Auch Nichtraucher stinken

Zigarette2Rauchverbote verkommen vom Nichtraucherschutz zu offener Schikane. Bringen tun sie niemandem etwas. Nicht einmal besseren Geruch.

Resultat einer Berlinreise: Aus zwei von insgesamt drei Lokalen, die ich abends besuchte, bin ich möglichst schnell geflüchtet. Ich habe den Gestank nicht ertragen. Kalter Kaffee, Putzmittel, Schweiß, Urin, Parfüms, diverse sonstige menschlichen Ausdünstungen, wenn man Pech hat auch noch Red Bull. In einer Intensität, die man nur als ekelerregend beschreiben kann. Und ich lebe mit einem Hund zusammen. Allzu empfindlich ist man da in Bezug auf Gerüche nicht gerade. Nicht anders geht es einem in einer Wiener Disco. Wenn ich meine Mitmenschen so intensiv riechen möchte, gehe ich mit ihnen ins Bett. Und da bin ich etwas selektiver. Aufgedrängt brauch ich diesen Gestank nicht.

Als man in diesen Lokalen noch rauchen durfte, hat sich der Zigarettenduft dezent über den menschlichen Gestank gelegt. Ein Lokal mit schlechter Lüftung war da noch zu ertragen. Oder eben so schlecht gelüftet, dass man es verlassen konnte, ohne die Regeln der Höflichkeit zu verletzen. „Tschuldigung, selbst mir als starkem Raucher ist das hier zu verraucht.“ Heute möchte ich lieber nicht ausprobieren, zu sagen: „In Ihrem Lokal stinkt’s aber.“ Und jedem Raucher darf man heute ins Gesicht schleudern: „Du stinkst:“ Versuch das mal bei einem Nichtraucher, selbst wenn das objektiv gerechtfertigt ist. Traut sich nie im Leben jemand.

Auch Nichtraucher stinken. Und wie. Das merkt man auch im Zug. Früher konnte sich unsereins ins Raucherabteil flüchten. Mittlerweile geht nicht einmal mehr das. Gestanksbelästigung und man kann sich gar nicht wehren. Und wehe, wenn man sich aufregt.

Nichts gegen besseren Nichtraucherschutz. Nur ist der im Regelfall zu erreichen, ohne Raucher immer und überall und schon aus Prinzip vor die Tür zu schicken wie einen Hund. Auch in der Gastronomie geht das oft, wie auch das österreichische Beispiel zeigt. Das hat seine eigenen Schwächen und Absurditäten. Insgesamt scheint es ein gangbarer Weg zu sein. Über Details usw. kann man gerne diskutieren. (Ich persönlich hätte es lieber, wäre der Raucherraum nicht der an der Theke. Ist gemütlicher – aber dort hält sich das Personal die meiste Zeit auf. Und in kleineren Lokalen kann man meinetwegen auch Raucherräume zur Selbstbedienungszone machen.)

Wer kümmert sich wirklich um Arbeitsbedingungen in der Gastronomie?
Und Deutschland? Schießt übers Ziel hinaus. Man muss es den USA, Irland und Italien nachmachen. Die Gesundheit des Personals wird im Regelfall vorgeschoben. Würde man sich um die Sorgen machen, man würde den Arbeitsinspektor öfter schicken. Die Arbeitszeiten in der Gastronomie, der Stress dort, die miese Bezahlung – das alles sind Faktoren, die sich negativ auf die Gesundheit der Beschäftigten auswirken. Dagegen will niemand etwas tun. Auch nicht gegen den Gestank, den es dort gibt, seitdem die Raucher vor die Türe verbannt wurde.

Nur, das kostet und geht auch zu Lasten großer Lokalketten – die von der Antirauchergesetzgebung am ehesten profitieren. Die können Umsatzeinbußen von einem Drittel und mehr am Anfang locker verkraften. Wenn die Kleinen, wie in Großbritannien, reihenweise pleite gegangen sind, reicht auch der insgesamt kleiner gewordene Kuchen für den Rest. Vorausgesetzt, es schaut sonst niemand nach, wie die Leute arbeiten müssen. Da würden oft genug heftige Strafen fällig. Man könnte auch bessere Lüftungen verordnen. Nicht nur des Rauches wegen.

Gesundheitspolitisches Placebo
Lieber schickt man Raucher generell vor die Türe. Ein gesundheitspolitisches Placebo. „Wir tun ja eh was und so ganz nebenbei haben wir einen Sündenbock, dem wir viele Berufskrankheiten in die Schuhe schieben können.“

Der Raucher wird zum Buhmann: Egoistisch, moralisch verkommen, willensschwach und kosten tut er überdies noch viel. Ein Versager eben. Einer, der selbst schuld ist an seinem Unglück. An einem Unglück, das man am besten noch vermehrt. Fehlt nur noch, dass staatliche Behörden ähnlich wie die WHO nur mehr Nichtraucher aufnehmen.

Statistiken sind unzuverlässig
Unterfüttert wird die primär moralisch geführte Diskussion mit Statistiken, über deren Zustandekommen man nur den Kopf schütteln kann. Da fliegen Zahlen hin und her, die sich um einen Faktor 10 unterscheiden und niemanden stört‘s. Vor wenigen Jahren noch behaupteten Österreichs Lungenfachärzte in einer Pressekonferenz, 7.000 Österreicher würden jährlich an den Folgen des Passivrauchens sterben, davon 1.000 Gastronomiebeschäftigte.

Die EU-Kommission, keineswegs raucherfreundlich, argumentierte zur gleichen Zeit mit 19.000 Toten durch Passivrauchen EU-weit. Die EU-Zahl beträgt mittlerweile 40.000, Österreichs Lungenfachärzte haben ihre Schätzung klanglos auf 1.000 korrigiert.

Die WHO argumentiert weltweit mit 650.000 Toten durch Passivrauchen. Abgesehen davon, dass das nur eine Schätzung sein kann – man darf getrost bezweifeln, dass es auch in Ländern mit de facto inexistenter medizinischer Versorgung eine verlässliche Datenerhebung gibt – überrascht, wie gering die Zahl ist, die die explizit raucherfeindliche WHO nennt. Das ist nicht einmal ein Prozent der weltweiten Todesfälle.

Hunger, AIDS und Co - wurscht
Vergleicht man das mit anderen ebenfalls vermeidbaren Todesursachen, wirkt der Zirkus ums Rauchen grotesk. Wie viele Menschen verhungern jährlich auf einer Welt, auf der genügend Nahrungsmittel produziert werden, um jeden Menschen zweimal zu ernähren? Wie viele Menschen sterben daran, dass sie kein sauberes Trinkwasser haben? Wie viele Menschen sterben daran, dass ihnen westliche Pharmakonzerne leistbare Medikamente gegen AIDS verweigern? Und dann gibt’s noch die klassischen Armutserkrankungen wie TBC.

Nicht, dass ich ein Verfechter des Losrauchens an jedem Ort zu jeder Zeit bin. Rauchverbote dort, wo sie Sinn machen, gerne. Hier geht es nur darum, Relationen herzustellen. Ein Raucherkammerl am hinteren Gang in einem Bürogebäude schadet niemandem. Allein, darum kümmern sich die Behörden in Ländern, wo selbst das verboten ist. Würden sie die selbe Gründlichkeit in der Nahrungsmittelindustrie an den Tag legen, im Arbeitnehmerschutz in der Industrie, bei der Überwachung der Arbeitsbedingungen im Handel und der Gastronomie – die Gesundheit wie vieler Menschen alleine in der westlichen Welt könnte verbessert werden?

Würde die EU das Geld für ihre Antiraucheraktivitäten in eine funktionierende Nahrungsmittelverteilung in der so genannten Dritten Welt stecken oder damit Kläranlagen bauen – wie viele Menschen könnten gerettet werden?

Es geht nicht um Gesundheit
Lieber macht man weiter mit der Schikane. Es geht nicht um Gesundheit. Es geht darum, Sündenböcke zu schaffen, Aktivität vorzutäuschen – und darum, dem Einzelnen die volle Verantwortung für den eigenen Körper aufzubürden. Ohne ihm die Möglichkeit zu geben, diese Verantwortung wahrzunehmen. Biopolitik nennt das Michel Foucault Alleine in der westlichen Welt kommt jede zweite Erkrankung aus dem Berufsleben.

