Christoph Baumgarten - 30. Jul, 09:48

Den "freien Willen" kann man so unterschiedlich und frei nicht definieren. "Freier Wille" beschreibt die angenommene Fähigkeit eines Menschen, frei von innerem und äußerem Zwang Entscheidungen unter Abwägung ethischer Konzepte, alternativer Handlungsweisen und möglicher Konsequenzen zu treffen. Somit ist der "freie Wille" ein erdachter moralischer Begriff. Übersetzt in die Wirklichkeit würde das bedeuten: Die Freiheit des Einzelnen, das zu treffen, was man im Englischen als "informed decisions" oder "informed choices" bezeichnet. Was schon daran scheitert, dass Menschen unterschiedliche Biografien haben und unterschiedlichen Zwängen unterliegen. Die Mehrzahl der Verbrechen werden in Situationen begangen, in denen es den Tätern nicht möglich ist, Tat und Konsequenzen gegeneinander abzuwägen bzw. wo Alternativen gesehen werden (seien das ethische Überlegungen, sei das die Furcht vor sozialer Ächtung, sei es das Risiko erwischt zu werden - die Höhe der potentiellen Strafe spielt dabei keine oder bestenfalls eine untergeordnete Rolle).
Die Ursachen sind vielfältig: Viele Vergehen und Verbrechen sind eindeutig ökonomisch motiviert: Taschendiebstahl, Einbruch, Raubdelikte u.ä. werden von Menschen begangen, die unter finanzieller Not leiden. Sie sehen meist keine Alternative bzw. keine attraktive Alternative. (Was nicht heißt, dass es diese nicht gibt) Die Zahl dieser Delikte steigt mit der Zahl der in Armut lebenden Menschen und zwar eindeutig empirisch belegbar. Wobei man hier den Faktor Gesetztgebung extrapolieren muss: Zahlreiche Delikte sind nur auf Schutz des Satten vor dem Hungrigen ausgerichtet und werden daher übermäßig streng bestraft. Besonders in diesem Bereich ist die Strenge einer Strafe völlig irrelevant, wie auch die gesamte historische Forschung zeigt.
Sicher gibt es Verbrechen, wo nicht finanzielle Not die unmittelbare Triebfeder ist. Aufgrund verschiedener Faktoren lässt sich aber auch hier sagen, dass Gesetzgebung und Praxis Menschen aus finanziell schlechter gestellten Schichten wesentlich benachteiligen. (Wozu es übrigens auch einiges an Literatur gibt). Das sind meist rein emotionale Geschichten, von der Pathologie einmal abgesehen. Also auch hier kann man davon ausgehen, dass Täter vorher nicht Tat gegen potentielle Konsequenzen gegeneinander abwägen. Ein gelegentlicher Gang in den Gerichtssaal stützt diese Annahme.
Nur eine verhältnismäßig kleine Gruppe von Verbrechen fällt unter die Kategorie "geplant", also in den Bereich, wo Generalprävention zumindest teilweise greifen könnte. Wiewohl auch hier davon auszugehen ist, dass Faktoren wie finanzielle Not, psychische Krankheit oder emotionaler Ausnahmezustand (der auch länger andauern kann) immer wieder hineinspielen. Wirklich rational sind die wenigsten Verbrecher, wenn sie ein Delikt begehen. Das gilt auch für die meisten Menschen, die mal darüber nachdenken. Und Rationalität in Verbindung mit Alternativen sind Voraussetzungen für einen freien Willen.

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Mein Name ist Christoph Baumgarten und bin seit mehr als einem Jahrzehnt im Journalismus. Dieser Blog soll meine Sicht auf die politischen Entwicklungen in Österreich wiedergeben. Wobei im Moment der Ausdruck Zustand angebrachter wäre, wenn man an die heimische Politik denkt. Politwatch zeigt gerne vergessene Zusammenhänge auf und soll den Menschen eine Stimme geben, die auch angesichts der zunehmenden geistigen Verwahrlosung in diesem Land ihre fünf Sinne zusammen haben und nicht vergessen haben, was bei Politik im Mittelpunkt stehen sollte: Der Mensch mit seinen Bedürfnissen. Ein Hinweis für InhaberInnen eines Accounts auf twoday.net: Es gibt einen e-mail-Abodienst für neue Beiträge und Kommentare.

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