Konzept: Studis raus aus den Unis
Heute ist Beatrix Karl (ÖVP) als Nachfolgerin des gescheiterten Wissenschaftsministers Johannes Hahn angelobt worden. Aufgefallen ist sie mit Parolen von vorgestern.Es ist keine einfache Aufgabe, der sich Beatrix Karl stellt. Ihr würde Respekt gebühren. Würde sie über Lösungen nachdenken und nicht Parolen von vorgestern wiederkäuen. Viel mehr als Studiengebühren und Zugangsbeschränkungen fällt ihr nicht ein, wenn man sie fragt, was sie gegen den Notstand an den heimischen Unis tun will. Im Klartext: Studierende raus aus den Unis. Dann geht's allen gut. Eine seltsame Haltung für eine ehemalige Lehrende.
Ich hoffe, das kam erst mit ihrer politischen Arbeit. So viel Zynismus und Problemlösungskompetenz ist man von der "Volks"partei und den anderen Rechtsparteien gewöhnt. Karl hat offenbar schnell gelernt. Ihre Wortmeldungen legen nahe, dass sie die elitären Vor- und Einstellungen ihrer Partei teilt. Und die "Bildungs"konzepte, die die ÖVP an den Unis seit einem Jahrzehn umsetzt.
Was das gebracht hat, hat man im Vorjahr gesehen. Zehntausende Studierende waren auf der Straße, Audimax und Co waren zwei Monate lang besetzt. Und das waren keine überschwänglichen Solidaritätsbekundungen mit dem damaligen Wissenschaftsminister Johannes Hahn. Auch wenn der das möglicherweise dafür gehalten hat. Sofern er sich überhaupt für die Unis zuständig fühlte.
Die alte Neue
Und es ist bezeichnend, dass sich die ÖVP zwei Monate lang Zeit gelassen hat, um Beatrix Karl als Ministerin zu nominieren. Ihr Name war der erste, der genannt wurde, als eine Nachfolgerin für Hahn suchte. Dieser Nominierungsprozess muss etwas eigenartig gelaufen sein.
Vielleicht liegt's auch daran, dass die ÖVP, wie auch aus schwarzen Kreisen immer wieder kolportiert wurde, der Reihe nach Absagen von anderen bekam. Niemand wollte sich das Himmelfahrtskommando antun. Blieb dem Oberschwarzen Josef Pröll nichts anderes, als auf Karl zurückzugreifen. Eine Kandidatin, die, auch welchen Gründen auch immer, für ihn nicht die erste Wahl gewesen zu sein scheint.
Was etwas eigenartig anmutet, um nicht zu sagen latent frauenfeindlich. Aber vielleicht bin ich hier überkritisch. Jedenfalls: Sofern es an der ÖVP so etwas wie Universitätskompetenz gibt, hat sie Karl sicher. Sie so lange warten zu lassen, hat sie sich sicher nicht verdient. Und noch weniger, dass Prölls Jugendbeschäftigungsinitiative "Superpraktikant" (wochenlang de facto unbezahlte Arbeit) vor ihr der Öffentlichkeit präsentiert wurde.
Egal, was über sie angesichts erheblicher politischer Differenzen geschrieben werden mag - was die eigene Partei Karl angetan hat, kann man durchaus als Demütigung verstehen. Und das war nicht angebracht.
P.S.: Kann mir irgendjemand erklären, warum die junge Frau, die wochenlang Prölls unbezahlte Assistentin ist, sich am Foto als "Österreichs Superpraktikant" präsentieren muss? Die weibliche Form erschiene hier angebracht.
Christoph Baumgarten - 26. Jan, 19:31