Wie viele andere aus armutsbedingter mangelhafter Ernährung stammen bzw. aus dem Stress, den Armut verursacht, wäre ebenfalls interessant. Nur, genau solche Fragen um gesellschaftliche Verantwortungen werden mit dem Feldzug gegen Raucher ausgeblendet. Was die Basis für weitreichendere Biopolitik legt. Auch das ein Argument, um gegen weitere Schikane aufzutreten.
Nic (Gast) - 13. Dez, 20:22

ich wusste doch, dass da noch was kommt... ich rauch eine für Dich ;-)

kritikus.at (Gast) - 13. Dez, 20:38

Da kann ich nur eines sagen: Toller Beitrag, volle Zustimmung... ;)

nömix - 13. Dez, 23:02

D’accord. Ein sehr kluger Text, gut beobachtet.

Bernhard Redl (Gast) - 14. Dez, 01:49

ja, ebenfalls danke

erfrischend auch, wie deine anderen leser reagieren. sollte man heute gar nicht mehr glauben.

weiterführende literatur zum thema: http://akin.mediaweb.at/2010/25/25buch.htm (Buch von Wippersberg)

hier noch ein Interview: http://akin.mediaweb.at/2008/04/04smoke.htm

und dann noch was hochphilosophisches ;-)
http://akin.mediaweb.at/2008/10/10xund.htm

ende der werbeeinschaltung ;-)

Nichtraucher (Gast) - 14. Dez, 06:50

Polemisch

Sorry, aber dieser Text trieft nur so von unreflektierter Polemik, dass es fast nicht mehr ärger geht.

Deine bisherigen Blog-Einträge waren (und werden es sicher auch in Zukunft sein) für mich immer wieder ein Genuss der kritischen Beobachtung. Aber bei diesem Thema versteigst Du Dich absolut gewaltig.

Christoph Baumgarten - 14. Dez, 07:44

Ich wusste doch, dass das Thema polarisiert ;-)
Nichtraucher (Gast) - 14. Dez, 08:16

Polarisieren ist das eine - polemisieren das andere.

Ich denke, dass gerade diese von Dir gewählte Form der Argumentation Tür und Tor für weitere Polemik öffnet.

Konstruktive Auseinandersetzung und Diskussion sieht anders aus.
ub56 (Gast) - 15. Dez, 12:33

konstruktive Auseinandersetzung

@Nichtraucher

Gibt es unabhängige Wissenschaft?

Das ist die alles entscheidende Frage. Wir haben im Laufe der Jahrhunderte erkennen müssen, daß sich Wissenschaftler immer wieder geirrt haben oder durch andere Wissenschaftler eines besseren belehrt wurden. Nichts ist endgültig, vor allem nicht in der Wissenschaft.

Ein typisches Beispiel ist der Kaffee. Mal gesundheitsschädlich, dann gesundheitsfördernd. Jedes Jahr aufs neue. Ich weiß heute gar nicht mehr ob "gesund" oder nicht und es ist mir inzwischen auch egal. Ich trinke ihn solange er mir schmeckt und fertig.

Beim Passivrauch ist es anders. Im FCTC-Vertrag, den weltweit über 190 Länder unterschrieben haben, steht der entscheidende Satz:

Alle Vertragsparteien erkennen unwiderruflich an, daß wissenschaftliche Untersuchungen eindeutig bewiesen haben, daß Passivrauchen Tod, Krankheit und Invalidität verursacht.
Das Problem ist nur, daß es keinen einzigen Passivrauchtoten weltweit gibt, genauso wenig wie es einen 'F'einstaubtoten gibt.

Deshalb wird auch verzweifelt versucht, den einen Passivrauchtoten nachzuweisen. Die Wissenschaft ist dran, das Ziel steht fest, jetzt müssen nur noch die Puzzle rechnerisch zusammengeführt werden und schon haben wir ihn, den wissenschaftlich nachgewiesenen Passivrauchtoten.
infopipe (Gast) - 14. Dez, 08:18

Endlich Nichtraucher

Ich bin 30 Jahre alt und habe noch nie geraucht. Trotzdem wurde mir mein halbes Leben der Rauch anderer Menschen aufgezwungen. Erst seit kurzem bildet sich bei Rauchern das Bewusstsein, dass mich der Rauch stoeren koennte und beginnen Ruecksicht darauf zu nehmen. Dafuer bin ich der Diskussion die derzeit am Kochen ist sehr dankbar.

Ein paar Anmerkungen zu deinem Eintrag:
*) Gestank: Mag sein, dass sich nun der natuerliche Gestank mehr bemerkbar macht, kann ich aus meiner persoenlichen Erfahrung aber nicht behaupten. Allerdings finde ich diesen nicht unangenehmer als den Gestank von Tabakrauch. Rauch hat nebenbei auch noch die unangenehme Eigenschaft sich in Kleidung festzusetzen, 5 Minuten in einem verrauchten Raum und man wird den Geruch nicht mehr los. Bei dem von dir erwaehnten natuerlichen Gestank kann ich das Lokal verlasssen und bin auch den Geruch los.

*) Statistik: Es fehlen leider Angaben zu Konfidenzintervall usw. bei den angegebenen Zahlen, deshalb ist es schwer zu beurteilen ob sich die Zahlen nun wirklich widersprechen. Aber ob nun 1000 oder 7000 ist doch egal, waere gut wenn man diese Zahl druecken koennte.

*) Das Gegenrechnen von Hunger und Aids finde ich geschmacklos. Die Gesellschaft sollte durchaus faehig sein mehrere Probleme gleichzeitig anzugehen.

lg.

Christoph Baumgarten - 14. Dez, 09:58

Mag sein,

dass das Gegenrechnen geschmacklos ist. Nur so sieht leider die Wirklichkeit aus. Für deren Geschmacklosigkeit kann man nicht mich verantwortlich machen. Ein relativ kleines Problem wird aufgeblasen und zum alleingesundmachenden in der westlichen Welt stilisiert. Das dient auch dazu, um von anderen Problemen abzulenken.
Nicht nur das: Die dahinterliegende Logik, die Gesundheit zur alleinigen Aufgabe der Betroffenen zu machen, dient auch dazu, den Solidaritätsgedanken zu untergraben. Es ist ein besonders perfider Ausdruck neoliberalen Denkens, das die Durchökonomisierung auch der persönlichsten Lebensbereiche anstrebt. Das ist auch und gerade ein Problem der weniger wohlhabenden Länder, die auf Entwicklungshilfe angewiesen sind.
Die Raucherkampagne ist nur ein Teil einer Gehirnwäsche, der wir seit Jahrzehnten unterzogen werden. Aber eben ein sehr aktueller Teil, der mit seiner emotionalisierenden Kraft das Potential hat, Gegenbewegungen hervorzurufen.
Christoph Baumgarten - 14. Dez, 09:52

@Nichtraucher

Über die sachliche Diskussion sind wir schon weit hinaus. Wie gesagt: Gegen Raucher darf öffentlich polemisiert werden. Wenn wir mal nur deutlich zurückreden, wird uns dann schon Polemik unterstellt.
Ich habe hier etliche sachliche Argumente aufgeführt - und nachgewiesen, dass es andere gesundheitsgefährdende Bereiche gibt, in die auch in der westlichen Welt eingegriffen werden kann und sollte. Bereiche, von denen nicht einmal mehr gesprochen wird.

Nichtraucher (Gast) - 14. Dez, 16:03

Wehleidig?

Sorry, aber ich als Nichtraucher musste mir Jahrzehnte lang von Rauchern sagen lassen, dass ich mir das mit dem "störenden Rauch" nur einbilde (und es eh nicht so schlimm ist ...) - die Argumentation ist ja nach wie vor seitens der Raucher unverändert ...

Polemisch ist, dass Du "natürlichen (ungefährlichen) Gestank" (ja, ich weiß von was Du sprichst) mit definitiv medizinisch nachweisbaren gefährlichem Rauch gleichsetzt. Zudem verharmlost Du die "Raucherei" inkl. der Problematik des Passivrauchens.

Hast Du schon mal das Verhalten von Rauchern, die gegen die sogenannten "militanten Nichtraucher" sind, mit dem Verhalten von "drogenabhängigen" verglichen? Eine sachlich objektive Diskussion ist mit diesen Personen nicht mehr möglich. Für diese gilt: Raucher zuerst.

