Grasser-Klon als Haider-Nachfolger
Das BZÖ hat Josef Bucher zum neuen Bündnisobmann gewählt. Er erinnert stark an Karlheinz Grasser und soll dem verblichenen Jörg Haider nachfolgen99,4 Prozent der Delegiertenstimmen. Ein beeindruckendes Ergebnis, das muss man Josef Bucher lassen. Für jemanden, der bestenfalls einer ausgewählten und interessierten Öffentlichkeit bekannt ist, nicht schlecht. Dem Rest Österreichs war er vermutlich eher mit seiner Ähnlichkeit mit Karlheinz Grasser aufgefallen, dem ehemaligen FPÖ-(und später ÖVP) Finanzminister und mittlerweile hauptberuflichem Gatten von Fiona Irgendwas, jedenfalls nicht Swarovski. Zusätzlich muss Bucher den Schatten des toten Übervaters Jörg Haider abschütteln. Insofern schwierig als das BZÖ nur aus Haider bestand - oder der mystifizierten Erinnerung an ihn. Mit Inhalten ernstzunehmender Natur ist die Partei bislang nicht aufgefallen.
Der "Leitantrag zu Europa" etwa ist ein Fortschritt im Vergleich zum sechs Seiten starken Gründungsprogramm. In bezug auf Verständlich- und Sinnhaftigkeit sowie Leserfreundlichkeit sollte er aber in "Leidantrag" umbenannt werden. Wie viele Platitüden man auf so wenigen Seiten unterbringen kann, ist erstaunlich.
http://www.bzoe.at/download/leitantrag.pdf
Unfreiwillige Komik
Die einzige Stärke des BZÖ ohne Haider lag bislang in der unfreiwilligen Komik. Man denke an den Kärntner Landeshauptmann Gerhard Dörfler und den bekanntermaßen wahrheitsliebenden und Straßenverkehrsordnung beachtenden, rücksichtsvollen Autofahrer Peter Westenthaler. Stefan Petzner als Kurzzeit-Obmann wird auch eher als Haiders Lebensmensch in Erinnerung bleiben. Österreichs beste Stegreif-Kabaretttruppe. Komisches Potential ist bei Bucher bislang nicht aufgefallen. Sonst auch wenig, aber vielleicht wissen die BZÖ-Delegierten mehr.
In dieses Konzept hätte sich mein Favorit für den Posten des Bündnisobmanns bestens eingereiht. Über Reinhard Gaugg hätte ich mich wirklich gefreut. Immerhin kann der Mann zentrale Ideologieinhalte buchstabieren. Offen bleibt, wessen. Als Nachfolger Haiders auf Kärntner Landstraßen hat er sich nachhaltig qualifiziert. Genierer, Posten anzunehmen, für die er nicht qualifiziert ist, hat er auch keinen. Einen besseren Obmann hätte ich mir nicht vorstellen können. Aber das ist meine persönliche Meinung.
Es wird unterhaltsam werden, dem BZÖ beim Versuch zuzusehen, ernsthafte Politik zu betreiben. Eine klare Antithese zur Partei.
Christoph Baumgarten - 27. Apr, 21:20


