Die Papageien
Ich kritisere ungern meinen ehemaligen Arbeitgeber öffentlich. Diesmal muss ich. Und leider sogar eine Sendung, die ich sehr schätze und für die einen Beitrag zu produzieren mir aus verschiedenen Gründen leider nie möglich war. Aber die heutige Diskussionsrunde des "Journal Panorama" war gelinde gesagt eine Beleidigung eines jeden mündigen Hörers.
Das Bild von Papageien drängte sich auf, als ich den Wortspenden von Eva Weissenberger (Kleine Zeitung), Stefan Klasmann (Format) und Franz Schellhorn (Die Presse) zu lauschen versuche. Was sich Diskussionsleiterin Barbara Herbst mit dieser Kombination erwartet hatte, wird mir wahrscheinlich ewig rätselhaft bleiben. Politisch liegen diese Zeitungen/Zeitschriften nicht sehr weit auseinander. Presse und Kleine Zeitung als Formate des wehrhaften Kleinbürgers, der über ein Mindestmaß an Sprachfertigkeiten und Bildung verfügt, das Format Sprachrohr für das, was sich für die bessere Gesellschaft hält. Mit entsprechender Schnittmenge. Genausogut hätte man eine Runde Wirtschaftsbündler einladen können, um das Thema "Vermögenssteuern" zu diskutieren.
Man könnte so etwas auch als selbstreferentielles System bezeichnen, den redlichen Anstrengungen von Barbara Herbst zum Trotz, so etwas wie Differenziertheit in die Schwälle heißer Luft zu bringen. Gegenstandpunkte gab es - na, ja, Gegenstandpunkt gab es einen einzigen. Gegen jede Form, von Vermögens/Vermögenszuwachssteuer. Populistisch sei das und würde sowieso den "Mittelstand" treffen. Oder nix bringen. Als Beleg für diese Theorie wurden abgeschaffte Steuern wie auf Vermögen, Erbe und Schenkungen angeführt. Die Herrschaften waren sich nicht zu blöd, internationale Vergleiche im wesentlichen für unzulässig zu erklären und die beliebte Lüge der Mehrfachbesteuerung unwidersprochen in den Raum zu stellen.
Nichts darf anders werden
Die Frage, dass andere Modelle für Steuern auf Vermögen international durchaus viel Geld einbringen, wurde für irrelevant erachtet. Analytisch wertlose Aussage. JournalistInnen, die sich meist für die geistige Elite dieses Landes halten, tun sich mitunter etwas schwer, über den Tellerrand zu schauen und sich vorzustellen, dass etwas ANDERS sein könnte. Eine Grundstimmung, die sie mehrheitsfähig macht, wie die Kronenzeitung als Vulgär-Abklatsch der obigen Formate verdeutlicht. Das Wort Stiftungssteuern fiel meiner Erinnerung nach kein einziges Mal. Soweit zur "Expertise" der Herrschaften. Sie verwendeten viel Gedankenarbeit, um zu erklären, warum das nicht geht. Diese Arbeit wäre produktiver in Alternativkonzepten angelegt gewesen.
Dass sie eine europaweite Finanztransaktionssteuer als unrealistisch abtaten, wie sie die SPÖ in ihrem Europakonzept (www.soziales-europa.at) einfordert, wunderte wenig. Wozu auch irgendeine Besteuerung für die besitzende Klasse realistisch halten? Als gut verdienende Menschen könnten sie selbst einmal dazugehören. Glauben sie. Putzig der Hinweis, hierzulande könne man mit Arbeit nicht reich werden. Mit Lohnarbeit, die sie meinten, kann man das nirgendwo. Das hat mit Steuern nichts zu tun. Wiewohl Steuern auf Arbeit hierzulande zu hoch sind, aber das ist eine andere Diskussion.
Eine vertane Diskussion, eine halbe Stunde meines Lebens, die ich verschwendet habe. Wer gibt sie mir zurück? Das nächste Mal, liebe Ö1-Redaktion, ladet wenigstens einen Menschen ein, von dem man erwarten kann, dass er oder sie eine andere Position bezieht. Alles andere ist praktizierte Publikumsbeschimpfung.
