Politwatch hat Geburtstag

Foto: Daniel NovotnyHeute vor einem Jahr ist der erste Beitrag auf Politwatch online gegangen. Und auch wenn man sich nicht selbst loben soll - es war ein erfolgreiches Jahr.

313-mal hat sich Politwatch seit seinem Entstehen zu Wort gemeldet. Gut, 314-mal, wenn ich diesen Beitrag mit einschließe. Nicht wenig für eine Freizeitbeschäftigung, denke ich mir. Und zugegeben ist mir in diesem Jahr das eine oder andere Mal die Puste ausgegangen. Was mich immer wieder motiviert hat, weiterzumachen, war der außergewöhnlich große Zuspruch zu manchen Beiträgen. Über die von der Polizei provozierte Eskalation bei der No-WKR-Demo etwa haben sich etwa 5.000 User informiert - innerhalb von nur drei Tagen. Politwatch war nicht das einzige Medium, das berichtet hat - aber ich war der einzige Journalist, der das Geschehen wirklich erlebt hat. Ich hoffe, dass dieser Beitrag und die Folgebeiträge geholfen haben, das Bild, das die etablierten Medien basierend auf Polizeiinformation zeigten, etwas zurechtzurücken.
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(Bild: Martin Juen)

Ein Klassiker, den jüngst die "Presse" zitierte, war die Geschichte vom doppelten Bürgermeister.
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Aus diesem Bericht hat sich ein spannender e-mail-Wechsel mit Eduard Habsburg entwickelt, dem Pressesprecher von Klaus Küng - und daraus wiederum eine Freundschaft.

Den größten journalistischen Coup habe ich halb bewusst verpasst. Nach den unsäglichen Anschuldigungen von Bumsti Strache gegen den ORF hat sich herausgestellt, dass einer der Neonazis auch ganz ohne ORF bei Strache-Veranstaltungen war. Ganz zufällig hat das meine liebe Freundin Maja Bačer für Politwatch fotografisch dokumentiert. (Zur dazugehörenden Reportage geht's hier)
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Ein User hat mich darauf aufmerksam gemacht. Ich habe daraufhin die Fotos den verantwortlichen Stellen zur Verfügung gestellt und danach den Ball bewusst niedrig gehalten. Offen gestanden eine Fehlentscheidung. Hans Rauscher hat im Standard eine Geschichte daraus gemacht - immerhin hat er Politwatch als Quelle genannt.

Und das war alles nicht so geplant. Ich wollte eine alternativ-bissige Sicht auf die EU-Wahlen entwickeln und danach vielleicht zwanglos weitermachen. Alternativ im Sinne von alternativ zur dummdreisten EU-Phobie samt rassistischen Anwandlungen wie sie die FPÖ an den Tag legt. Die hat mich leider nicht losgelassen. Ich habe dieser Truppe mehr Beiträge widmen müssen, als mir lieb ist. Nur lässt mir die politische Kultur, die von den Blauen systematisch vergiftet wird, leider keine andere Wahl. Klimatisch gesehen ist die FPÖ leider die dominante Partei im Land. Und leider versuchen die Großparteien sie immer wieder mal zu kopieren.

Wenn ich nicht gegen diese geistige Verwahrlosung, gegen diese intellektuelle Umweltverschmutzung auftrete, wozu betreibe ich dann einen Blog, der sich als aufklärerisch und demokratisch versteht. Wobei, die intellektuelle Umweltverschmutzung sollte ich zurücknehmen. Ich bin mir nicht sicher, ob man ein Wort, das sich von intellegere = verstehen ableitet, also vom Verstand, im Zusammenhang mit der FPÖ überhaupt gebrauchen kann. Mich überrascht immer wieder die Chuzpe (auch so ein Wort, das nicht zu den Blauen passt), mit der sie das Geschwätz (das passt wieder) von gestern vergessen machen will. Beziehungsweise war's im Zweifelsfall nicht so gemeint. Die müssen ihre Wählerinnen und Wähler für sehr dumm halten. Wobei das fallweise angebracht scheint, wie dieser Beitrag zeigt. Realsatire pur. Eine Partie von Wendehälsen. Wobei die Doch-Wieder-Parteikollegen von den FIK nicht viel besser sind.

Gut gelaufen ist die solidarische Berichterstattung zum Audimax. Immerhin 16 Beiträge und mehrere Solidaritätsaktionen. Schade, dass nicht mehr aus diesem heißen Herbst geworden ist. Andererseit: So wenig haben die Studis nicht erreicht. Jetzt ist ganz Österreich bewusst, wie es auf Österreichs Unis und Fachhochschulen zugeht. Ohne diesen lauten Aufschrei wäre das einer breiten Öffentlichkeit nicht zu vermitteln gewesen. Und nicht einmal das eine oder andere kleinformatige Kampfblatt des wehrhaften Kleinbürgertums hat sich getraut, sich offen gegen die Besetzenden zu stellen.