Wenn es eine Möglichkeit gäbe, dass Raucher den von ihnen produzierten Rauch für sich behalten könnten, ohne dass andere Menschen damit belästigt werden, können/sollen die Raucher rauchen was sie wollen. Die "Zwangsbeglückung" ist das problematische.
Karli (Gast) - 14. Dez, 12:28

Hm...

Wer gelegentlich eine raucht, wird dem wohl zustimmen, wer allerdings ueber Jahre nicht raucht, der denkt anders. Es ist fuer Raucher und Gelegenheitsraucher (zu denen zaehle ich mich derzeit) schwer nachzuvollziehen, wie penetrant und aetzend Rauchschwaden fuer jahrelange Nichtraucher sein koennen. Nach ca. 1,5 Jahren Nichtrauchen hat man hier eine sehr niedrige Reizschwelle.

Christoph Baumgarten - 14. Dez, 12:30

Die gestehe ich ja jedem zu

Nur bitte auch zur Kenntnis zu nehmen, dass Menschenmassen eine ebenso große olfaktorische Belästigung für andere Menschen sein können.
Karli (Gast) - 14. Dez, 16:15

Da bin ich eben anderer Meinung

Ich sehe das als Themenverfehlung. Olfaktorische Belaestigungen und Rauch sind 2 Paar Schuhe. Jauche mag mehr stinken, aber fuer langjaehrige Nichtraucher ergibt Rauch ein aetzendes Gefuehl in der Lunge; der Geruch ist da wirklich sekundaer. Um mal die Extreme zu bemuehen: Wenn ich die Wahl habe zwischen einer Rauchgasvergiftung und dem Fall in eine Jauchengrube, ziehe ich die Jauchengrube vor, unabhaengig vom olfaktorischen Faktor.
Dieda (Gast) - 14. Dez, 12:34

Bravo!

Vor allem den hinteren Teil des Artikels unterstreiche ich mit vollem Herzen. Es ist eine gar zu beliebte Methode, auf irgendwelche Seitenthemen auszuweichen, weil Wirtschaft und Politik die großen Themen nicht angehen wollen oder können (und wie oft kann zweitere nicht, weil erstere nicht will).

F (Gast) - 14. Dez, 19:24

Verwechslung

Die Wirtschaft soll nach Möglichkeit keine Themen angehen, sie soll versuchen Gewinne zu machen und wenn's funktioniert, erzeugt sie nebenbei auch noch sinnvolle Güter und Dienstleistungen und nicht nur Müll und Emissionen.
Ich empfinde es immer als Bedrohung, wenn 'die Wirtschaft' gesellschaftspolitische Themen angeht wie jetzt Androschs Versuch das Schulsystem industriegenehm zu gestalten.
infopipe (Gast) - 14. Dez, 12:42

@Christoph Baumgarten

Ich kann leider nicht auf deine Antwort direkt Antworten, deshalb fuege ich sie hier ein:

Nicht "die" haben eine Gegenrechnung gestartet, sondern du hast in deinem Beitrag verlangt, man soll das Nichtraucherthema (weil fuer dich nicht so wichtig) hintanstellen und sich anderen (auch sehr wichtigen) Themen widmen.

Das "Gesundheit zur alleinigen Aufgabe der Betroffenen zu machen" bezieht sich wohl auf Raucher. Bei diesem Thema geht es aber um Nichtraucherschutz und fuer den Nichtraucher ist es nicht seine "alleinige Aufgabe" sondern eben nur in Kooperation mit den Rauchern moeglich seine Gesundheit zu bewahren. In dem Zusammenhang gehe ich auf den Solidaritaetsgedanken lieber gar nicht ein.

Es mag sein, dass die Nichtraucherkampagne Teile eines Grand Schemes ist um der Welt eine Gehirnwaesche zu verpassen (wuede ich aber eher unter Verschwoerungstheorie einordnen). Ich fuer meinen Teil bin sehr froh, dass es mir nun moeglich ist, einen rauchfreien Platz fuer mich zu verlangen und ich finde es ist Rauchern durchaus das Verstaendnis zuzumuten, dass ihr Genussmittel fuer andere Personen grauslich bis gesundheitsgefaehrdend ist.

lg.

Christoph Baumgarten - 14. Dez, 13:11

Nochmal

Ich habe hier eindeutig nicht gegen Nichtraucherschutz argumentiert. Aber zwischen einem Raucherraum, wo einrichtbar, und einem generellen vor-die-Tür-schicken besteht ja wohl ein Unterschied.
Die Gehirnwäsche passiert seit 30 Jahren und die Verantwortlichen lassen sich auch relativ klar benennen. Das sind zum einen konservative Parteien, zum anderen bestimmte Schulen der Ökonomie, die derzeit Oberwasser haben, dann kommen in den USA christliche Fundis dazu (von denen die moderne Raucherverfolgung auch ausgeht), in Einzelfällen sind dann Partikularinteressen beteiligt wie der Pharma- und der Versicherungsindustrie. Man kann das auch als Diskurshegemonie bezeichnen - und deren Existenz kann kein Mensch bei klarem Verstand leugnen. Darüber kann man froh sein oder auch nicht, das ist jedem Einzelnen überlassen. Ich nenn das Ding beim Namen: Gehirnwäsche.
Durchgeführt nach dem Prinzip steter Tropfen höhlt den Stein, wobei sehr viele Verselbstständigungs- und Ergänzungskisten dazukommen, auch von unerwarteter Seite. Mit Verschwörungstheorie hat das denkbar wenig zu tun, das sind bekannte Fakten.
Und zum Gegenrechnen: Ich habe nicht behauptet "die" hätten diese gestartet. Ich stelle nur fest, dass es Millionen Tote jährlich aufgrund sehr einfach vermeidbarer Erscheinungen gibt. Das sind ganz klar zuordenbare gesellschaftliche Verantwortungen. Wir schaffen unseren (für die meisten bescheidenen) Wohlstand mit der Armut anderer. Was wiederum zu Elend und Tod führt. DAS sind Themen, die wesentlich dringender diskutiert werden sollten.
Nur: Genau das wird peinlichst vermieden. Auch und gerade von der WHO. Da bedient man sich lieber der Raucherhetze. Das lenkt so schön ab und täuscht eigene Aktivität vor.
Bernd (Gast) - 14. Dez, 13:21

Typische Sager

eines Nikotinsüchtigen. Da sind mir Trinker lieber, denn da bekomme ich keinen Rausch, wenn sie Alkoholisches in sich reinschütten.

Christoph Baumgarten - 14. Dez, 14:04

Genau

Der Nikotinsüchtige fordert auch noch, wie ein Mensch behandelt zu werden. So was aber auch. Darf man gar nicht erst zulassen.
infopipe (Gast) - 14. Dez, 14:18

@Christoph Baumgarten

1) Nein, du hast in deinem Beitrag nicht gegen Nichtraucherschutz argumentiert, aber du hast im Kommentar um 09:58 argumentiert, dass im Hintergrund der Rauchdebatte eine Absicht steht die "Gesundheit zur alleinigen Aufgabe der Betroffenen zu machen" und das widerspricht meinem Bild der Debatte. Ich glaube es geht hier um Ruecksicht nehmen und Schutz.

2) Ich bin wahrlich kein Befuerworter der neoliberalen Denkschule, aber die Raucher als Opfer des fortschreitenden Neoliberalismus darzustellen ist wohl etwas weit hergeholt. Es geht einfach darum, dass sich Raucher jahrzehntelang das Recht herausgenommen haben zu rauchen ohne Ruecksicht auf Umgebung und Personen. Diese Selbstverstaendlichkeit wird nun beschnitten. Klar, dass sich dagegen Widerstand regt, nichts desto trotz ist dieser Schritt richtig und wichtig.
Um diese Situation als Hetze auf Raucher wahrzunehmen, muss man wohl selbst Raucher sein. Ich kann das nicht.

3) Ich habe nicht das Gefuehl die WHO vermeidet peinlichst Hinweise auf verhungernde, kranke, etc. Menschen. Und dass sie in der Rauchdebatte involviert ist, ergibt sich aus ihrem Aufgabengebiet. Die WHO ist wahrscheinlich gross genug um beide Themen bearbeiten zu koennen.
siehe heute aktuelle WHO website: http://www.who.int/en/
Es gibt einen Eintrag vom 26. Nov. ueber eine Passivrauchen Studie. Der Rest der Site behandelt Themen wie Aids, Hunger... Im WHO News feed, der einen Monat zurueckreicht, finde ich keinen einzigen Rauch-relevanten Eintrag.

lg.

