Kampf gegen Rassismus? Mit uns nicht
Der FPÖ-Nationalratsabgeordnete Werner Herbert hat ein Problem mit Anti-Rassismuskursen bei der Polizei. Er will sie abschaffen.
Vorbeugungsarbeit gegen Rassismus ist für den FPÖ'ler Geldverschwendung. Vor allem, wenn sie bei der Polizei passiert: Während nämlich für dringende Sanierungen von Polizeidienststellen oder für fehlende dienstliche Ausrüstungsgegenstände kein Geld vorhanden sei, werde hier Steuergeld, welches eigentlich die Sicherheit der Bevölkerung erhöhen soll, völlig falsch eingesetzt, so Herbert weiter. Und: Eine nachträgliche Zwangsbeglückung für unsere Polizistinnen und Polizisten, die trotz der tristen Rahmenbedingungen wie akuter Personalmangel und hohe Überstundenbelastung hervorragende Arbeit leisten, ist daher jedenfalls entbehrlich Das schreibt Werner in einer Presseaussendung.
Typisch. Der "Schutz der Bevölkerung" verträgt sich in Werners Weltbild nicht mit Schutz vor Rassismus. Entweder oder. Beides geht nicht. Als ob Menschen mit Migrationshintergrund nicht Teil der Bevölkerung wären. Oder bestenfalls sind sie für den gestandenen Blauen offenbar ein Teil mit weniger Recht auf Schutz als Menschen ohne Migrationshintergrund. Ein blauer Offenbarungseid, könnte man als vernunftbegabter Mensch denken. Vermutlich wird es wieder willkürlich missverstanden, bewusst verzerrt und widersprüchlich formuliert gewesen sein. Man kennt das ja.
Niemand wird als Rassist geboren
Auch in den Details steckt einiges an, höflich formuliert, bedenklichen Gedankengeängen. Zitat: Normalerweise sollte man schon anhand des psychologischen Profils der Bewerber im Zuge der Aufnahmeprüfung zur Polizei erkennen, ob diese sich für den Beruf eignen oder wegen rassistischer Tendenzen ausscheiden.
Eine optimistische Sicht der Dinge, die zeigt, wie wenig Ahnung dieser "Volksvertreter" von psychologischen Tests hat. So gut, dass alle potentiellen Rassisten rausfallen, kann kein Test sein. Rassismus ist ein sehr komplexes Phänomen. Und: Niemand wird als Rassist geboren.
Man wird zum Rassisten gemacht. Vom Elternhaus, vom persönlichen Umfeld in späteren Lebensjahren, von Erfahrungen, die falsch interpretiert werden, von Rattenfängern. In einem politischen Klima, in dem Menschen nach ihrer Herkunft qualifiziert werden, geht das einfacher als in einem offenen Klima. Ersteres ist der Fall in Österreich. Nicht ausschließlich hier. Dafür ist der rassistische Diskurs omnipräsent. Was nicht allein in der Verantwortung der FPÖ liegt.
Versetzen wir uns in die Lage eines Polizisten, der in einem Problembezirk Wiens arbeitet. Der niedrige soziale Status der meisten Bewohner erhöht die Kriminalität. Migranten, die einen niedrigeren sozialen Status haben als die Durchschnittsbevölkerung, sind hier überrepräsentiert. Als Opfer wie als Verbrecher. Nimmt man Überstunden, schlechte Bezahlung und einiges andere dazu, hat dieser Mensch ein Frustgefühl. Kommt noch ein älterer Kollege mit rassistischen Überzeugungen dazu, kann der Betroffene unter gewissen Begleitumständen selbst rassistische Tendenzen entwickeln.
Solchen Dingen steuern die Rassismus-Seminare bei der Polizei entgegen. Und sie helfen Polizisten, gegen verhetzende und rassistische Aussagen vorzugehen. In den eigenen Reihen wie außerhalb. Für Menschen mit Migrationshintergrund ist das wichtig. Genauso für Menschen, die im Alltag gegen Rassismus kämpfen. So wissen sie, dass sie, wenn nötig, die Hilfe von Polizisten in Anspruch nehmen können, die wissen, wie man mit Rassismus umgeht. Das schafft Vertrauen. Und nur eine Polizei, der man vertraut, kann die Bevölkerung schützen. Egal, wo sie herkommt.