Alles in allem ein erfülltes Jahr. Anstrengend. Aber ich darf zufrieden sein. Es hat sich ausgezahlt. 67.000 Menschen haben diesen Blog gelesen, seitdem ich das Statistik-Tool installiert habe. Das war fast zwei Monate nach dem ersten Beitrag. Also, es werden schon 70.000 gewesen sein. Immerhin sind es derzeit etwa 230 pro Tag - im Schnitt. Tendenz steigend. Das gibt Kraft. Ich mache weiter.
Lubinger (Gast) - 6. Apr, 18:58

echt gute arbeit geleitstet! mach nur so weiter!

die fragende (Gast) - 6. Apr, 19:10

ja, unbedingt "musst" du weitermachen !!!!!

Dagmar (Gast) - 6. Apr, 19:34

happy blogbirthday, deine Seite ist wichtig - mach bitte unbedingt weiter !! auf viele spannende Storys im neuen Jahr

liebe Grüße
Dagmar

Tom Schaffer (Gast) - 7. Apr, 17:20

Ein super erstes Jahr. Gratuliere. :)

Gratulant (Gast) - 9. Apr, 21:43

Gratulation! Dieser Blog ist ein so notwendiger Beitrag, wenn man sich mit dem politischen Zeitgeschehen und der politischen Kultur dieses Landes kritisch auseinandersetzen will (bzw. das muss man)!
Danke, und alles Gute für das neue "politwatch"-Jahr!
P.S.: ich empfange die Beiträge per RSS-Feed in mein Emailprogramm. Da ich vermute, dass das Statistik-Tool diese nicht mitzählt, werden deine Beiträge vermutlich von deutlich mehr Menschen gelesen!

Der Kessel kocht - 12. Apr, 23:18

Bisserl spät, aber immerhin doch noch.

A wenn i erst seit Anfang Februar dabei bin, seitdem treuer Leser und Verfolger des Politwatch-Blog.

In diesem Sinne, hoff i, dass dir die Luft ned ausgehen wird und du uns weiterhin erhalten bleibst.

Darkdidi (Gast) - 13. Apr, 23:54

Ich möchte dir für die Zukunft die Anregung geben, mit deiner Berichterstattung etwas mehr in die Breite zu gehen. Man glaubt es kaum, aber man kann auch Parteien die links der Mitte stehen, kritsieren! Zweifellos lässt sich an der FPÖ und auch an der ÖVP einiges kritisieren, aber es ist etwas nicht per se falsch, nur weil es jemand aus der FPÖ gesagt hat. Dein Blog erschöpft sich hauptsächlich in FPÖ-Kritik, das finde ich als jemand der sich politisch etwas rechts der Mitte stehend bezeichnet, etwas öde..
Links zu sein heißt nicht den moralischen Allmachtsanspruch gepachtet zu haben!
Ich schaue trotzdem gerne ab und zu vorbei, um zu sehen, wie hier was gedacht und argumentiert wird, auch wenn ich das Meiste davon inhaltlich nicht teile.
Trotzdem alles Gute für die Zukunft des Blogs.

mfg

Darkdidi

Christoph Baumgarten - 14. Apr, 10:05

Didi,
Ich würd gern vieles andere schreiben. Allein, der rechte Rand beleidigt ständig meine Intelligenz auf eine Art, wie es keine andere Bewegung in diesem Land imstande ist zu tun. Das ist nebenbei was anderes als Moralisieren - das tu ich hier ziemlich wenig. Ich zeig lieber auf, mit welcher Dreistigkeit gelogen und diffamiert wird und wie lächerlich die Truppen des rechten Rands sind. Daneben bleibt leider weniger Zeit, andere kritisch zu beobachten als mir lieb ist.

Erwin (Gast) - 19. Apr, 23:25

Welcher von den Skinheads ist derjenige aus der ORF-Reportage? Und woher weiss man, dass ihn nicht auch diesmal der ORF geschickt hat? Nur, weil auf dem Bild kein Übertragungswagen zu sehen ist?

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Politwatch

Blog für alle, die sich nicht länger für dumm verkaufen lassen wollen

Über Politwatch

Christoph Baumgarten

Mein Name ist Christoph Baumgarten und bin seit mehr als einem Jahrzehnt im Journalismus. Dieser Blog soll meine Sicht auf die politischen Entwicklungen in Österreich wiedergeben. Wobei im Moment der Ausdruck Zustand angebrachter wäre, wenn man an die heimische Politik denkt. Politwatch zeigt gerne vergessene Zusammenhänge auf und soll den Menschen eine Stimme geben, die auch angesichts der zunehmenden geistigen Verwahrlosung in diesem Land ihre fünf Sinne zusammen haben und nicht vergessen haben, was bei Politik im Mittelpunkt stehen sollte: Der Mensch mit seinen Bedürfnissen. Ein Hinweis für InhaberInnen eines Accounts auf twoday.net: Es gibt einen e-mail-Abodienst für neue Beiträge und Kommentare.

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