Christoph Baumgarten - 14. Dez, 14:27

Die WHO

hat ein Budget von mehreren Milliarden Dollar für den Kampf gegen das Rauchen ausgegeben und stellt seit Jahren nur mehr Nichtraucher an. Im Vergleich sind die anderen Aktivitäten geradezu beschämend bescheiden.
infopipe (Gast) - 14. Dez, 14:56

@Christoph Baumgarten

OK, ich sehe du bist im Stress, deshalb die stark verkuerzte Antwort.

Leider hast du keine Daten zu deinen Behauptungen gebracht. Ich habe versucht die entsprechenden Daten zu finden.

FAQ zu Smoker Recuiting Policy: http://www.who.int/employment/FAQs_smoking_English.pdf
Hat mich im ersten Moment verwundert, dass diese Policy nicht gegen Diskriminierungsgesetze verstoesst. Ist aber wahrscheinlich aehnlich zu rechtfertigen, wie z.B. asiatische Restaurants, die sich Angestellte nach ethnischen Gesichtspunkten "aussuchen" duerfen. Also, ja, die WHO tut das.

Zu deiner Milliardenbehauptung habe ich leider keine Daten gefunden. Auf http://apps.who.int/gb/e/e_amtsp3.html wird das Budget fuer verschiedene Programme bis 2013 beschrieben, allerdings finde ich dort keine Rauch-relevanten Projekte. (Wohlgemerkt, ich habe die Dokumente nicht gelesen nur durchsucht.)
Wenn du eine Aufstellung des WHO Smoke-Budgets hast, am besten im Vergleich zum Gesamtbudget waere ich dir sehr dankbar fuer die Daten.

lg.

mattl (Gast) - 14. Dez, 15:43

selten so einen schwachsinn gelsen.

infopipe (Gast) - 14. Dez, 16:13

Schwachsinn

Wow, entweder du lebst ein grossartig geistvolles Leben oder du warst irgendwo eingesperrt. Du liest selten Schwachsinn? Wie machst du das?

Ich stimme mit den Thesen des Beitrags nicht ueberein, aber ihn deshalb als Schwachsinn abzutun? Noch dazu als selten-schlimmen Schwachsinn?
Es handelt sich um einen gut geschriebenen, durchaus durchdachten Kommentar (-> eine persoenliche Meinung).

Dein Beitrag hingegen waere wohl in deinem Kopf besser aufgehoben gewesen, als hier in den Kommentaren.
ub56 (Gast) - 14. Dez, 17:50

gut dargestellt

gut geschrieben und vor allem richtig. Nichtraucherschutz, gibts auch schon Nichtautofahrerschutz (?), was für Wortschöpfungen. Das Wort ist falsch aber von vehementer Bedeutung für die weltweite Anstrengung sämtliche Raucher aus dem öffentlichen Leben zu drängen. Wenns den wenigsten um irgendeinen Schutz gegangen wäre. Die Mär vom tödlichen Passivrauch und der Nichtraucherschutz, zwei wunderbar harmonisierende und durchsetzbare Konstrukte. Nur aufgrund dieser beiden Wortkreationen war es überhaupt möglich gegen Raucher vorzugehen.
Wegen Geruchsbelästigung und tränender Augen, die man sich auch anderswo einfangen kann, wärs nichts geworden mit dem "Nichtraucherschutz".
Ich habe durchaus Verständnis dafür, daß Nichtraucher gegen Rauch allergisch sind oder an ihre Klamotten, Haare und sonstige Körperteile denken. Ein Nichtraucherschutz jedoch so ausarten zu lassen, daß Raucher komplett aus dem gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen werden sollen, von den immer weiter gehenden Forderungen nach Rauchverboten, selbst im Freien ganz abgesehen, ist durch nichts mehr erklärbar außer das man ihnen den Garaus machen möchte. Die Mittel, die verwendet werden, würde ich als religiösen Fanatismus bezeichnen.
Ich gönne jedem Nichtraucher sein rauchfreies Ambiente. Raucher und Nichtraucher Gastronomie, einfacher gehts nicht, klar gekennzeichnet.

F (Gast) - 14. Dez, 19:20

Das Geruchsargument denke, ich ist, ironisch gemeint.

steppenhund - 14. Dez, 19:54

Zustimmung

Ich finde den Artikel sehr gut, selbst wenn er einen kleinen Hauch von Polemik beinhaltet. Selbst wenn ich von der Gefährdung der Nichtraucher ausgehe, gibt es andere Gefährdungen, gegen die fast nichts getan wird. Warum werden denn bei Autounfällen auch ganz unschuldige Personen ums Leben gebracht, wenn sie zufällig an Ort und Stelle sind?
Die Kommentardiskussionen arten vielmehr in Polemik aus. Es bedarf keiner Gegenrechnungen, um zu sehen, dass bestimmte Probleme politisch viel ausführlicher behandelt werden als andere, die schon lange drängen.
Ich habe die Nichtraucherverbannung schon 2001 in den USA erlebt. Da ich selber nur selten rauche, konnte ich darüber schmunzeln. Die gleichen USA haben aber jetzt das Verbot des Off-Shore-drillings zurückgenommen. Das bringt ja niemanden um. Höchstens ein paar kleine Viecher.
In Österreich rettet man Banken mit Milliarden-Garantien, für 300 Millionen für Hochschulen gibt es weder direkt-Geld noch Garantien. Man könnte ja eine Akademiker-Anleihe ausgeben. Theoretisch (und in anderen Ländern auch praktisch) rechnet sich jeder investierte Euro in Bildung mit einem 100% ROI innerhalb von 10 Jahren. Kriegsanleihen werden da viel leichter gezeichnet.
Die Gegenrechnung mit der möglichen Lösung des Hungerproblems ist ja nicht einmal so sehr auf die Raucher an sich gerichtet, sondern auf die Verarschung, mit der sich die Politik mit großer Vehemenz der "beherrschbaren" Themen annimmt, um von den möglicherweise wichtigeren Themen abzulenken.
Wenn ich aber wirklich polemisch werden soll, dann argumentiere ich folgendermaßen:
Wenn die Raucher früher sterben, ist das ja eigentlich gut: das entlastet das Pensionssystem. Freie Zigaretten für jeden Pensionisten. Aber das geht zu langsam. Da schickt man die Raucher lieber in die Kälte hinaus. Wenn wir Glück haben, dann holen sie sich rasch eine Lungenentzündung. Im Alter sind sie dann früher hin, als wenn ich auf den Lungenkrebs warten muss.
-
Insoferne freue ich mich über jeden Nichtraucher, der ab jetzt noch einen Lungenkrebs bekommt. (Es gibt nämlich auch noch andere Verursacher.)
-
P.S. Ich bin praktisch Nichtraucher bis auf 2-3 Zigarren im Jahr, die in Plätzen konsumiert, wo jeder raucht:)

infopipe (Gast) - 15. Dez, 07:59

@steppenhund

Nun ja, kein Vergleich der nicht hinkt, nicht wahr. Bei einem Autounfall kommt jemand durch einen ungluecklichen Zufall zum Handkuss. Nichtraucher hatten bis vor ein paar Jahren in keinem Restaurant, keinem Pub, keiner Bar die Chance Rauch auszuweichen.

Ich hoffe du beziehst dich mit der Anschuldigung von Polemik nicht auf meine Kommentare. Ich habe mich sehr bemueht ruhig und sachlich zu bleiben.

Und ja ich stimme dir zu, dass Off-Shore-Drilling eingestellt werden sollte, dass die Bankenrettung eine Verarschung war die uns noch ein einige Jahre verfolgen wird usw. Aber ich finde es noch immer falsch zu sagen: Kuemmern wir uns lieber um diese Probleme und um die anderen erst spaeter.
Etwas ueberzeichnet waere dann der Schluss: Die naechsten 40 Jahre beschaeftigen wir uns nur um die Begrenzung des Klimawandels, dann erst wieder um die anderen Probleme.
(Das Traurige an dem Satz ist, dass es derzeit eher umgekehrt gehandhabt wird.)

lg.
Simon Wittmann (Gast) - 15. Dez, 07:58

Man sucht immer den Splitter im Auge des Anderen, den Balken im eignen Auge jedoch sieht man nicht!

Allerfeinste Widersprüche des Begriffes Rauch!!

