Der kleine Obama in uns
Barack Obama bekommt den Friedensnobelpreis 2009. Warum, weiß keiner so genau. Was Österreichs Politikerinnen und Politiker nicht davon abhält, ihren Senf dazu zu geben. Man will den kleinen Obama in sich herausstreichen. Oder halt nicht.Im Weißen Haus knallen die Sektkorken. Josef Cap, Klubobmann der SPÖ im Nationalrat und Alexander van der Bellen, außenpolitischer Sprecher der Grünen, haben Barack Obama zum Friedensnobelpreis gratuliert. Da kann er sich richtig über die Auszeichnung freuen. Zumal er, wie der Rest der Welt, nicht so genau weiß, wofür er sie bekommt. Vielleicht dafür, dass er Teheran nicht bombardiert hat. Das ist auch eine Leistung, wenn man die zarte Außenpolitik seines Vorgängers bedenkt.
Der Autor dieser Zeilen hat Teheran auch nicht bombardiert und das nie in Erwägung gezogen. Was auch irgendwie ein Beitrag zum Weltfrieden ist. Findet der Autor von Politwatch. Allerdings ist er für den Friedensnobelpreis nicht einmal nominiert worden. Was in seinen Augen eine Ungerechtigkeit ist. Aber man kann nicht alles haben.
Hauptsache, Obama kann sich freuen. Daheim hat er’s ohnehin schwer genug. Da kommen die Aufmunterungen weltpolitischer Schwergewichte wie Russlands Präsident Dimitri Medwedew und von EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Durao Barroso, Josef Cap und Alexander van der Bellen gerade recht. Letztgenannte werden mit Sicherheit einen Ehrenplatz im Oval Office einnehmen. Die Schreiben, nicht die beiden österreichischen Politiker.
Und wenn Obama aus unerfindlichen Gründen die weltpolitische Bedeutung der Gratulationen aus Wien nicht erkennt und die Schreiben vielleicht nicht einmal liest– es soll ja gerade bei den Amerikanern Menschen geben, die nicht wissen, wo dieses international so eminent wichtige Land überhaupt liegt – bleibt beiden die Gewissheit: Sollte jemand auf die eher originelle Idee nach der Kombination „Cap“ bzw. „van der Bellen“ und „Obama“ googeln – die Presseaussendungen werden gefunden werden. Ein Werk für die Ewigkeit gewissermaßen. Verknüpft mit der vagen Hoffnung, etwas vom Image des US-Präsidenten für die schwächelnden Parteien der beiden reklamieren zu können. Fast so gut wie ein Foto mit Obama. Der nächste Wahlerfolg dürfte kein Problem mehr sein.
Überraschender Schwenk der Rechtsparteien
Österreichs Rechtsparteien haben in der Frage einen überraschenden Schwenk vollzogen. Herbert Scheibner, außenpolitischer Sprecher des BZÖ (die haben so was?), versteht wie der Rest der Welt nicht ganz, warum Obama den Preis bekommt, bevor er etwas Bemerkenswertes für den Weltfrieden tut. Wenigstens einmal ist er nicht so allein mit einer Meinung. Nach der Wahl im November hatte Stefan Petzner Obama noch dafür gelobt, quasi das Parteiprogramm des BZÖ kopiert zu haben und solcherart zum Wahltriumph geschritten zu sein. Das BZÖ sei Obama am ähnlichsten hatte er damals in einer seiner gewohnt brillanten Analysen zur Weltpolitik gemeint. Petzner gilt als Spezialist für alles, was mit dem Tod seines Lebensmenschen zu tun hat, insbesondere für Banken. Und vielleicht ist er ja draufgekommen, dass die Regierung Obama viele US-Banken gerettet hat. Vielleicht wollte sich Obama das Schicksal eines Jörg Haider ersparen. Andererseits: Jetzt, wo Obama Teil des Bankenkartells ist und Petzner der einzige, der Bescheid weiß… . Vielleicht erklärt das die plötzliche Aversion der Orangen gegen Obama. Oder vielleicht ist ihnen das mit dem Migrationshintergrund aufgefallen.
Auch die FPÖ reagiert sehr verhalten auf die Auszeichnung. Bemerkenswert. Im November hatte FPÖ-Chef Bumsti Strache nach einem Blick auf die nach dem Wahlsieg der Demokraten blau gefärbte Karte der USA überschwänglich gejubelt: Amerika hat Blau gewählt. Möglicherweise hat ihm mittlerweile jemand klar gemacht, dass Barack Obama nicht der FPÖ-Kandidat für das US-Präsidentenamt war. Oder er ist draufgekommen, dass Obamas Hautfarbe nicht vom Solarium kommt. Womit ja auch Silvio Berlusconi Probleme hat.
Wie immer, wenn es unangenehm wird, schickt Strache jemand anders vor. Diesmal darf Andreas Mölzer ran, FPÖ-Experte für jegliche Art völkischer Politik. Er spricht von einer Verhöhnung der anderen Nobelpreisträger und fordert sie auf, ihre Preise zurückzugeben. Es bestehe der Verdacht, Obama habe den Preis nur wegen seiner Hautfarbe bekommen. „Dann wäre das Rassismus“, schreibt Mölzer in einer Presseaussendung. Und damit kennt er sich aus.
Christoph Baumgarten - 9. Okt, 23:08


