Österreichs Schande
Endlich findet die heimische Spitzenpolitik Worte für Bumsti Straches verbale Entgleisungen. Im "Standard"-Interview spricht Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) von einer "Schande" und bezeichnet Strache als "Hassprediger".Vielleicht war es der Schock. Es hat gedauert, bis Faymann Worte für Strache gefunden hat. So viele Entgleisungen auf einmal hat nicht einmal Jörg Haider in seinen berüchtigen Aschermittwochsreden geliefert. Dass die FPÖ in Inseraten mit antisemitischen Ressentiments spielt, dass der FPÖ-Chef Neonazis bei einer Demo als Menschen mit Zivilcourage bezeichnet, Jugendliche, die mit Softguns auf Menschen schießen und Holocaust-Überlebende mit dem Hitler-Gruß begrüßen als "Lausbuben" verharmlost, dass er gleichzeitig öffentlich zur Kindesmisshandlung aufruft und "linke Nazis" ortet, das war etwas viel an einem Wochenende. Und das waren nur die traurigen Höhepunkte von Straches verbalem Rowdytum und Liebäugeln mit dem rechten Rand.
Auf die Inserate der FPÖ, die gegen einen EU-Beitritt Israels und der Türkei Stimmung machen wollen, sagt Faymann im "Standard": Der einzige Grund, Israel hier zu nennen, ist es, antisemitische Vorurteile zu bedienen. Das ist eine Schande. Für diese Hetze haben wir nichts über, diese Hetze verurteile ich scharf. Dass die FPÖ Menschen gegeneinander aufzuhetzen versuche, sei "unerträglich", sagt Faymann.
Auch Außenminister Michael Spindelegger (ÖVP) verurteilt Strache. Ein Wahlkampf rechtfertige derartige Aussagen nicht, sagt Spindelegger. Vor einer Woche hatte seine Parteikollegin, Innenministerin Maria Fekter, im Zusammenhang mit dem Überfall von Ebensee noch kryptisch von "wechselseitigen Provokationen" gesprochen.
http://derstandard.at/?url=/?id=1242316025494
http://www.orf.at/090517-38396/index.html
http://funkefreiheit.blogspot.com/2009/05/endlich-klare-worte.html
Eine interessante Analyse der Stracheschen Entgleisungen findet sich auch hier. Sie zeigt auf, welchen Unsinn der blaue Parteichef dahergeredet hat.
http://www.facebook.com/ext/share.php?sid=83827158971&h=9W4c3&u=0iOSZ&ref=nf
Vilimsky diffamiert wieder
FPÖ-Generalsekretär Harald Vilimsky schien am Sonntag unter Schreibdurchfall zu leiden. Er warf Faymann vor, Amok zu laufen und schreibt von "Bassena"-Rhetorik.
http://www.ots.at/presseaussendung.php?schluessel=OTS_20090517_OTS0064&ch=politik
Interessante Aussage eines Menschen, der sich mit Formulierungen zu profilieren versucht, die vor persönlichen Beleidigungen und Diffamierungen nur so strotzen, von seinen offensichtlichen historischen Bildungslücken ganz zu schweigen.
Dass ein Hinterbänkler namens Norbert Hofer vorgeschickt wird, um den Präsidenten der Israelitischen Kultusgemeine, Ariel Muzicant, anzupatzen, mutet wie Feigheit an. Parteichef und Generalsekretär haben sich das offenbar nicht mehr getraut. Auch Hofer zeigt sich nach den verbalen Entgleisungen seines Chefs für freiheitliche Verhältnisse beinahe zurückhaltend. Muzicants Rücktritt fordert er über Umwege.
http://www.ots.at/presseaussendung.php?schluessel=OTS_20090517_OTS0026&ch=politik
Mucikant hatte die Aussagen von Straches zweitem Propagandabeauftragten, Herbert Kickl, mit der Rhetorik von NS-Propagandaminister Joseph Goebbels verglichen.
http://wien.orf.at/stories/362539/
Unter anderem forderte er SPÖ und ÖVP auf, gegen Strache aufzustehen. Ein Anfang ist an diesem Wochenende gemacht worden.
Christoph Baumgarten - 17. Mai, 19:27