Im Kampf gegen Feinstaub herrscht das Chaos. Städte rebellieren gegen strenge Regeln, auch die EU will sie lockern. Dagegen protestieren Umweltmediziner. Und der Staat fördert das staubreiche Heizen mit Holz.

An Weihnachten wird es gemütlich bei Familie Deutschmann: Im Kaminofen prasseln Holzscheite, am Weihnachtsbaum brennen Kerzen. Im Backofen schmurgelt die Gans, in der Fritteuse brutzeln Kroketten. Ein handgeschnitztes Räuchermännchen aus dem Erzgebirge verbreitet Tannenduft, die Kinder spielen mit Funken sprühenden Wunderkerzen, die sie unter Opas Aufsicht anzünden. Der freut sich bereits auf sein traditionelles Präsent, ein Kistchen Zigarren. Deren Edelduft wird er in
blauen Ringen genüsslich zur Decke blasen.
Wären Umweltmediziner bei Deutschmanns zu Gast, sie müssten die Gemütlichkeit gründlich stören. Den qualmenden Opa in ein belüftetes Einzelzimmer schicken oder zumindest in die Nähe einer kräftigen Abzugshaube, die den Feinstaub nicht nur von Backofen und Fritteuse, sondern auch von all den Wunder-, Räucher- und sonstigen Kerzen entsorgt. Die brennenden Holzscheite im Kamin gehören ebenso zu den notorisch stinkenden Staubquellen.
Die Deutschmanns müssen noch viel lernen. Beispielsweise dass Feinstaubbelastungen in Innenräumen oft jene auf viel befahrenen Straßen übersteigen. Wo Raucher paffen und es in Kaminen knistert, herrscht zwar meist gute Stimmung. Aber in solch dicker Luft betragen die Feinstaubwerte locker das Achtfache des EU-Grenzwerts (von 50 Mikrogramm pro Kubikmeter), der seit Januar 2005 draußen gilt.
In mehreren Dutzend deutschen Städten wird dieser EU-Grenzwert an über 35 Tagen pro Jahr überschritten. Deshalb müssen die Kommunen handeln. Das Gesetz zwingt sie, Aktionspläne zu entwickeln, um künftig die Stadtluft zu säubern. Die Preisfrage lautet nur: Wie? Alle möchten
unbehelligt weiter grillen, rauchen, Auto fahren und Neujahr mit Böllern feiern. Derweil steigt die Feinstaubbelastung, weil eine rasch wachsende Zahl kühl rechnender Heizer die hohen Öl- und Gaspreise unterläuft – durch Befeuern alter und neuer Holzöfen. Wer sich eine moderne Heizung einbaut und darin Holzhackschnitzel oder -pellets verfeuert, bekommt sogar Subventionen vom
Staat. Holz gilt als klimaschonend, weil CO2-neutral. Genügen da die geplanten Zwangsmassnahmen wie verschärfte Tempolimits oder Fahrverbote für ältere Dieselautos in belasteten Stadtteilen überhaupt noch?
»Wir tun unser Bestes. Aber es wird nicht ausreichen, um die vorgeschriebenen Grenzwerte einzuhalten«, warnte Axel Welge, Umweltbeauftragter des Deutschen Städtetags, auf der 1. Deutschen Feinstaubkonferenz Anfang Dezember in Berlin. »Der Schwarze Peter liegt in Brüssel. Wir messen die falschen Staubwerte. Und es fehlen die technischen Normen, um die geforderte Reinhaltung der Luft zu ermöglichen«, klagte er. »Wir werden gegenüber dem Bürger
unglaubwürdig.« Welge stieß mit seiner Kritik auf Zustimmung. Die Berliner Charité und das
Bundesumweltministerium (BMU) hatten zu der Konferenz geladen. Erstmals trafen Feinstaubexperten aus allen betroffenen Bereichen zusammen, aus Medizin, Wissenschaft, Industrie und Politik, um sich über die verworrene Lage an der Feinstaubfront auszutauschen.
So erklärte die neue Parlamentarische Staatssekretärin im BMU, Astrid Klug, Feinstaub zum »wichtigsten Luftreinhalteproblem«. Sie bestätigte, dass »die Maßnahmen der Städte das Problem
nicht an der Wurzel packen«. Nicht nur die Messvorschriften für Feinstäube seien fragwürdig.
Auch bei »Holz und festen Brennstoffen gibt es Handlungsbedarf«. Die neue Bundesregierung
werde »die Nachrüstung von Kraftfahrzeugen mit Partikelfiltern aufkommensneutral steuerlich
fördern und Autos ohne Filter ab 2008 mit einem steuerlichen Malus belegen«.
»Falsch«, tönte es von den Zuhörerrängen. Eine Vertreterin des Verkehrsministeriums betonte, es werde keine Technik vorgeschrieben, sondern die Einhaltung von Grenzwerten. »Wer dies ohne Filter schafft, bezahlt auch keinen Malus.« Die Staatssekretärin des BMU ruderte zurück.
Den Grundsatzstreit zwischen Umwelt- und Verkehrsministerium darüber, ob Partikelfilter zwingend notwendig seien, fechten Umwelt- und Gesundheitsschützer schon lange mit der deutschen Automobilindustrie aus: Letztere möchte die Grenzwerte ohne teure Filter erfüllen,
etwa durch bessere Verbrennung im Motor. Umweltmediziner hingegen halten Partikelfilter für die
einzige Lösung, weil diese sämtliche Staubteilchen wirksam vernichten, und zwar in allen Gewichts- und Größenklassen. Dies ist wichtig, weil bei den Partikeln die Faustregel gilt: »Die Feinsten sind die Gemeinsten.« Das allerdings stellt die bisherigen Grenzwerte, Messmethoden und
Bekämpfungsmaßnahmen in Frage, weil die sich lediglich an der Masse des Feinstaubs orientieren.
Für dessen gesundheitliche Wirkung sind jedoch andere Faktoren wichtiger: etwa die chemische Zusammensetzung der Partikel, wie der Darmstädter Umweltmineraloge Stephan Weinbruch eindrücklich zeigte.
Aus seinem Institut stammen die elektronenmikroskopischen Aufnahmen auf dieser Seite. Sie
zeigen nur millionstel Meter (Mikrometer) große Teilchen, wie sie milliardenfach durch unsere Atemluft schweben. Mal handelt es sich um harmloses Meersalz oder zerklüfteten Sandstaub (Silikate), mal sind es Pollen oder Sporen, Ammoniumsalze aus der Landwirtschaft, Rußpartikel in
verschiedensten Formen, Metallstäube und komplexer Mischmasch aus Industrie, Verkehr, Kultur und Natur. Weinbruch macht ein Staubuniversum sichtbar und kann zeigen, dass es je nach Stadt und Windrichtung oft völlig anders aussieht. Nur Spaßvögel kämen nach seinem Vortrag auf die Idee, diese riesige Vielfalt einzig nach Gewicht zu messen, wie es die EU vorschreibt.
Damit nicht genug. Neben der Chemie prägen auch die Oberflächen der Partikel deren biologische Wirksamkeit. Und besonders wichtig ist ihre Größe. Denn die entscheidet, wie tief eingeatmete Teilchen in die Lunge und von dort ins Blut oder sogar in die Organe gelangen. Schnelle Passagen
in Herz und Hirn schaffen nur winzige Wichte, die kleiner sind als 0,1 Mikrometer. Sie stammen oft aus Verbrennungsprozessen und stellen bei den drei Größenklassen für Feinstaub die »ultrafeine« Fraktion, die Allerfeinsten. Deutlich dicker sind die Mitglieder der »feinen« Fraktion, sie sind bis zu 25-mal größer (maximal 2,5 Mikrometer). Beim Messen nach EU-Vorschrift wuchtet allerdings die »grobe« Fraktion (2,5 bis 10 Mikrometer) mit Abstand das meiste Gewicht auf die Feinwaage. Da dicke Brummis oft schon im Atemtrakt kleben bleiben und abgehustet
werden, ist ihre gesundheitliche Brisanz allerdings deutlich geringer als jene der Allerfeinsten.
Wie grobschlächtig die auch hier übliche EU-Gewichtsmessung ist, weil sie Groß und Klein in einem Aufwasch erfasst, zeigt folgender Vergleich: Ein eher harmloser Brummer (10 Mikrometer dick) wiegt genauso viel wie eine Million ultrafeiner Teilchen (0,1 Mikrometer) mit brisanter Tiefenwirkung! Solche Erkenntnisse, die Klagen der Städte, sie müssten unsinnige Grenzwerte
erfüllen, sowie allerlei Märchen vom Allerfeinsten (die Feinstaubdebatte sei von den Linken, Grünen und Medien inszenierter Unsinn) sind auch bis zur EU nach Brüssel vorgedrungen und sorgen dort für Zoff und Verwirrung. Eine neue Direktive für die Luftreinhaltung ist geplant. Die
einen wollen den Feinstaub härter bekämpfen, die anderen die Grenzwerte lockern. Letztere haben im Moment die Nase vorn und planen unverbindliche Werte, an denen auch mal geschraubt werden darf. So sollen künftig harmlose Frachten von Meersalz oder Sahara-Staub abzugsfähig sein von den Messwerten.
Genau das wiederum bringt Umweltmediziner aus ganz Europa auf die Zinnen. In einem Protestbrief an das zuständige EU-Komitee für Luftreinhaltung verwahren sich drei Dutzend führende Wissenschaftler gegen solch oberflächliche Logik. Aus historischen und messtechnischen
Gründen beruhen die Grenzwerte auf einem Mischmasch an Stäuben, von denen etliche vermutlich harmlos sind. Diese aber nach Gutdünken einfach herauszupicken, das eröffnet ein fast beliebiges Herunterrechnen der Grenzwerte. Als Feinstaub wirkt Eichen- oder Buchenholz krebserregend,
Mehl wird plötzlich allergieauslösend und explosionsfähig, Harmloses wird brisant. Die Feinstaubforschung erinnert bisweilen an Terroristenfahndung. Sie muss große Mengen im Auge behalten, und die Attentäter mit Sprengstoff im Rucksack sind fast nicht von der friedlichen Masse zu unterscheiden.
Beispiel Dieselruß. Wo grobe Messungen über millionenschwere Investitionen entscheiden, ist Streit programmiert. Ein Vorwurf an die Industrie lautet, abgasoptimierte Motoren könnten den Anteil gröberer Rußteilchen senken, während jener der feinen und ultrafeinen Teilchen steige: EU-Norm erfüllt, Gesundheitsgefahr verschärft. Deshalb drängen Umweltmediziner darauf, dass neue Dieselfahrzeuge künftig mit Filtern ausgerüstet werden, die Partikel aller Größenklassen vernichten.
Die Automobilindustrie hat, wenn auch spät, verstanden: Bis 2008, so versprach ein Vertreter in Berlin, gebe es für alle neuen deutschen Dieselautos Partikelfilter. Fragt sich nur, warum bei so viel Einsicht das Verkehrsministerium darauf beharrt, die Filtertechnik nicht vorzuschreiben.
Kritik an der Politik übte Rainer Werthmann von der Firma TwinTec, die Partikelfilter zum Nachrüsten anbietet. Jährlich könne seine Branche den Rußausstoß von etwa einer Million alter Dieselfahrzeuge wesentlich reduzieren, doch nichts geschehe. »Seit zweieinhalb Jahren wartet die
Industrie auf die technischen Vorgaben«, klagt er, nach langer Kurzarbeit drohe bald Insolvenz.
Doch Bundesregierung und Bundesrat streiten, wer die 250 Euro Steuererleichterung bezahlen soll.
Werthmann präsentierte eine Studie, wonach der Staat durch Mehrwertsteuer und neue Arbeitsplätze am Ende mehr verdiene, als die Steueranreize kosten. Im Bundesrat stimmt der Verkehrsausschuss einer längst fertigen Verordnung zu, während Finanz- und Umweltausschuss für »Vertagen« plädieren.
Die Bundesregierung hingegen bezeichnet die Vorlage als »eilbedürftig«. Am 21. Dezember soll nun abgestimmt werden.
Das jahrelange Gefeilsche um die Filtereinführung und -nachrüstung (Peugeot begann damit im Jahr 2000) wirkt makaber, wenn man sich die Schätzungen führender Epidemiologen vergegenwärtigt: Michal Krzyzanowski von der Weltgesundheitsorganisation WHO und Heinz- Erich Wichmann vom GSF Forschungszentrum für Umwelt und Gesundheit bezifferten in Berlin die feinstaubbedingten vorzeitigen Todesfälle in Deutschland auf etwa 75000, der durchschnittliche Verlust an Lebenserwartung für jeden Deutschen betrage etwa 10 Monate. Auch sie zitieren Studien, wonach sich das Filtern am Ende volkswirtschaftlich rechnet, wenn man geringere Krankheitskosten oder Ausfälle bei der Arbeit berücksichtige. Etwa 12000 bis 14000 Todesfälle durch Dieselruß ließen sich pro Jahr vermeiden. Zweifel an den hohen Schadensprognosen lassen die Epidemiologen nicht mehr gelten. Hunderte unabhängiger Studien sind weltweit zu ähnlichen Ergebnissen gekommen. Krzyzanowski und
Wichmann legen sogar noch nach: Jüngste Studien zeigten, dass die Schätzungen eher zu niedrig seien. Einen sehr direkten Nachweis für Feinstaubschäden ergab ein Experiment in Dublin: Wegen hoher Ölpreise hatten die Iren emsig mit Kohle geheizt, bis 1993 ein Clean Air Act schlagartig die Kohleöfen stilllegte. Die Sterblichkeit sank um acht Prozent.
Solche Erfahrungen sollten hellhörig machen. Doch die Tageszeitung blies am 7. Dezember zur »Ofensive« gegen gestiegene Ölpreise, pries den Kamin- und Kachelofen »als Statussymbol des pfiffigen Globalisierungssurfers: mit Holz aus den heimischen Forsten gegen Klimaerwärmung und
Krieg im Irak«. Die Eloge auf naturbelassenes Holz samt Tipps zum Abstauben staatlicher Subventionen verhieß: »Die Ökobilanz ist ordentlich.«
Ein fataler Irrtum. Holzheizungen belasten die Luft in ähnlicher Größenordnung wie alle Dieselfahrzeuge. Uwe Lahl, Ministerialdirektor im BMU bestätigt: »Die jährlichen
Feinstaubemissionen aus der Verbrennung von Festbrennstoffen in Kleinfeuerungsanlagen von Haushalten und sonstigen Kleinverbrauchern erreichen die gleiche Größenordnung wie die Feinstaubemissionen aus dem Straßenverkehr. Daran haben Holzbrennstoffe, insbesondere
Hakschnitzelholz, Pellets- und aber auch Scheitholz, mit schätzungsweise 80 Prozent den größten Emissionsanteil.«
Alternatives Heizen für Frieden und prima Klima hat also massive Nebenwirkungen.
Höchste Zeit, „dass die Politiker hinter dem Ofen hervorkommen!

