Eine Realsatire namens Kärnten geht in Sommersaison

Stefan Petzner, Jörg Haiders ehemaliger Pressesprecher, liefert ein neues Meisterstück seiner Unübertrefflichkeit. Er setzt alles dran, Österreichs Ruf als humorbegabte Nation zu verteidigen und schwingt sich mit seinem Talent auf ungeahnte Höhen. In einem Interview will er Jörg Haiders Tod neu untersuchen lassen.

Kärnten, so denkt man, ist das Land des Summer-Open-Air. Warmes Wetter, viel Sonne, viele Touristen, die unterhalten werden wollen. Nur Stefan Petzner, österreichischer Meister der unfreiwilligen Komik, zieht ein Zeitungsinterview den Brettern vor, die für andere Kleinkunst-Genies die Welt bedeuten.
http://www.oe24.at/oesterreich/politik/Petzner_bricht_sein_Schweigen_0486206.ece

Haiders ehemaliger Pressesprecher will den Tod seines Lebensmenschen neu untersuchen lassen. Niemand mehr in Kärnten – und ich betone: NIEMAND – glaubt noch an die offizielle Version, dass das ein Unfall unter Alkoholeinfluss war. Eine klare Aussage. Im neuen Buch von Gerhard Wisnewski lautet der Titel „Unfall, Mord oder Attentat?“ Und diesen Titel finde ich sehr treffend. Denn jeder, der die nüchternen Fakten betrachtet – ohne Emotion, ohne Vorurteil – der wird zur Überzeugung kommen, dass die Unfallversion, so wie sie vom Staatsanwalt präsentiert wurde, so nicht stimmen kann. So wie geschildert kann dieser Unfall nicht abgelaufen sein – das ist sicher.

Eine Erklärung, warum es ein Attentat gewesen sein könnte, hat er auch parat. Jörg Haider hat als erster und einziger Politiker Österreichs schon im September detaillierte Informationen über das Ausmaß der Banken- und Finanzkrise gehabt. (...) Er hat gewusst, wie hochbrisant und explosiv diese Informationen sind. Das sind Informationen, die im Zusammenhang mit riesigen international vernetzten Banken- und Finanzsystemen stehen. Da geht es um viele Milliarden und die wahren Mächtigen in der Welt, die an der Ostküste und sonst wo sitzen. (...) Er kannte als einziger Politiker alle Details, die der Öffentlichkeit bis heute verschwiegen werden. Er wusste, welche Sprengkraft diese Informationen haben – das betrifft die mächtigsten Lobbies, die mächtigsten Finanzjongleure. Er hatte die Informationen aus Kreisen der Hochfinanz. Das hat er mir gesagt. Ich habe die Unterlagen auch gesehen. Er wusste: Das ist gefährlich, was er da besitzt. Sobald "die Ostküste" ins Spiel kommt, das weiß der passionierte Verschwörungstheoretiker, muss es ja stimmen. Ein Schelm, wer hier an antisemitische Vorurteile denkt, die so en passant mit einer Märtyrer-Hagiographie verwoben werden.

Sagte ich Verschwörungstheorie? Ich bin vorsichtig - ich sage nicht: Es war ein Attentat. Ich sage vielmehr: Es gibt massive Anhaltspunkte dafür, dass die bisherige Unfallversion nicht stimmt und es ein politisch motiviertes Attentat gewesen sein kann. Ich bin kein Verschwörungstheoretiker – ich orientiere mich als Politiker an den Fakten. Ah ja. Nur erweist sich Österreichs begnadetster Realsatiriker wider Willen wenige Zeilen später als bemerkenswert orientierungsloser Politiker. Gefragt nach einer Erklärung sagt er: Ich habe keine – und deshalb fordere ich ja: Das muss neu untersucht werden. Alles was der Staatsanwalt bei diesem Unfall ermittelt hat, passt von vorne bis hinten nicht zusammen. Das riecht verdammt nach Manipulation. Und damit sind wir beim entscheidenden Punkt: War dieser Unfall ein Unfall – oder nicht?

Fazit: Der Mann sollte auf Tournee gehen. Volle Häuser oder Freiluftaufführungsstätten wären ihm - zumindest außerhalb Kärntens - sicher. "Eine Realsatire namens Kärnten geht in Sommersaison" - wenn der Titel kein Straßenfeger ist. Ich spreche mich auch dafür aus, Petzner für diesen Beitrag für den Kleinkunstpreis "Salzburger Stier" zu nominieren.

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