Kabarett aus dem Stegreif
Das BZÖ hat heute seine anderen Kandidaten für das EU-Parlament in Brüssel vorgestellt. Ein Potpourri aus abgehalfterten Provinzpolitikern, Monarchisten und Quereinsteigern, die keiner kennt.Die Befürchtung, das BZÖ könnte unter Neo-Chef Josef Bucher seine einzige Stärke verlieren, ist unbegründet. Der unfreiwilligen Komik wird weiter gefrönt. Heute hat die orange Stegreifkabaretttruppe drei weitere Kandidaten für die EU-Wahlen vorgestellt. Mit Jörg Freunschlag soll ein abgehalfteter Provinzpolitiker die Kärntner Stimmen einsammeln. Das einzige, was das BZÖ über der Grenze der politischen Bedeutungslosigkeit hält.
Interessant die Wahl für Platz Drei. Matthäus Thun-Hohenstein heißt der Mann. Dass er Bankenmanager ist, soll Wirtschaftskompetenz signalisieren. Das BZÖ ist vermutlich die einzige sich selbst ernstnehmende Organisation, die so etwas für plausibel hält. Ungefähr der Rest der Welt kommt in der Wirtschaftskrise nicht einmal auf die Idee, einem Banker so etwas wie Wirtschaftskompetenz abzunehmen. Was nichts über die Qualifikationen des Betreffenden in seinem Beruf aussagen soll.
Monarchist als Parlamentarier
Öffentlich wahrnehmbar war Thun-Hohenstein laut Google zudem eher durch sein Engagement für die "Weiße Rose", nach eigenen Angaben eine "Zeitschrift gegen den Zeitgeist". Eine Vereinigung von Monarchisten, reaktionär und katholisch-fundamentalistisch. Letzteres eine Parallele zu den Einstellungen Ewald Stadlers.
http://www.monarchieliga.de/weisse-rose/00-portal.htm
Dass er Banker ist, gibt Google erst einige Monarcho-Einträge später preis. Er sitzt im Vorstand einer internationalen Volksbank-Tochter. (Im Falle der sehr unwahrscheinlichen Namensgleichheit zwischen dem Banker und dem Verteidiger eines schwachsinnigen Systems entschulde ich mir hiermit ausdrücklich beim Banker).
Dass der Mann bisher ÖVP-Mitglied ist, überrascht wenig. Er hat sich im "Akademikerbund" engagiert, einer Teilorganisation der "Volks"partei. Pikant, dass ihm die Linie seiner Partei nicht passt. War sie ihm zu liberal? Pikant auch, dass eine Partei wie das BZÖ Monarchisten für Parlamentsplätze ins Rennen schickt.
Wer ist Martin Thelen?
Die Kandidatur von Martin Thelen komplettiert das Bild einer abenteuerlich zusammengestoppelten Kandidatenliste. Der Mann mag kompetenter Diplomat sein. Als vierter Kandidat erweckt er eher den Eindruck, das BZÖ betreibe hier ein Elitenprojekt für die EU, das selbst der "Volks"partei zu weit ginge.
Beeindruckend die Frauenquote auf der BZÖ-Liste fürs EU-Parlament. Null. Prozent, Viertel, was auch immer. Null. Vier Plätze, vier Männer.
Überraschungskandidaten als Staffage?
Selbst das BZÖ scheint aber genug Realismus zu bewahren, um den Kandidaten auf Platz zwei bis vier nicht mehr zuzutrauen als Ewald Stadler irgendwie nicht alleine dastehen zu lassen. Das Wahlziel lautet: Ein Mandat. Und sollten nicht die Monarchisten einen Coup landen wie vor fünf Jahren Andreas Mölzer für die FPÖ wird das Ewald Stadler innehaben. Sofern das BZÖ ins EU-Parlament kommt. Es kann immer noch auf eine niedrige Wahlbeteiligung hoffen.
Christoph Baumgarten - 30. Apr, 18:20


