicht. Und ich kann mit Fug und Recht behaupten, er folgt mir aufs Wort. Schön. Nur, wem nützt das?

Und was soll bitte „individuelle Zeitqualität“ sein? Geht sie individuell langsamer oder schneller, vorwärts oder rückwärts? Riecht sie nach Rosen, ist sie zum essen? Oder was soll das sonst heißen? Hat das was mit einem Einsteinschen oder wenigstens Newtonschen Verständnis des wissenschaftlichen Begriffs Zeit zu tun?

Und was „erlaubt die Zeit“? Dass die Uhr vorwärtsgeht oder – wenn die Batterie leer ist oder man vergessen hat, sie aufzuziehen – stehenbleibt? Oder dass aus dem Jahr 2010 das Jahr 2011 wird? Dass das Jahr 2011 anders wird als das Jahr 2010? Wer für solche Aussagen Astrologen braucht, ist selber schuld.

Gemessen an sonstigen Vertretern ihrer Zunft sind diese Astrologen als seriös zu betrachten. Nur ist das eine relative Aussage. Aus rechtlichen Gründen erspare ich mir weitere Vergleiche. Nur so viel: Diese Leute nehmen nach wie vor Geld für Aussagen, die sie – angeblich - mit Hilfe „der Sterne“ treffen, und das nach unterschiedlichen, miteinander nicht kompatiblen Systemen, und für die sie – ausdrücklich – keine Verantwortung übernehmen. Lieber präsentieren sie sich als eine Art Lebensberater. Was die Frage aufwirft, wozu sie die unwissenschaftlichen und esoterischen Grundlagen brauchen. Außer um wortreich zu vernebeln, dass sie es selbst nicht wissen. Glauben mögen sie daran. Nachweisen können sie nichts. Als Geschäftsgrundlage sollte so etwas nicht ausreichend sein.

Sicher, ganz verhindern wird man nie, dass Menschen, ob aus guter Absicht oder Geschäftssinn, die Leichtgläubigkeit anderer zu ihrem Beruf machen. Nur, in Großbritannien etwa, müssen Astrologen und andere Vorhersager/Beeinflusser der Zukunft mittlerweile immer darauf hinweisen, dass ihre Angebote bloß Freizeitvergnügen sind und keinesfalls Handlungsanleitung für irgendetwas sein sollen. Das erscheint mir eine fortschrittlichere Lösung als die österreichische. Die leistet Aberglauben und seienr Ausbeutung immer noch Vorschub. Und keinen interessiert's.

Titelbild: FF Avance auf flickr.com
hans huber (Gast) - 28. Dez, 13:46

"Hellseherin im Club 2"

Wie man vom Aberglauben anderer selbst in vermeintlich aufgeklärten Ländern profitieren kann, hat man wieder mal im Club 2 am 22.12.2010 sehen müssen. Eine selbsternannte Hellseherin, Rosalinde Haller, will die Katastrophe von Galtür im Jahr 1999 "vorausgesehen" haben.

Zum einen spottet sie über die Wissenschaft, deren vorläufige Ergebnisse natürlich aufgrund ihrer Seriosität ständig weiterentwickelt werden bzw. oft falsifiziert werden müssen. Sie argumentiert sinngemäß, dass sich die Wissenschaftler selbst oft uneinig seien und die Wissenschaft deshalb oft unglaubwürdig sei. Gleichzeitig hinterfragt sie ihre "Methode" in keinster Weise.

Dass sie überhaupt nicht hellsehen kann, beweist sie ironischerweise auf ihrer eigenen Website:
Ihre "Prognosen" beziehen sich ausschließlich auf die Vergangenheit. Sieht man sich jene für das Jahr 2011 an, findet man nur allgemeines Gefasel über Sternzeichen, wie man es in den billigsten Boulevard-Blättern täglich lesen kann:
http://www.hellsehen.net/vorhersagen_2011.htm

Traurig, dass es nicht möglich ist, diese Abzocke zu verbieten.

Vielen Dank jedenfalls an Hrn. Prof. Oberhummer für seine schlagkräftigen Argumente und Bemühungen, zumindest die Zuseher davon zu überzeugen, dass in unserer Welt - zumindest wissenschaftlich gesehen - "alles mit rechten Dingen zugeht".

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