ub56 (Gast) - 15. Dez, 08:58

Feinstaub mal allgemein

sehr interessant zu lesen und vielen Dank für die Ausführungen und vor allem für die Mühe, die Du Dir gemacht hast. Ich sehe das Feinstaubproblem etwas pragmatischer. Angeblich gibt es in Deutschland ganz genau errechnet 3301 Passivrauchtote (obwohl es noch nie einen gegeben hat) und ca. 75000 Feinstaubtote. Ein Bekannter hat mir mal eine Auflistung gemacht, leider hab ich sie nicht gespeichert, und festgestellt, daß aufgrund dieser "Hochrechnungen" von angeblichen Toten, mehr Tote jährlich zusammen kommen als es tatsächlich Verstorbene gibt. Diese Hochrechnungen sind für die Wissenschaft und für die entsprechenden Begleitinstitute das nonplusultra und die immer sprudelnde Einnahmequelle. Selbst bei objektiver Betrachtung aller Probleme wird es keinen vernünftigen Konsens geben, weil sich Heerscharen von Umweltgruppen, Umweltexperten und Umweltministern nicht von den Fleischtöpfen verdrängen lassen werden, ganz im Gegenteil, durch weitere Panikmache (es ist menschengemacht) werden noch weitere Einnahmequellen erschlossen, denn wer als "Normalbürger" will sich schon als Umweltsau beschimpfen lassen. Da ist es einfacher sich auf die Gruppe der Raucher zu stürzen und sie als Mörder zu bezeichnen. Wobei sich mir bei diesen überborderdenden Rauchverboten die grundsätzlich Frage stellt, was soll das alles bezwecken. Die Tabaksteuereinnahmen werden dringensd benötigt, ebenso ist klar, daß Raucher wohl etwas weniger alt werden und somit sämtliche Systeme ordentlich entlasten (sozialverträgliches Ableben) und trotzdem werden wir bekämpft als hätten wir die Pest. Vielleicht will man aus Gerechtigskeitsüberlegungen dafür sorgen, daß auch die Raucher im Alter Demenz werden und nicht nur ihre nichtrauchenden Mitbürger. (Ironie sei mir gestattet)

