Erlaubtes Unverständnis

secessionEin Swingerclub bringt Österreichs Kleinbürger auf die Palme. Sodom und Gomorrha in der Secession, schreien sie. Mit Steuergeld! Ein Skandal! In ihren Augen.

Ich hätte nie gedacht, diesen Satz zu sagen: Haben wir keine anderen Sorgen? Ob in der Secession eine Ausstellung mit angeschlossenem Swingerclub stattfindet oder nicht, fällt eher nicht unter die dringendsten Probleme der Republik. Da wären Arbeitslosigkeit, Menschenrechte, Hetze gegen Andersdenkende- und aussehende, die Finanzierung des Sozialstaats, eine gerechte Steuerverteilung, das Bildungssystem, die politische Kultur - jedes dieser Probleme verbunden mit ca. 100 Unterproblemen und Teilaspekten, die, jedes für sich genommen, kaum unwichtiger genannt werden können.

Gut, es ist verständlich, dass Bumsti Strache zu den dringenden Problemen der Republik nichts zu sagen hat. Er ist selber Teil einiger Probleme (Stichwort Menschenrechte und Hetze), zeigt, dass er manche Dinge schlimmer machen will (siehe seine Vorschläge zu Arbeitslosigkeit, Sozialstaat und Steuern) und beweist solcherart die Existenz gewalter Probleme in manchen staatlichen Bereichen (Stichwort Bildungssystem).

Sein Wettern gegen den Swingerclub mit dem Argument, hier stecken öffentliche Mittel drin, ist lächerlich und entlarvend. Er hält es für ein unerlaubtes Verständnis, wenn Menschen in öffentlichen Räumen (allerdings nur nachts, ohne allgemeines Publikum) Geschlechtsverkehr haben. Das zeigt nur sein (leider) erlaubtes Unverständnis. Die Aktion soll provozieren. Das hat sie. Funktioniert hat das vor allem bei schlichten Gemütern. Das zeigen auch die Reaktionen der Boulevard-Zeitungen.

Und es ist ein Zeichen für Straches Doppelmoral, die übrigens thinkoutsideyourbox hervorragend analysiert. Warum, denkt sich ein vernunftbegabter Zeitgenosse, regt sich Strache auf, dass Verhalten gefördert wird, das von den allgemeinen Normen abweicht? Der Swingerclub in der Secession bekommt nur indirekt Subventionen: Er absolviert einen Gastauftritt in einem Gebäude, das es ohne Steuergeld nicht gebe. Die direkten Kosten, etwa für den Umbau, trägt der Club selbst. Der Secession enstehen keine Kosten.

Die Parteiakademie der FPÖ kostet Steuerzahlende Millionen. Was dort an Verstand und Anstand verbrochen wird, geht auf eine Kuhhaut mehr. Dort werden unter anderem die Menschen geschult, die hetzerische Werbeslogans a la "Abendland in Christenhand" kreiern. Dort werden Menschen ausgebildet, um öffentlich gegen Migranten zu hetzen. Wenn das kein öffentliches Ärgernis ist, weiß ich es nicht. Von Straches eigenen hochsubventionierten Aussagen ganz zu schweigen. Der Mann lebt ausschließlich von Steuergeld.

Und da soll ein Swingerclub ein öffentliches Ärgernis sein?

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Mein Name ist Christoph Baumgarten und bin seit mehr als einem Jahrzehnt im Journalismus. Dieser Blog soll meine Sicht auf die politischen Entwicklungen in Österreich wiedergeben. Wobei im Moment der Ausdruck Zustand angebrachter wäre, wenn man an die heimische Politik denkt. Politwatch zeigt gerne vergessene Zusammenhänge auf und soll den Menschen eine Stimme geben, die auch angesichts der zunehmenden geistigen Verwahrlosung in diesem Land ihre fünf Sinne zusammen haben und nicht vergessen haben, was bei Politik im Mittelpunkt stehen sollte: Der Mensch mit seinen Bedürfnissen. Ein Hinweis für InhaberInnen eines Accounts auf twoday.net: Es gibt einen e-mail-Abodienst für neue Beiträge und Kommentare.

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