Das Bild von Papageien drängte sich auf, als ich den Wortspenden von Eva Weissenberger (Kleine Zeitung), Stefan Klasmann (Format) und Franz Schellhorn (Die Presse) zu lauschen versuche. Was sich Diskussionsleiterin Barbara Herbst mit dieser Kombination erwartet hatte, wird mir wahrscheinlich ewig rätselhaft bleiben. Politisch liegen diese Zeitungen/Zeitschriften nicht sehr weit auseinander. Presse und Kleine Zeitung als Formate des wehrhaften Kleinbürgers, der über ein Mindestmaß an Sprachfertigkeiten und Bildung verfügt, das Format Sprachrohr für das, was sich für die bessere Gesellschaft hält. Mit entsprechender Schnittmenge. Genausogut hätte man eine Runde Wirtschaftsbündler einladen können, um das Thema "Vermögenssteuern" zu diskutieren.
Man könnte so etwas auch als selbstreferentielles System bezeichnen, den redlichen Anstrengungen von Barbara Herbst zum Trotz, so etwas wie Differenziertheit in die Schwälle heißer Luft zu bringen. Gegenstandpunkte gab es - na, ja, Gegenstandpunkt gab es einen einzigen. Gegen jede Form, von Vermögens/Vermögenszuwachssteuer. Populistisch sei das und würde sowieso den "Mittelstand" treffen. Oder nix bringen. Als Beleg für diese Theorie wurden abgeschaffte Steuern wie auf Vermögen, Erbe und Schenkungen angeführt. Die Herrschaften waren sich nicht zu blöd, internationale Vergleiche im wesentlichen für unzulässig zu erklären und die beliebte Lüge der Mehrfachbesteuerung unwidersprochen in den Raum zu stellen.
Nichts darf anders werden
Die Frage, dass andere Modelle für Steuern auf Vermögen international durchaus viel Geld einbringen, wurde für irrelevant erachtet. Analytisch wertlose Aussage. JournalistInnen, die sich meist für die geistige Elite dieses Landes halten, tun sich mitunter etwas schwer, über den Tellerrand zu schauen und sich vorzustellen, dass etwas ANDERS sein könnte. Eine Grundstimmung, die sie mehrheitsfähig macht, wie die Kronenzeitung als Vulgär-Abklatsch der obigen Formate verdeutlicht. Das Wort Stiftungssteuern fiel meiner Erinnerung nach kein einziges Mal. Soweit zur "Expertise" der Herrschaften. Sie verwendeten viel Gedankenarbeit, um zu erklären, warum das nicht geht. Diese Arbeit wäre produktiver in Alternativkonzepten angelegt gewesen.
Dass sie eine europaweite Finanztransaktionssteuer als unrealistisch abtaten, wie sie die SPÖ in ihrem Europakonzept (www.soziales-europa.at) einfordert, wunderte wenig. Wozu auch irgendeine Besteuerung für die besitzende Klasse realistisch halten? Als gut verdienende Menschen könnten sie selbst einmal dazugehören. Glauben sie. Putzig der Hinweis, hierzulande könne man mit Arbeit nicht reich werden. Mit Lohnarbeit, die sie meinten, kann man das nirgendwo. Das hat mit Steuern nichts zu tun. Wiewohl Steuern auf Arbeit hierzulande zu hoch sind, aber das ist eine andere Diskussion.
Eine vertane Diskussion, eine halbe Stunde meines Lebens, die ich verschwendet habe. Wer gibt sie mir zurück? Das nächste Mal, liebe Ö1-Redaktion, ladet wenigstens einen Menschen ein, von dem man erwarten kann, dass er oder sie eine andere Position bezieht. Alles andere ist praktizierte Publikumsbeschimpfung.
Christoph Baumgarten - 22. Apr, 19:44