Dabei ist gänzlich zu unterscheiden ob es um Umweltschutz oder Klimaschutz geht. Umweltschutz muß sein und ist unausweichlich, aber nicht mit den Mitteln, die hier vorgeschlagen werden. Will man den Feinstaub aus den Städten haben, muß der Autoverkehr eingestellt und nach Möglichkeit der Saharasandfeinstaub mit allen erdenklichen Mittel gebunden werden. Da der irrige Glaube existiert, daß man Umweltsünden nur mit Geld wieder gutmachen kann, werden die Autofahrer immer weiter geschröpft und gleichzeitig noch ein Millionenprogramm für Hersteller von Kat oder Rußpartikelfilter aufgelegt. Ich bin kein Techniker, aber eben solche haben mir erklärt, daß z.B. der Kat einen Wirkungsgrad von 100% hat wenn er frisch eingebaut wurde. Ist er erstmal warm gefahren fällt dieser Wirkungsgrad jeden Kilometer mehr und mehr. Sollte das bei einem Rußpartikelfilter anders sein? Ist eigentlich schon jemanden aufgefallen, daß wir in Sachen Feinstaub fast ausschließlich über Autos informiert werden und nicht über wesentlich schlimmerere Feinstaubproduzenten wie z.B. der weltweiten Schiffahrt? Setzt man seinen logischen Menschenverstand ein und hinterfragt sich selbst, kann man vorsichtig gesagt, nur auf eine Antwort kommen. Hängt die Kleinen und laßt die Großen laufen.

Ich biete noch eine Wette an. Die EU wird eine Klimaabgabe oder Umweltabgabe einführen. Nicht ausschließlich um das Klima zu retten sondern hauptsächlich um weitere Milliardenbeträge zu erhaschen, die dann dafür eingesetzt werden, um den EU-Bürgern weitere Auflagen zu machen. Wir werden nach und nach unserer Freiheit beraubt, indem es immer weitere Einschränkungen geben wird und wir unterstützen das auch noch finanziell. Eingeführt von Menschen, die wir nicht mal gewählt haben.
Zu Gast (Gast) - 15. Dez, 08:19

Danke

für diesen gelungenen Artikel!
Es wird immer notwendiger, diese neue Form der Enteignung, Bevormundung und Ausgrenzung aufzuzeigen.
Und das alles nur, um Aktivität, Engagement und Verantwortungsbewusstsein vorzutäuschen in Zeiten, in denen völlig hemmungslos gelogen, betrogen und ausgebeutet wird.

Roodee (Gast) - 15. Dez, 12:51

Danke und Betrachtungen zur Gesundheit

@ Christoph Baumgarten:
vielen Dank für Ihren Artikel.
Letztens war ich in einer Schnitzelbar. Was soll ich sagen, bereits beim Betreten des Etablissements hat es mir den Atem verschlagen. Nein geraucht wurde dort nicht. Aber den Dunst von frittierten Schnitzeln hatte ich auch noch nach 2 Tagen in meiner Jacke. Nicht, dass ich kalten Rauch als besonders angenehm empfinde, aber kaltes Schnitzelöl zieht einem die Schuhe aus. Ich werde es so machen, wie ich es von einem Nichtraucher erwarte, der sich über Raucherkneipen beschwert - ich geh nicht mehr hin.


@ Simon Wittmann,
eine sehr umfangreiche Ausarbeitung, die eindrucksvoll erläutert, was denn der Feinstaub so anrichten kann.

Was ich mich beim Lesen Ihres Artikels jedoch gefragt habe ist, welche Konsequenzen ergeben sich aus dem Wissen um die Gefährlichkeit des Feinstaubs? Konsequenterweise müßte man ja sämtliche Verbrennungsvorgänge weltweit stoppen. Folglich müßten wir den ganzen Winter lang durch frieren, hätten keinen Strom und wären per Auto nicht mehr beweglich. Selbst die Produktionen der allermeisten Güter müßten, nicht zuletzt auch aus Strommangel heraus, eingestellt werden. Weltweite Stagnation und der Fall der Menschheit in graue Vorzeiten wäre die Konsequenz. Obwohl auch damals zumindest ein Lagerfeuer usus war. Da frage ich mich, was ist schlimmer? Der vorzeitige Tod durch Feinstaub oder der sofortige Tod durch erfrieren.

Ich frage mich auch, ob eine Gefahr dadurch größer wird, dass man sie kennt? Ich denke aber eher nicht. Heutzutage werden in aller Regel Gefahren verkauft.
Auch von einem Küchenmesser geht eine latente Gefahr aus. Verbieten? Nein - erst, wenn ein Schutzmechanismus erfunden wurde, der die von einem Küchenmesser ausgehende Verletzungsgefahr verhindert, wird auf die Gefährlichkeit eines herkömmlichen Küchenmessers aufmerksam gemacht und die drohende Gefahr herauf beschworen. Ich führe auch mal ein Putzmittel an, welches 99% aller Bakterien beseitigen soll. "Feine Sache", denkt sich die Hausfrau, da sie ja weiß, dass Bakterien Krankheiterreger sind. Also kauft sie sich das Putzmittel und reinigt die ganze Wohnung damit, und schon hat sie die Krankheitsgefahr zumindest in den eigenen vier Wänden gebannt. Mal davon abgesehen, dass dies völliger Quatsch ist, da Bakterien zu unserem Leben gehören, geht die Denke ja weiter. Wenn man sich dann nämlich zu Hause in Sicherheit vor den unsichtbaren Gefahren wiegt, erweitert man dieses Sicherheitsgefühl nach draussen oder zunächst mal in die Kneipe nebenan, wo immer geraucht wird. Dort ist ja gesundheitssicherungstechnisch betrachtet die Hölle los. Da muß man eingreifen und die Unwissenden aufklären, überzeugen oder notfalls zwingen, ebenso gesundheitsbewusst zu denken und zu handeln.

Dass ein Mediziner in aller Regel gesundheitsbewußt denkt, ist logisch. Er hat ja nicht zuletzt diesen Beruf für sich gewählt, um sein Leben und Wirken in den Dienst der Gesundheit zu stellen. Er hat es sich zur Aufgabe gemacht, Kranken Menschen zu helfen. Es ist auch gut und richtig, dass es das Gesundheitssystem mit seinen vielen Krankenhäusern, Ärzten, Apothekern und Helfern gibt. Das wird sicherlich von keinem ernstlich angezweifelt. Hier geht es aber um den Präventionsgedanken. Darum, dass Krankheiten vermeidbar und der Tod verschiebbar ist. Hierfür wird auch gerne mal von "vorzeitigen Todesfällen" im Zusammenhang mit Rauchen und neuerdings auch mit Passivrauchen gesprochen. Dass auch die Prävention sicher ihre Berechtigung hat, steht außer Zweifel. Schließlich gehen ja die meißten Leute auch mit dem Küchenmesser sorgsam um, um eben nicht den Arzt nach Zubereitung ihrer Speisen in Anspruch nehmen zu müssen. Wenn aber der Präventionsgedanke solche Purzelbäume schlägt, dass man dem anderen vorschreibt wie er zu leben hat, ist für die Allermeißten dann Schluß mit lustig. Wenn dieser Präventionsgedanke auf einen solchen Sockel gestellt wird, dass er über allem und jedem steht, wenn er dazu benutzt wird Vorschriften zu erlassen und über das Leben des anderen zu bestimmen, wenn die Impfung, das Pillenschlucken und Einsalben zur gesetzlichen Vorschrift wird, kann man von einem freiheitlichen System so nicht mehr reden. Dann sind wir in einer Diktatur, nämlich in der parareligiösen Diktatur des Gesundheitswesens angekommen, in welchem die Krankenschwester zur Missionarin, der Arzt zum Prediger und die WHO zum Papst mutiert, wo die Gesundheit zur Religion, der Krankenkassenbeitrag zur Kirchensteuer und der Mensch zum selbstbewegten Mechanismus wird. Nicht der kranke Mensch steht dann mehr im Fokus des Gesundheitswesens, sondern die eigene Göttlichkeit.