Vorbeugungsarbeit gegen Rassismus ist für den FPÖ'ler Geldverschwendung. Vor allem, wenn sie bei der Polizei passiert: Während nämlich für dringende Sanierungen von Polizeidienststellen oder für fehlende dienstliche Ausrüstungsgegenstände kein Geld vorhanden sei, werde hier Steuergeld, welches eigentlich die Sicherheit der Bevölkerung erhöhen soll, völlig falsch eingesetzt, so Herbert weiter. Und: Eine nachträgliche Zwangsbeglückung für unsere Polizistinnen und Polizisten, die trotz der tristen Rahmenbedingungen wie akuter Personalmangel und hohe Überstundenbelastung hervorragende Arbeit leisten, ist daher jedenfalls entbehrlich Das schreibt Werner in einer Presseaussendung.
Typisch. Der "Schutz der Bevölkerung" verträgt sich in Werners Weltbild nicht mit Schutz vor Rassismus. Entweder oder. Beides geht nicht. Als ob Menschen mit Migrationshintergrund nicht Teil der Bevölkerung wären. Oder bestenfalls sind sie für den gestandenen Blauen offenbar ein Teil mit weniger Recht auf Schutz als Menschen ohne Migrationshintergrund. Ein blauer Offenbarungseid, könnte man als vernunftbegabter Mensch denken. Vermutlich wird es wieder willkürlich missverstanden, bewusst verzerrt und widersprüchlich formuliert gewesen sein. Man kennt das ja.
Niemand wird als Rassist geboren
Auch in den Details steckt einiges an, höflich formuliert, bedenklichen Gedankengeängen. Zitat: Normalerweise sollte man schon anhand des psychologischen Profils der Bewerber im Zuge der Aufnahmeprüfung zur Polizei erkennen, ob diese sich für den Beruf eignen oder wegen rassistischer Tendenzen ausscheiden.
Eine optimistische Sicht der Dinge, die zeigt, wie wenig Ahnung dieser "Volksvertreter" von psychologischen Tests hat. So gut, dass alle potentiellen Rassisten rausfallen, kann kein Test sein. Rassismus ist ein sehr komplexes Phänomen. Und: Niemand wird als Rassist geboren.
Man wird zum Rassisten gemacht. Vom Elternhaus, vom persönlichen Umfeld in späteren Lebensjahren, von Erfahrungen, die falsch interpretiert werden, von Rattenfängern. In einem politischen Klima, in dem Menschen nach ihrer Herkunft qualifiziert werden, geht das einfacher als in einem offenen Klima. Ersteres ist der Fall in Österreich. Nicht ausschließlich hier. Dafür ist der rassistische Diskurs omnipräsent. Was nicht allein in der Verantwortung der FPÖ liegt.
Versetzen wir uns in die Lage eines Polizisten, der in einem Problembezirk Wiens arbeitet. Der niedrige soziale Status der meisten Bewohner erhöht die Kriminalität. Migranten, die einen niedrigeren sozialen Status haben als die Durchschnittsbevölkerung, sind hier überrepräsentiert. Als Opfer wie als Verbrecher. Nimmt man Überstunden, schlechte Bezahlung und einiges andere dazu, hat dieser Mensch ein Frustgefühl. Kommt noch ein älterer Kollege mit rassistischen Überzeugungen dazu, kann der Betroffene unter gewissen Begleitumständen selbst rassistische Tendenzen entwickeln.
Solchen Dingen steuern die Rassismus-Seminare bei der Polizei entgegen. Und sie helfen Polizisten, gegen verhetzende und rassistische Aussagen vorzugehen. In den eigenen Reihen wie außerhalb. Für Menschen mit Migrationshintergrund ist das wichtig. Genauso für Menschen, die im Alltag gegen Rassismus kämpfen. So wissen sie, dass sie, wenn nötig, die Hilfe von Polizisten in Anspruch nehmen können, die wissen, wie man mit Rassismus umgeht. Das schafft Vertrauen. Und nur eine Polizei, der man vertraut, kann die Bevölkerung schützen. Egal, wo sie herkommt.
Christoph Baumgarten - 27. Apr, 18:09