Ich denke, dass die Bodenständigkeit gerade nicht so sehr im Trend liegt, sondern eher die Aufgeblasenheit und das Herumschwurbeln mit möglichst vielen Fachbegriffen. Letzteres als Beweis dienlich für Bildung die denjenigen, welcher die Worte nicht versteht, kleiner machen und aufblicken lassen und demjenigen welcher sie versteht ein Gefühl der Zusammengehörigkeit vermitteln soll. Letztlich ist es aber immer der klare Gedanke, der notwendig ist, um eine lebenswerte Gesellschaft aufzubauen und zu erhalten. Kleinlichkeit und Nannyismus sind da eher fehl am Platz.

ub56 (Gast) - 15. Dez, 17:49

Betrachtungen zur Gesundheit

@Roodee, schön Dich hier zu treffen. Ich hätte zu Deinen Ausführungen zwei Punkte, die ich zumindest zum Nachdenken anregen möchte.

1. Prävention
Ich bin ein Gegner der Präventionmaßnahmen, d.h. nicht der Prävention als solcher. Wer meint eine Präventivmaßnahme als Patient durchführen zu müssen soll sie machen aber selbst bezahlen. Mit Präventionsmaßnahmen wird eine Menge Geld zum Fenster rausgeworfen, der Erfolg ist relativ gering. Vergleichszahlen müßte ich jetzt raussuchen, ich erfinde das aber nicht.

2. Ärzte haben die Gesundheit der Patienten im Sinn, sinngemäß aus Deinen Ausführungen. Ja sicher war das mal so und ist in Teilen sicher auch noch, und dennoch hat sich einiges verschoben. Wir sind inzwischen Kunden beim Arzt, selten noch Patient. Die Untersuchungen heute sind als Kassenpatient ein Witz. Das Gefühl, daß hier die Ärzte gesund machen wollen scheitert allein schon daran, daß sie sich aus Kostengründen gar keine Zeit mehr nehmen können oder wollen. Ich erlebe das gerade sehr bewußt, weil ich jahrelang nicht in ärztlicher Behandlung war. Ich nehme gerade an einem Ausschlussverfahren teil. Ich nenn das so, weil genau das seit Wochen geschieht. Ich renne von Arzt zu Arzt bzw. Spezialist und erfahre bis jetzt nur was ich nicht habe. Eine Diagnose steht zwar sehr wackelig, aber der Ursprung ist bis jetzt nicht wirklich entdeckt. Meine Krankheit ist nichts großes, behindert mich aber doch stark. Immerhin nehme ich Tabletten, so hat auf jeden Fall die Pharmaindustrie noch etwas davon.

Diese System stimmt einfach nicht mehr. Da trifft es sich gut, Gruppen für ihre Lebensweise und den angeblich daraus folgenden Erkrankungen verantwortlich zu machen.
Dem gilt es Einhalt zu gebieten, denn im Moment steht der Fuß noch in der Tür, bald gehts jedem an den Kragen der sich nicht dem Gesundheitswahn anschließt. Eins hat sich in Deutschland schon geändert. Gesundheit, die man nur bedingt selbst beeinflussen kann, hat der Freiheit schon den Rang abgelaufen und das müsste jeden Demokraten sehr nachdenklich machen.
unparteiisch (Gast) - 15. Dez, 22:21

denkt mal darüber nach

Auch wenn ich nicht mit Fremdwörtern um mich schmeiße, solltet ihr doch mal darüber nachdenken!!!!
Klar das es Nichtrauer stört wenn er in Nebelschwaden sitz...kann ich verstehen
aber mich und viele andere stören betrunkene Menschen in Lokale....
und jetzt...verbieten wir jetzt Alkohol???
mich stört der Geruch von billigen Parfüm...was jetzt
verbieten wir das benützen von Parfüm???
Usw.
Ihr redet von Gesundheit...
klar kann Nikotin zum Tod führen...muss aber nicht!!!!!!!
Übergewicht kann auch zum Tod führen...und wenn ich lecker Kuchen sehe verführt es mich zum naschen.
Wenn ich unterwegs bin und Hunger bekomme, halte ich auch gerne mal an nen Burger laden...weil’s schnell geht
sollen wir jetzt Bäckereien verbieten Brote /Semmeln usw. aus Weißmehl zu backen
oder das sie Zucker benützen (für beides gibt es gesündere alternativen)
sollen wir Burgerketten verbieten...
ich mein schaut die Jugend an...sie werden immer fetter, und kosten ein Heidengeld wenn wir sie auf Abspeckkuren schicken...
ich habe nichts gegen Nichtraucher lokale....
aber es sollte jeden Wirt selber überlassen sein, sein lokal in nen Raucherschuppen oder Nichtraucherschuppen umzuwandeln...
so wie es jeden dann frei steht zu wählen in welches lokal er gehen will.
Das nennt man dann "freier Wille" und dafür haben unsere Vorväter jahrelang gekämpft.
jetzt habe ich nicht mehr die Wahl....
Ich werde gezwungen in ein Lokal zu gehen das nach allem möglichen stinkt...oder ich bleib Zuhause
O.k...ich spare mir Geld...aber der Wirtschaft fehlt es wieder
und dann kommt das große gejammere von noch mehr arbeitslosen, Verschuldungen und Steuererhöhungen
wie gesagt..."Freierwille"
niemand zwingt einen in ein raucherlokal zu gehen, es gibt genug Nichtraucher lokale...
also warum zwingt ihr mir ein Nichtraucher lokal auf, und schränkt damit meinen "freien willen" ein????
es fehlt nur noch ein 2er "ihr wisst schon"..dann werden wir alle wieder unserem "freien willens" beraubt!!!
und all die Menschen die für "gleiches recht für alle" gestorben sind, waren umsonst!!!!
ub56 (Gast) - 16. Dez, 10:07

Es geht nicht um Schutz

@unparteiisch

lies Dir doch mal die vorhergehenden Postings durch. Du erkennst immer die gleiche Aussage, ich will mich nicht zurauchen lassen, ich habe Angst um meine Gesundheit, es ist alles wiessenschaftlich bewiesen.

Dagegen kannst Du nicht argumentieren, denn sobald die Gefahr einer Erkrankung von Nichtrauchern in der Luft schwebt ist jede Argumentation zwecklos.
Das perfide daran ist, daß mehr als zwei Drittel des Gastronomie bereits rauchfrei ist, ebenso öffentliche Gebäude und trotzdem wird laufend weiter so argumentiert.

Das noch perfidere daran ist, daß Nichtraucher ansonsten sämtliche andere wabernden Gefahren völlig ausschließen obwohl sie permanent davon umgeben sind. Es gibt eine Langzeitstudie der Berufsgenossenschaft Nahrung und Gaststätten, Mannheim, die diese Passivrauchlügengeschichte, denn mehr ist sie nicht, aufs Korn nimmt. Krebserzeugende Stoffe gibt es überall, egal wohin man sich bewegt, manche riechen, manche bekommt man überhaupt nicht mit. Wenn das Wort Rauch von Zigaretten fällt erfolgt die Schreckstarre, selbst wenn man im Sommer direkt neben dem Gartengrill steht und dort Stoffe einatmet, die 1000 mal verheerender sind und selbstverständlich setzt man sich ins Auto und vergiftet seine nichtautofahrenden Mitmenschen.

Der Grund für die Ängste sind erstens die permanente 'G'ehirnwäsche und zweitens dient sie dem Zweck, die Raucher verschwinden zu lassen. Wenn als oberstes Ziel ein rauchfreies Europa ausgerufen wird hat das nichts mit Nichtraucherschutz zu tun (so leid mir das für einige hier postende Nichtraucher tut, aber um Euch ist es nie gegangen) sondern mit Prohibition.

Und an alle Nichtraucher. Wenn ihr glaubt, daß mit der Entsolidarisierung der 'Gesellschaft und der Sozialsysteme nur Raucher betroffen sind, indem sie evtl. Krankheiten selbst berappen müssen, dann seid ihr völlig auf dem Holzweg. Die meisten Kosten verursachen insgesamt die Nichtraucher und dann gehts Euch an den Kragen für Krankheiten oder Verletzungen, die ihr euch in der Freizeit zuzieht. Das zu erkennen ist scheinbar ein schwieriger Prozess.
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